İstanbul, 11.10.2026-Am 11. Juli 2026 veröffentlichte die renommierte, investigativ arbeitende türkische Qualitäts-Tageszeitung Cumhuriyet („Die Republik“) auf ihrer prominenten Kultur- und Gesellschaftsseite zwei einen Beitrag des Wiener Verlegers und Publizisten Birol Kılıç unter dem Titel „Einigkeit, Recht und Freiheit“.
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Die 1924 auf Initiative Mustafa Kemal Atatürks gegründete Zeitung gehört zu den traditionsreichsten republikanischen Medien der Türkei. Kılıç widmete sich in seinem Beitrag der deutschen Nationalhymne und ihren überraschenden musikalischen Wurzeln in Wien: der Melodie Joseph Haydns, die 1797 ursprünglich als Kaiserhymne für Franz II. komponiert wurde.
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Ausgehend von Haydn, Wien und der Entstehungsgeschichte des „Liedes der Deutschen“ schlägt der Autor zugleich eine Brücke in die Gegenwart. Die Worte „Einigkeit und Recht und Freiheit“ werden dabei nicht nur historisch erläutert, sondern auch zum Ausgangspunkt für einen kritischen Blick auf demokratische und rechtsstaatliche Defizite in der heutigen Türkei.
Hier die Übersetzung des in Cumhuriyet erschienenen türkischen Originalbeitrags ins Deutsche:
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EINIGKEIT, RECHT UND FREIHEIT
von Birol Kilic, Wien, 11.10.2026, Tageszeitung Cumhuriyet („Die Republik“)
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Als ich vor Kurzem wieder am Haus in der Haydngasse 19 im sechsten Wiener Gemeindebezirk Mariahilf vorbeikam, blieb ich einen Moment stehen und blickte mit Respekt auf dieses Gebäude. Hier verbrachte Joseph Haydn seine letzten zwölf Lebensjahre, hier starb er am 31. Mai 1809. Heute befindet sich in dem Haus das Haydnhaus. Wer von Haydn spricht, sollte auch von seiner Wiener Handschrift in der deutschen Nationalhymne sprechen.
Wenn Deutschland bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft den Rasen betritt und Millionen Menschen sich zu jener feierlichen, würdevollen Melodie erheben, hören sie die Musik von Joseph Haydn (1732–1809). Und diese Melodie entstand nicht in Deutschland, sondern im habsburgischen Wien.
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Haydn komponierte sie 1797 keineswegs mit dem Gedanken, eines Tages die deutsche Nationalhymne zu schaffen. Für Kaiser Franz II. des Heiligen Römischen Reiches vertonte er den Text von Lorenz Leopold Haschka: „Gott erhalte Franz den Kaiser“. Am 12. Februar 1797 wurde das Werk erstmals in Wien aufgeführt. Als Franz 1804 das Kaisertum Österreich begründete, nahm er als österreichischer Kaiser den Namen Franz I. an.
EINE JANITSCHARISCH-TÜRKISCHE SPUR
Wien war damals das Zentrum der europäischen Musik. Haydn, Mozart (1756–1791) und Beethoven (1770–1827) lebten und arbeiteten hier – und alle drei kannten den Klang der damals in Europa so beliebten „türkischen Musik“.
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Damit war vor allem die Musik der osmanischen Janitscharen gemeint: große Trommel, Becken, Triangel, kräftiger Rhythmus. Haydn setzte solche Klänge in seiner Symphonie Nr. 100, der „Militärsymphonie“, ein. Mozart machte den „alla turca“-Stil mit seinem berühmten „Rondo alla turca“ populär; auch in der „Entführung aus dem Serail“ hört man diese türkisch-janitscharische Klangwelt deutlich.
Auch Beethoven griff darauf zurück. In „Die Ruinen von Athen“ finden sich ein „Marcia alla turca“ und sogar ein „Chor der Derwische“. In einem Brief aus dem Jahr 1812 erwähnte Beethoven außerdem, dass er in Teplitz mehrmals täglich „türkische Musik“ hörte.
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Als Napoleons Truppen Wien im Mai 1809 bombardierten und besetzten, war Haydn bereits schwer krank. Fünf Tage vor seinem Tod, am 26. Mai, ließ er sich noch einmal zum Klavier bringen. Dreimal spielte er „Gott erhalte Franz den Kaiser“. Am 31. Mai 1809 starb Joseph Haydn in seinem Haus in der Haydngasse.
UNTERPFAND DES GLÜCKS
32 Jahre nach Haydns Tod schrieb der deutsche Dichter und Sprachwissenschaftler August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) am 26. August 1841 auf Helgoland sein „Lied der Deutschen“ und legte den Text auf Haydns Melodie.
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Damals gab es noch keinen deutschen Nationalstaat. Deutschland bestand aus zahlreichen Königreichen, Fürstentümern, Herzogtümern und freien Städten. Auch die berühmten Worte „Deutschland, Deutschland über alles“ bedeuteten ursprünglich nicht, Deutschland stehe über anderen Völkern. Gemeint war vielmehr, dass die deutsche Einheit über den Interessen einzelner Fürstenhäuser und Kleinstaaten stehen sollte.
Der Missbrauch der ersten Strophe während der NS-Zeit gab diesen Worten später jedoch eine schwere historische Last. Heute wird als deutsche Nationalhymne ausschließlich die dritte Strophe gesungen:
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„Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand –
blüh im Glanze dieses Glückes,
blühe, deutsches Vaterland!“
26. August 1841
1922 wurde das „Lied der Deutschen“ in der Weimarer Republik zur Nationalhymne erklärt. Heute stehen drei Begriffe im Zentrum der Hymne: Einigkeit, Recht und Freiheit.
Wenn wir künftig die deutsche Nationalhymne hören, sollten wir deshalb auch an Joseph Haydn und an Wien denken. Aber nicht nur an die Melodie. Auch dieser Satz verdient es, im Gedächtnis zu bleiben:
„Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand.“
Diese Worte haben nicht nur für Deutschland Bedeutung – ein Land, dessen Geschichte selbst von tiefen Brüchen und großem Leid geprägt ist. Einheit, ein funktionierender Rechtsstaat, gleiche Gerechtigkeit für alle und eine freie Gesellschaft, in der Menschen ihre Meinung ohne Angst äußern können: Sind das nicht genau jene gemeinsamen Werte, nach denen sich heute auch die Türkei besonders sehnt und die sie so dringend braucht?
Und unter der großen, aufsteigenden Melodie dieser Geschichte steht eine unverwechselbare Wiener Unterschrift: Joseph Haydn…
Quellen:
https://www.cumhuriyet.com.tr/pazar-yazilari/birlik-hukuk-ve-ozgurluk-2545480

Der Beitrag „Lied der Deutschen“: Einigkeit, Recht und Freiheit erschien zuerst auf Yeni Vatan Gazetesi.
„Lied der Deutschen“: Einigkeit, Recht und Freiheit 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-11 11:58:50
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