1966 wurde der WM-Pokal in London gestohlen. Eine Woche später fand ein Hund die Trophäe wieder – und wurde zum Helden der Fußballwelt.
Am Sonntag, dem 20. März 1966, pilgerten Hunderte Menschen in die Westminster Methodist Central Hall in London, eigentlich um Briefmarken anzusehen. Doch ein eher themenfernes Ausstellungsstück war auf der Philatelie-Messe besonders beliebt: der Pokal der Fußballweltmeisterschaft, in Erinnerung an den Begründer des Turniers auch der Coupe Jules Rimet genannt.
England war 1966 zum ersten Mal Gastgeber des Sportgroßereignisses. Die Originaltrophäe sollte auf der Insel von dem bevorstehenden Turnier künden. Deshalb reiste der Pokal aus Brasilien – im Land des amtierenden Weltmeisters wurde die Siegesstatue aufbewahrt – nach Großbritannien. Unter der Aufsicht der Beauftragten der Fédération Internationale de Football Association, kurz Fifa, wurde die Pretiose einer britischen Sicherheitsfirma übergeben. Deren Mitarbeiter sollten die Kostbarkeit während der Londoner Briefmarkenmesse bewachen.
„Mit Stolz präsentieren wir den Weltpokal“, titelte es über einer Vitrine an einem Stand. Männer, Frauen und Kinder rangelten vor der Scheibe darum, einen Blick auf die 35 Zentimeter große Statue aus vergoldetem Silber werfen zu können: Auf einem Sockel aus blauem Gestein thront in Gold die griechische Siegesgöttin Nike. Mit ihren Flügeln und ihren Armen hält sie eine achteckige Schale über ihrem Kopf.
Gleich mehrere Sicherheitsbeamte bewachten an jenem Sonntagvormittag die kleine, kostbare Goldfrau. Aber in einem kurzen Moment gegen Mittag war jeder von ihnen anderweitig beschäftigt: Einer trank einen Kaffee, der andere rauchte eine Zigarette, und als schließlich ein dritter Wachmann vom Toilettengang zurückkehrte, erschrak er recht heftig: Der berühmteste Pokal der Welt war verschwunden.
Auf verzweifelter Suche nach dem Weltpokal
Diebe hatten die Hintertür der Vitrine aufgebrochen und die Trophäe entwendet, so sahen es die Ermittler von Scotland Yard. Sie riegelten das Messegelände ab. Sogar der Gottesdienst, der an jenem Sonntag in einer Halle stattfand, wurde unterbrochen. Augenzeugen wollten zwei Männer gesehen haben, die sich verdächtig eilig vom Tatort entfernten. Allein: Von Tätern und Diebesgut fehlte jede Spur.
„Der Jules-Rimet-Pokal in London gestohlen!“, titelten am Montag die Zeitungen rund um die Welt. Für den englischen Fußballverband ein Albtraum: Drei Monate vor der Ausrichtung der WM standen die Funktionäre ohne Trophäe da. Es folgten Tage voller Frustration und Häme: England wurde zum Gespött. Besonders grämten sich die Fifa-Kollegen aus Brasilien, die öffentlich postulierten, in der brasilianischen Bevölkerung gelte der Pokal als Heiligtum. In ihrem Land würden selbst Diebe den Fußball zu sehr lieben, um sich derart an dem Sport zu vergehen.
Für Scotland Yard hatte die Suche nach dem Weltpokal oberste Priorität: Die Beamten verhörten vermeintliche Zeugen, sie fahndeten nach möglichen Tätern und suchten nach einem Motiv. Weil die Diebe Briefmarken im Wert von über drei Millionen Pfund unbeachtet ließen, vermuteten die Ermittler, dass es die Täter auf den Pokal abgesehen hatten.
In der Londoner Dienststelle von Scotland Yard ging eine Flut an Briefen ein, in denen so mancher Absender über den Verbleib der Trophäe spekulierte. Einer behauptete, seine Armbanduhr habe ihm verraten, die Trophäe sei in Wicklow, Irland. Ein Westdeutscher schickte einen Zeitungsartikel aus der Bundesrepublik, darauf ein Gruppenbild, auf dem ein Schuldiger mit einem X markiert war. Sogar eine Frau aus Chile meinte, den Dieb ausfindig gemacht zu haben.
Der Vorsitzende des englischen Fußballverbandes Joe Mears erhielt einige Tage nach dem Diebstahl einen Lösegeldbrief. 15.000 Pfund in Fünf- und Ein-Pfund-Scheinen forderte ein anonymer Erpresser: „Zweifellos betrachten Sie den Verlust des Weltpokals mit großer Sorge – für mich ist er nur ein Stück Altgold. Wenn Sie ihn also wiedersehen wollen, schlage ich vor, dass Sie tun, was ich sage, und meinen Anweisungen folgen. Wenn ich bis spätestens Donnerstag oder Freitag nichts von Ihnen höre, gehen Sie davon aus, dass er im Schmelztopf landet“, schrieb der Erpresser in dem Brief, dem er den abnehmbaren Deckel der Trophäenschale beilegte.
