Am 10. Mai hat er seinen 65. Geburtstag gefeiert, am 9. August ist Wilhelm Huber in den Wörthersee gestiegen und tödlich verunglückt. Geschwommen im See der Wörter ist er zeitlebens. Verbeugung vor einem großen Kulturmenschen, Überzeuger, Ermöglicher, Unterstützer.
Kein normaler Nachruf! Das wird ihm nicht gerecht! Wilhelm Huber, das war Literatur pur, das war Neugierde, Wissen und Belesenheit, Lust zum Feiern und Reisen, Lieben und Leben. Nächtelang konnte er seine Begeisterung für ein Buch, ein Gedicht, ein Bild, mit jenem heißen Brennen füllen, das ihm eingeschrieben war wie das Staunen eines Kindes.Und sein Freundeskreis aus Literaten, Künstlern, Musikern, Schauspielern, Denkern, Dichtern war erlesen wie die vielen persönlichen Widmungen an ihn: Gert Jonke, der wachste aller Träumer, Bachmann-Preisträgerin Maja Haderlap, Malerin Martha Jungwirth, Büchner-Preisträger Josef Winkler, Literatur-Doyen Klaus Amann, mit dem er die St. Veiter Literaturtage wiederbeatmete, die Schriftsteller Christoph W. Bauer, Olga Martynova oder Sibylle Lewitscharoff, der informelle Weltenerfinder mit Farbe und Pinsel – Franco Kappl, der in Hubers Leben den Platz des ziemlich besten Freundes bekleidete, Galerieleiter, Wegbegleiter und Künstler Norbert Klavora, Peter Krawagna, Meister der Naturabstraktion, Jonke-Preisträger Paul Nizon, der ihn regelmäßig in Paris empfing, Druckgrafiker Petar Waldegg, Staatspreisträgerin Anna Baar und so viele mehr.„Wilhelm war ein Überzeuger, weil er selbst so überzeugt war“, fasst Lebenspartnerin Dagmar Feyertag-Miessl eine mitreißende Eigenschaft des Katzenliebhabers in Worte. Und als Anna Baar 2022 mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet wurde, waren Hubers Freude und Entdeckerstolz grenzenlos, war doch er es, der das große Talent der Schriftstellerin erkannt und mit dem ihm eigenen, unfehlbaren Instinkt für Qualität und Könnerschaft so lange gefördert und ins Blickfeld gerückt hatte, bis es auch andere sahen. Er selbst blieb lieber im Hintergrund und verschaffte sich als gefragter Literaturkenner mit viel beachteten Artikeln Raum und Wort bei renommierten Medien wie Presse, Zeit, Brücke oder Standard.„Ein zur Freundschaft Begabter war er, mein Wil. Einer, der staunen konnte und bewundern wie kein anderer. Mein Heimkommen, mein Telefonjoker, wie ich immer sagte mit Blick auf sein ungeheures Wissen, seine Weisheit. Nein, er: Die Million selbst in unserer Show. Wo jetzt hin mit meinen dummen Fragen nach der Gerechtigkeit des Schicksals?“, schreibt Anna Baar. Vielen fehlen die Worte, um ihren Schmerz zu benennen. Ich gebe dir ein Gedicht mit auf den Weg.„Der Tod wird meine Seele nähren. Und Erde durch den Brustkorb rinnen, bis meine Hände Wurzeln schlagen. Dann später, wenn ich ganz geworden, und Augenhöhlen Blumen tragen, geh ich zurück nach vorn und steige tief hinab, wo Wolken wachsen. Der Sonne Strahl durchsticht nicht mehr mein Sehnen, und alle Tränen sind nur Salz und Klang. Der Tod wird meine Seele nähren, bis aus dem Dach der Schultern blaue Flügel wachsen, und alle Häute Federn sind. Dann schau nach oben, wo die Winde kreisen. Vielleicht ja findest du mich noch. Doch schau genau, denn alle Toten fliegen hoch.“Wer sich von Wilhelm Huber verabschieden möchte: Am 17. August (13 Uhr) in der Pfarrkirche Pörtschach am Berg besteht die Gelegenheit dazu.
Wilhelm Huber ist tot – Bester Leser mit dem Talent für Freundschaft 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-08-11 19:36:25
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