Pünktlich um 13.30 Uhr erklang die traditionelle Marschmusik der Landsgemeinde und die beiden fiktiven Frauen Landammänner zogen feierlich im Paradeschritt in die Halle ein. Gefolgt von den geladenen Gästen und ehrwürdigen Blicken aus dem Publikum. Im Ring nahmen die stimmberechtigten 5.- und 6.-Klass-Kinder ihre Plätze ein. Festliche Kleidung, sorgfältig gestylte Haare und sogar ausgeliehene Krawatten oder Fliegen sorgten für eine würdige Atmosphäre. Die 1. bis 4. Klassen verfolgten die Landsgemeinde als Zuschauer ausserhalb des Rings.
Neben Frau Landammann und Erziehungsdirektorin Angela Koller nahmen auch Departementssekretär Silvio Breitenmoser, Schulleiter Matthias Müller sowie der Schulrat Steinegg auf der Gästetribüne Platz. Was wie eine echte Landsgemeinde anmutet, ist ein einzigartiges Schulprojekt der Schule Steinegg: Die Schülerinnen und Schüler sollen demokratische Prozesse nicht nur theoretisch kennenlernen, sondern praktisch erleben.
Der «Stuhl» wurde rege genutzt
Die Landsgemeinde verlief zügig, aber lebendig. Immer wieder meldeten sich Schülerinnen und Schüler auf dem «Stuhl» zu Wort und vertraten ihre Position mit Nachdruck.
Besonders spannend verlief die erste Abstimmung zur geplanten Eggli-Rodelbahn. Das Projekt sah eine rund vier Kilometer lange Strecke vor und hätte mit einem Kredit von 5 Millionen Franken realisiert werden sollen. Nach intensiver Diskussion fiel das Abstimmungsresultat äusserst knapp aus, so dass sich Frau Landammann für eine Auszählung entschied: Mit 11 zu 8 Stimmen wurde der Kredit abgelehnt.
Deutlich klarer war das Resultat beim zweiten Geschäft. Die vorgeschlagene Anpassung der Schulzeiten – mit Unterrichtsbeginn erst um 9 Uhr – wurde mit grossem Mehr verworfen. Zwar überzeugten Argumente zur besseren Konzentrationsfähigkeit am Morgen, doch viele Schülerinnen und Schüler wollten nicht auf ihre Freizeit am Nachmittag verzichten.
Wertvolle Erfahrungen seit 2018
Grund zur Freude gab es beim dritten Traktandum: Die Einführung eines regelmässigen Pausenkiosks stiess auf breite Zustimmung. Künftig soll einmal pro Monat eine Klasse gesunde Snacks und Getränke vorbereiten und während der Morgenpause verkaufen. Die Lehrerschaft versprach spontan, das Projekt auch tatsächlich umzusetzen.
Im Vorfeld setzte sich die 5. / 6.-Doppelklasse von Nadja Steingruber intensiv mit Argumentation, Diskussion und Meinungsbildung auseinander. Die behandelten Geschäfte stammen direkt aus der Schülerschaft und greifen aktuelle Themen auf. Steingruber betont die Bedeutung der «Stenegge Landsgmend»: «Die Kinder erleben, dass ihre Meinung zählt. Sie lernen, sich eine eigene Haltung zu bilden, diese zu vertreten und auch vor Publikum zu sprechen. Das ist unglaublich wertvoll.»
Lob von Frau Landammann
Seit der ersten Durchführung im Jahr 2018 hat sich die «Stenegge Landsgmend» stetig weiterentwickelt: vom kleinen Klassenzimmerprojekt zur Inszenierung in der Turnhalle mit Aufmarsch, Ring, Stimmrechtsausweisen und Ehrengästen. «Mit unserer fiktiven Landsgemeinde wollen wir die Jungen motivieren, später selbst an der offiziellen Landsgemeinde teilzunehmen oder vielleicht sogar ein Amt zu übernehmen», sagt Steingruber.
Ein besonderes Highlight war die Anwesenheit von Frau Landammann Angela Koller. Sie zeigte sich in ihrem Schlusswort vor den Anwesenden beeindruckt und sichtlich berührt vom Einsatz der jungen «Stimmbürgerinnen und Stimmbürger» und lobte deren Mut und Ausdrucksfähigkeit. Zudem zeigte sie sich erleichtert, dass nicht alle drei Vorlagen «bachab» gingen. Als Zeichen der Anerkennung überreichte sie ein Geschenk: das Buch «Frei und gleich geboren» über Kinderrechte.
Die Frau Landammann persönlich erleben zu dürfen, mache Politik für die Kinder auf eine ganz besondere und nachhaltige Weise greifbar, erklärt Steingruber zum Schluss der Veranstaltung.
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Demokratie als Schulprojekt hautnah erlebt 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-03-27 11:33:00
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