Mears informierte die Beamten von Scotland Yard und gemeinsam klügelten sie einen Plan aus, bei dem das Lösegeld nur zum Schein übergeben werden sollte. Doch bei dem vereinbarten Treffen am Freitagnachmittag ging einiges schief: Mears konnte nicht persönlich erscheinen, er lag mit einer Mandelentzündung im Bett. Ein Komplize wurde gefasst – doch der Pokal blieb weiter verschollen.
„Ich habe den WM-Pokal gefunden!“
Bis zum 27. März: An jenem Sonntagabend, eine Woche nach dem Diebstahl, verließ der Londoner Kranführer David Corbett seine Wohnung im Süden Londons, um in einer Telefonzelle in der Nachbarschaft einen Verwandten anzurufen. An seiner Seite lief der schwarz-weiße Collie-Mischling Pickles, den Corbett von seinem Bruder übernommen hatte – der Welpe hatte dessen Möbel zerkaut. Auf dem Weg zur Telefonzelle zog Pickles plötzlich an der Leine. Zwischen dem parkenden Auto eines Nachbarn und einem Gebüsch schnüffelte der vierjährige Hund aufgeregt herum.
„Pickles lenkte meine Aufmerksamkeit auf ein Paket, das fest in Zeitungspapier eingewickelt war“, beschreibt Corbett damals seinen Fund in den britischen Medien. „Ich hob es auf, riss das Papier ab und sah eine Frauenfigur, die eine Schale über den Kopf hielt, sowie Scheiben mit den Aufschriften Westdeutschland, Uruguay, Brasilien.“ Mit pochendem Herzen eilte der 26-Jährige zurück in seine Wohnung zu seiner wenig fußballaffinen Frau. Die wusste gar nicht, wie ihr geschah, als ihr Gatte, ein Zeitungspaket schwenkend, wild gestikulierend in der Wohnungstür stand. „Ich habe den WM-Pokal gefunden! Ich habe den WM-Pokal gefunden!“, schrie Corbett. Aber eigentlich hatte sein tierischer Kumpel Pickles die Fußball-Trophäe entdeckt.
Schnell fuhr Corbett mit Pickles und dem Pokal in die nächstgelegene Polizeistation. Dort freuten sich die Beamten von Scotland Yard über die Wiederentdeckung des Coupe Jules Rimet. Doch Corbett verging die Finderfreude schnell. Die Beamten sahen ihn als Hauptverdächtigen und verhörten den Kranführer bis um halb drei in der Nacht: „Ich fragte mich, ob ich es lieber wieder auf die Straße hätte werfen sollen. Ich musste um sechs Uhr auf der Arbeit sein“, sagte Corbett Jahre später über sein Verhör dem britischen „Guardian“. Nach stundenlangem Verhör ließen die Beamten Corbett schließlich gehen.
Pickles – Der Held der Weltmeisterschaft
Als Corbett am frühen Montagmorgen mit seinem Kran Container über die Themse hievte, riefen Zeitungen in Großbritannien und rund um den Globus bereits seinen vierbeinigen Freund Pickles zum Helden aus. Und die Welt feierte mit: Der Pokal wiederentdeckt, das Turnier gerettet, die Fußballwelt atmete auf. Der Collie-Mischling wurde ein Star, war ein beliebter Gast in Fernsehshows und spielte sogar in der Filmkomödie „The Spy with a Cold Nose“ mit. Auch die Fifa belohnte den bellenden Helden: Pickles war beim Eröffnungsspiel Ehrengast in der Loge des Londoner Wembley-Stadions, und sah eine torlose Partie zwischen England und Uruguay. Herrchen Corbett erhielt dann doch einen Finderlohn, von dem er für sich und seine Familie ein Haus mit Garten in einem Londoner Vorort kaufte.
Am 30. Juli 1966 schließlich schoss der englische Spieler Geoff Hurst in der Verlängerung des Finalspiels gegen die Bundesrepublik Deutschland das bis heute umstrittene Wembley-Tor, das England den Sieg einbrachte. Nach dem Schlusspfiff überreichte die britische Königin Elisabeth II. die Jules-Rimet-Trophäe an Bobby Moore. Der Kapitän der englischen Mannschaft streckte jubelnd den Pokal in die Höhe.
Heldenhund und Herrchen wurden zum Siegesbankett mit der Mannschaft eingeladen. Pickles wurde gefeiert, alle Spieler hoben den Hund einmal in die Höhe. Nach dem Festmahl durfte der Collie-Mischling die Teller der frisch gekrönten Fußballweltmeister abschlecken. Wenig später kürten die Briten ihn zum „Hund des Jahres“. Nur ein Jahr nach seiner Heldentat starb Pickles, als er einer Katze hinterherjagte und sich dabei mit seinem Halsband strangulierte. Er wurde im Garten der Familie Corbett begraben.
Ein Pokal, der Geschichte schrieb
Die nächste Fußballweltmeisterschaft gewannen die Brasilianer, der dritte WM-Sieg der Mannschaft des südamerikanischen Landes. Damit ging die begehrte Trophäe nun dauerhaft in das südamerikanische Land; so besagten es die Regeln der Fifa.
