Was passiert nach dem vom belgischen Konzern angekündigten Ende des Ardo-Tiefkühlwerkes in Groß-Enzersdorf? Hinter den Kulissen glühen zur Rettung der Produktion in Niederösterreich die Drähte!
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Die Zeit drängt, die Sorgen im Marchfeld wachsen: Mit der so gut wie fixen Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf stehen – wie berichtet – 500 Gemüsebauernfamilien und zahlreiche Arbeitsplätze auf dem Spiel. Auch Österreichs Versorgung mit heimischem Tiefkühlgemüse gerät unter Druck.„Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Bauern und den Arbeitern die Existenz abzusichern. Es gilt, die Versorgungshoheit mit wertvollen Lebensmitteln in Österreich zu behalten“, versichert Agrar-Landesrat Stephan Pernkopf. Hinter den Kulissen laufen daher intensive Gespräche über mögliche Rettungsmodelle.efko und Agrana im GesprächDer vielleicht effizienteste Schlüssel liegt im heimischen Netzwerk unter dem Dach des Giebelkreuzes. Die auf Gemüseverwertung spezialisierte efko-Gruppe ist ebenso im Gespräch wie die Agrana, die mit ihrem Standort Leopoldsdorf ebenfalls zum Raiffeisen-Umfeld zählt. Die Zuckerfabrik hatte ebenfalls ein Angebot für das Ardo-Werk gelegt. Ob sich daraus eine tragfähige Lösung entwickelt, ist offen.Grüne mit eigenem „Zukunftsprojekt“Mit einem eigenen Zukunftsmodell prescht Grünen-Landessprecherin Helga Krismer vor. „80 Prozent unseres heimischen Tiefkühlgemüses stehen am Spiel. Daher müssen wir jetzt entschlossen handeln, Parteigrenzen überwinden und gemeinsam was G’scheites auf die Beine stellen!“, fordert sie. Ihr Vorschlag: Die 500 betroffenen Gemüsebetriebe sollen sich zu einer Genossenschaft zusammenschließen und gemeinsam mit der Raiffeisenlandesbank Wien-Niederösterreich beziehungsweise Agrana eine schlagkräftige Trägergesellschaft bilden.Krismer warnt davor, ein veraltetes, energieineffizientes Werk mit hohen Fixkosten auf Kosten der Steuerzahler zu übernehmen. Stattdessen soll die Wirtschaftsagentur des Landes, ecoplus, ein geeignetes Grundstück bereitstellen und einen modernen, energieeffizienten Neubau ermöglichen. „Binnen eines Jahres ein modernes Werk aus dem Boden stampfen“, lautet die ambitionierte Zielsetzung.Handel soll Farbe bekennenAuch Spar und Rewe nimmt die Grünen-Chefin in die Pflicht. Wenn die großen Handelsketten weiterhin konsequent auf heimisches Gemüse setzen, könnten Produktion und Arbeitsplätze langfristig abgesichert werden. Zugleich erhebt Krismer schwere Vorwürfe gegen die bisherige Entwicklung: Seit 2005 habe es bereits zwei Rettungsaktionen und zwei Eigentümerwechsel gegeben. Der massive Investitionsstau sei seit Jahren absehbar gewesen.
„Welcher Markt soll das sein, wenn wir in Österreich unsere Tiefkühltruhen nicht mehr aus eigener Kraft mit heimischem Gemüse füllen können?“, fragt sie. Auch eine mögliche spätere Umwidmung des Werksgeländes in Bauland sieht Krismer kritisch.Arbeiterkammer-Präsident kritisiertMarkus Wieser, der Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich, kritisiert indes: „Der Betrieb war in den vergangenen Jahren erfolgreich. Ich verstehe die Vorgangsweise von Ardo nicht. Außerdem geht es um Versorgungssicherheit!“Entscheidung über die ZukunftBei der nächsten Landtagssitzung wollen die Grünen jedenfalls ihre Vorschläge einbringen. Für die Marchfelder Bauern geht es um mehr als die Zukunft einer Fabrik: Es geht um ihre Höfe, regionale Wertschöpfung und die Frage, wie viel heimische Lebensmittelproduktion Österreich künftig erhalten will. Noch glühen die Drähte – ob daraus ein tragfähiger Rettungsplan entsteht, muss sich erst zeigen.
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