Um Schlag 20 Uhr herrschte konzentrierte Stille in der Turnhalle Haslen. Die Schulgemeindeversammlung hatte einen gewichtigen Entscheid zu fällen: Soll die Schule Schlatt nach Haslen zügeln? Anderthalb Stunden später konnte der Schulrat erleichtert den Apéro geniessen – sein Antrag war deutlich gutgeheissen worden. Es war ein Entscheid der Vernunft. Denn die beiden Schulhäuser müssen saniert werden, es fehlt Platz und die Transporte zwischen den Dörfern sind ein erheblicher Kostenfaktor. Ein zentraler Standort in Haslen verspricht langfristig pädagogische, wirtschaftliche und organisatorische Vorteile.
Schulrat vor schwieriger Aufgabe
Nach einer Umbauphase werden nun künftig alle Klassen – vom ersten Kindergarten bis zur sechsten Klasse – in Haslen unterrichtet. Das ermögliche einen zeitgemässen Schulbetrieb, so Schulratspräsident Beat Rechsteiner. Laut ihm war der Schulrat nicht von Beginn weg einer Meinung gewesen, wie es mit den Standorten weitergehen soll: «Die heile Welt in Schlatt, wo der Kindergarten geführt wird, war auch bei uns ein sehr grosses Argument.»
Hürde locker genommen
Weil es im Schulrat verschiedene Ansichten gegeben hatte, habe man sich externe Hilfe geholt, um «bei dieser schwierigen Aufgabe beraten und begleitet zu werden». Schliesslich habe der Schulrat einstimmig die Zusammenlegung der beiden Schulstandorte in Haslen angestrebt. Entscheide zu Schulstandorten liegen in der Kompetenz der Schulgemeindeversammlung. Das Reglement sieht für Weichenstellungen von solcher Tragweite allerdings eine besondere Hürde vor: Ein Beschluss benötigt eine Zweidrittelmehrheit. Wohl unerwartet wurde das Quorum am Donnerstag ohne Wortmeldung bequem erreicht: 102 Hände von 124 Stimmberechtigten erhoben sich bejahend.
Wie es konkret weitergeht, ist nun zu klären – für den Schulrat beginnt jetzt die Planungsphase. Eine Option ist, das Schwesternhaus an der Dorfstrasse 43 in den Schulbetrieb mit einzubeziehen. Das Gebäude gehört der Schule und bietet sich für zusätzliche Räume an. Was mit dem Gebäude in Schlatt passiert, ist noch völlig offen – an Ideen fehlt es nicht. Von Räumen für Wohnen, Seminare, Bewegung oder Events ist derzeit alles denkbar.
Schulleiterin kündigt
Ebenfalls zu Veränderungen kommt es im personellen Bereich: «In den vergangenen Wochen haben mehrere Mitarbeitende ihre Stelle gekündigt», teilte Beat Rechsteiner mit. Patricia Zehnder, Schulleiterin seit 2024, übergibt ihr 50-Prozent-Pensums an Andrea Meier. Weiter verlassen die Kindergärtnerinnen Stefanie Ritter und Anna Ackermann Oertle sowie der Lehrer Julian Fischer die Schule. Auch der Abgang von Claudine Kopp, welche die im letzten Jahr neu geschaffene schulische Heilpädagogik im Zyklus 1 übernommen hatte, muss verschmerzt werden. Weil in Haslen keine Zimmer frei waren, ist sie teilweise mit ihrem Unterricht auf ein Wohnmobil ausgewichen – «was den Kindern doch sehr gefallen hat», bemerkte Rechsteiner. Lea Borkenhagen, zurzeit Lehrerin in der 5. und 6. Klasse, lässt sich nun zur schulischen Heilpädagogin ausbilden und wird die Aufgaben von Claudine Kopp übernehmen.
Stellen ausgeschrieben
Ausserdem gehört künftig Theres Manser zum Lehrerteam und als Schulassistenz ist Eliane Eugster angestellt worden. Weitere Stellen sind zur Neubesetzung ausgeschrieben. Auch für die schulische Heilpädagogik im Zyklus 2 ist man auf der Suche nach jemandem. «Dafür wurde uns jedoch von der Landesschulkommission Zeit bis zum Sommer 2027 gewährt», so Rechsteiner. Und er wartete mit einer weiteren Neuerung auf: Weil in Appenzell keine Vorschul- oder Einführungsklassen mehr angeboten werden, können voraussichtlich ab dem kommenden Schuljahr die ersten Kinder den «Kindergarten 3+» besuchen. Dieses zusätzliche Kindergartenjahr richtet sich an Buben und Mädchen, die für den Übertritt in die 1. Klasse etwas mehr Zeit benötigen.
Neue Gesichter im Schulrat
Auch im Schulrat kommt es zu Wechseln. Auf die Kassierin Gabriela Rechsteiner folgt Victoria Brülisauer und Sandro Follador ersetzt Christian Sutter als Beisitzer mit dem Ressort Liegenschaften. Beide wurden ohne Gegenvorschlag gewählt. Der übrige Schulrat bleibt unverändert.
Defizit kleiner als gedacht
Die scheidende Kassierin Gabriela Rechsteiner durfte eine Jahresrechnung 2025 präsentieren, die mit einem Defizit von rund 27›000 Franken schloss. Das Budget hatte ein Minus von knapp 82›000 Franken erwartet. Für das laufende Jahr ist ein Verlust von 101›000 Franken vorgesehen, der über das Eigenkapital gedeckt werden kann. Die Rechnung gab keinen Anlass zu Diskussionen und wurde einstimmig angenommen – ebenso wie der gleichbleibende Steuersatz von 67 Prozentpunkten.
Der Beitrag Schulstandort in Schlatt wird aufgegeben erschien zuerst auf appenzell24.ch.
Schulstandort in Schlatt wird aufgegeben 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-03-28 18:15:00
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