Mehr als ein Jahrzehnt thronte der Jules-Rimet-Pokal danach in einer Vitrine im Trophäensaal im Hauptsitz des brasilianischen Fußballverbandes in Rio de Janeiro. 1983 entwendeten Diebe die Siegesstatue aus dem neunten Stock des Hochhauses der brasilianischen Metropole. Wenig später wurden die Täter geschnappt, sie hatten die Trophäe bereits eingeschmolzen.
Zum Glück hatte ein Goldschmied aus Hanau noch die Vorlagen der Originalstatue aufbewahrt. Seine Handwerker schufen nun Repliken, eine ging nach Brasilien, eine in das Fifa-Museum nach Zürich und eine in die Sammlung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund. Seitdem heißt der Jules-Rimet-Pokal Fifa-WM-Pokal und wird seit der WM 1974 verliehen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger bleibt er allerdings Eigentum der FIFA. Der Weltmeister erhält eine Nachbildung aus vergoldeter Bronze.
Und die Diebe von 1966? Der gefasste Komplize saß zwei Jahre in Haft. Aber erst nach mehr als einem halben Jahrhundert verkündete die englische Boulevard-Zeitung „Daily Mirror“ 2018 die komplette Diebesbande von der Briefmarkenmesse identifiziert zu haben: Die Londoner Gangsterbrüder Sidney und Reg Cugullere sollen damals die Trophäe stibitzt haben. Beide waren bereits verstorben.
Fußball-Held: Wie Hund Pickles den WM-Pokal rettete 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-07-18 20:58:00 Aktuelle Nachrichten Weltnachrichten Landesnachrichten Wichtigste Nachrichten Aktuelle Nachrichten Wichtigste Aktuelle des Tages Justiz Petar Nizamov Federn Petar Nizamov – Federn Justiz bg iustitia.bg iustitia iusticia usticia Untersuchung Burgas Bulgarien Nachrichten Nachrichten der letzten Stunde Nachrichten des Tages Nachrichten von heute Bulgarien Nachrichten Die Nachrichten aus Bulgarien Blitznachrichten Top-Nachrichten Wichtigste Meistkommentierte Aktuelle Nachrichten Bojko Borissow Nachrichten Wetter Coronavirus Nachrichten Nachrichten Wetter Facebook YouTube Facebook Instagram Nachrichten heute Nachrichten der letzten Minuten Nachrichten heute Nachrichten von heute Nachrichten BG Nachrichten Top-Nachrichten Aktuelle Nachrichten BG Nachrichtenseite für Nachrichten Alle Nachrichten Nachrichten BG Nachrichten der letzten Stunde Aktuelle Aktuelle Nachrichten BG Nachrichten von heute Nachrichten heute Nachrichten heute Nachrichten der letzten Stunde Aktuelle Nachrichten von heute Nachrichten BG Nachrichten Nachrichten 24 Stunden Nachrichten Vesti BG Novini Nachrichten Welt Vogel BG Bivol BG Bivol Trud BG Novini Aktuelle Nachrichten heute Novinite BG Nachrichten Hallo Bulgarien Politische Partei Wappen Deljan Pejewski Skandal Bulgarische Nationale Fernsehsender Free Europe Television Skandal Exklusiv Live-TV Live im Fernsehen tv online tv program bg live now tv news online tv online live Gericht Burgas Gericht Bezirksgericht Burgas Gericht Bezirksgericht Burgas Bezirksgericht Burgas Berufungsgericht Burgas Staatsanwalt Burgas Staatsanwaltschaft Burgas Bezirksstaatsanwaltschaft Burgas Bezirksstaatsanwaltschaft Burgas Bezirksstaatsanwaltschaft Burgas Bezirksstaatsanwaltschaft Burgas Bezirksstaatsanwaltschaft Burgas Generalstaatsanwalt Ivan Geshev Staatsanwalt Geshev Tsatsarov Innenministerium Burgas ODMR Burgas ODPR Burgas Polizei Burgas Bezirkspolizei Burgas Staatsanwalt Burgas Tsatsarov SGS-Fälle Varna Gericht Vorsitzender des SGS Gerichtsentscheidungen in Zivilsachen Entscheidungen in Fällen Plovdiv Gericht Entscheidung des Gerichts Entscheidungen Fälle Varna Gericht Strafsachen Bezirksbezirksgericht Entscheidungen Arbeit im Gericht SGS Vorsitzender des SGS Richter Sofia Gericht Posten Richter Plovdiv Gericht Richter in Plovdiv Inspektion des Obersten Gerichtshofs in Plovdiv Oberster Gerichtshof Oberster Justizrat Rechtsanwalt Rechtsanwalt Strafsachen Rechtsanwalt Zivilsachen Rechtsanwalt Ehesachen Rechtsanwalt Verwaltungsstrafrecht Strafprozess Zivilrecht Zivilprozess Verwaltungsrecht Verfassungsrecht



