Stuttgart. Alkohol bleibt im ersten Halbjahr 2026 die häufigste berauschungsbedingte Ursache für Verkehrsunfälle mit Verletzten in Baden-Württemberg, während auch Cannabis und andere Rauschmittel im Unfallgeschehen eine Rolle spielen. Eine Auswertung des Statistischen Landesamtes zeigt deutliche Unterschiede bei der Zahl der Unfälle, den Verletzungsfolgen und den beteiligten Verkehrsmitteln.
Dirk Meyer (kai)
Mehr als 90 Unfälle unter Cannabiseinfluss
In der ersten Jahreshälfte 2026 registrierte die Polizei in Baden-Württemberg 92 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, bei denen mindestens eine beteiligte Person nachweislich unter dem Einfluss von Cannabis stand. Dabei wurden 20 Menschen schwer und 104 leicht verletzt. Todesfälle sind in den vorliegenden Angaben zu diesen Unfällen nicht ausgewiesen.
Mehr als die Hälfte der Beteiligten war mit einem Auto unterwegs. Ihr Anteil lag bei 52,2 Prozent. Auf Elektrokleinstfahrzeuge wie E-Scooter entfielen 19,6 Prozent. Pedelecs und motorisierte Zweiräder mit Versicherungskennzeichen spielten mit einem Anteil von 7,6 Prozent eine geringere Rolle.
Auffällig ist die Alters- und Geschlechterverteilung: Die Beteiligten waren im Durchschnitt 32 Jahre alt, mehr als 90 Prozent waren Männer. In 39 Prozent der Fälle handelte es sich um Alleinunfälle, bei denen keine weitere Person am Unfall beteiligt war. Damit entfiel ein erheblicher Teil des Unfallgeschehens auf Situationen, in denen die verunglückte Person allein unterwegs war.
Die statistische Erfassung von Cannabis als möglicher Unfallursache erfolgt bundesweit einheitlich seit Juli 2025. Hintergrund ist die seit dem 1. April 2024 geltende teilweise Legalisierung von Besitz und Konsum für Erwachsene unter bestimmten Voraussetzungen. Die aktuellen Zahlen ermöglichen damit eine systematische Betrachtung des Unfallgeschehens unter Cannabiseinfluss.
Alkohol bleibt die häufigste Unfallursache unter Rauschmitteln
Deutlich höher lag die Zahl der Unfälle, bei denen Alkohol eine Rolle spielte. Für die ersten sechs Monate des Jahres 2026 wurden 815 Unfälle mit Verletzten erfasst. Neun Menschen kamen dabei ums Leben, 188 wurden schwer und 794 leicht verletzt.
Bei diesen Unfällen waren Autos mit einem Anteil von 38,4 Prozent die häufigste Verkehrsmittelart. Fahrräder folgten mit 21,5 Prozent, Pedelecs mit 16,6 Prozent. Elektrokleinstfahrzeuge machten 10,8 Prozent aus. Das durchschnittliche Alter der Beteiligten lag bei 42 Jahren. Fast 90 Prozent waren männlich.
Auch die Art der Unfälle unterscheidet sich: In 62 Prozent der Fälle unter Alkoholeinfluss waren keine weiteren Personen beteiligt. Der Anteil lag damit deutlich über dem Wert bei Cannabisunfällen. Zugleich zeigt die Bilanz, dass alkoholbedingte Unfälle nicht nur häufiger vorkamen, sondern auch Todesopfer forderten.
Medikamente und andere Rauschmittel ebenfalls beteiligt
Neben Alkohol und Cannabis erfasste die Statistik 67 Unfälle mit Personenschaden, bei denen sonstige berauschende Mittel wie Medikamente oder andere Drogen als Ursache festgestellt wurden. Dabei erlitten 13 Menschen schwere und 78 leichte Verletzungen.
In dieser Gruppe waren Autos mit 64,2 Prozent besonders häufig beteiligt. Auf E-Scooter und andere Elektrokleinstfahrzeuge entfielen 11,9 Prozent. Das Durchschnittsalter lag bei rund 37 Jahren, der Männeranteil bei 87 Prozent. In 49 Prozent der Fälle handelte es sich um Alleinunfälle.
Bei der Verteilung nach dem Unfallort zeigen sich zwischen den Substanzgruppen nur geringe Unterschiede. Rund zwei Drittel der Unfälle unter Alkohol- oder Cannabiseinfluss ereigneten sich innerhalb geschlossener Ortschaften, etwa ein Drittel außerhalb. Bei Unfällen unter dem Einfluss sonstiger berauschender Mittel lagen die Anteile bei 61 Prozent innerorts und 39 Prozent außerorts.
In 39 Fällen stellte die Polizei sowohl Cannabis als auch Alkohol als Unfallursachen fest. Diese Kombination wird in der Auswertung gesondert ausgewiesen und verdeutlicht, dass bei einem Teil der registrierten Unfälle mehrere berauschende Substanzen gleichzeitig eine Rolle spielten.
Alkohol, Cannabis, E-Scooter: Diese Unfallzahlen überraschen 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-16 08:14:29
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