Das erste Mal seit 39 Tagen schwimmt Buckelwal „Timmy“ seit Samstagfrüh wieder im offenen Meer Richtung Atlantik. Das heißt aber nicht, dass er gerettet ist. Der Meeressäuger ist nun einigen Gefahren ausgesetzt …
Lange blieb völlig unklar, wo sich der Wal nach der Freilassung aus der Barge befindet. Die „Bild“ berichtete am Nachmittag schließlich, dass der angebrachte Peilsender seit etwa 15.45 Uhr sendet, jedoch nur sporadisch.Dennoch deuten die bisher empfangenen Daten darauf hin, dass sich das Tier in die richtige Richtung bewegt. Das wäre zumindest ein erstes positives Signal nach der umstrittenen Rettungsaktion.Experten nannten gegenüber der „Bild“ die größten Gefahren, denen „Timmy“ nun ausgesetzt ist:
Erschöpfung, Stress
Orientierungsprobleme, falsche Wanderrouten
Fischernetze
Schiffskollisionen
Hauterkrankungen
Folgen der Ostsee
Mangel an Nahrung
Wie schwer ist das Tier verletzt?„Das größte Risiko für ,Timmy‘ ist sein geschwächter Gesundheitszustand“, betonte Walforscher Fabian Ritter. Wochenlang habe der Wal im flachen Wasser der Ostsee gelegen, sein Zustand hatte sich dabei immer wieder verschlechtert. Die Strandung und die aufwendige Rettungsaktion hätten den Meeressäuger zusätzlich belastet. „Schon die Weiterwanderung in Richtung Atlantik könnte für ihn zur Herausforderung werden. Ob er es schafft, hängt vor allem auch davon ab, ob er unverletzt ist“, so Ritter weiter.„Er hat einen weiten Weg vor sich“Der Wal ist bereits wiederholt in flachen Küstenbereichen gestrandet. Auch nach der Aussetzung ist unklar, ob er direkt den richtigen Weg ins offene Meer findet. Idealerweise sollte der Wal nun seinem natürlichen Wanderverhalten folgen und nach Norden in arktische Gewässer ziehen, wo er Nahrung wie Krill und kleine Fische findet, so Ritter. „Da kennt er sich ja aus, er hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel.“Der Experte hat Hoffnung, dass der Wal seine Kräfte jetzt sinnvoll einsetzt. „Er hat einen weiten Weg vor sich.“ Sobald er Kontakt zu Artgenossen aufnimmt, habe er auch Orientierung.Eine weitere Gefahr besteht in den Fischernetzen im Meer. Laut der National Oceanic and Atmospheric Administration führen diese zu Verletzungen, Infektionen und eingeschränkter Bewegung. „,Timmy‘ hatte sich bereits in Netzen verfangen. Sollte das wieder passieren, kann das für ihn verheerend sein“, warnte Ritter.Meeresbiologe gibt „Timmy“ nur minimale ÜberlebenschancenDie Internationale Walfangkommission wiederum führt Schiffskollisionen als ernstes Risiko auf – besonders, wenn das Tier geschwächt ist. Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace, sagte dem „Spiegel“: „Am Ende dieses umstrittenen Rettungsversuchs findet sich ein todkrankes Wildtier lediglich an einem anderen Ort.“ Der Buckelwal sei in einer der meistbefahrenen Schiffsrouten Europas freigelassen und seinem Schicksal überlassen worden. Seine Überlebenschancen schätzt Maack als minimal ein.Laut Gutachten der Experten vom Deutschen Meeresmuseum und dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) leidet Timmy an Seepocken, die bei Buckelwalen häufig beobachtet werden. Außerdem an großflächigen, blasenartigen Hautveränderungen.Hautveränderungen wegen salzarmer OstseeDie gesunde Haut bei Buckelwalen ist schwarz, glatt und glänzend. „Die Haut von ,Timmy‘ wirkt krank und grau. Die lange Zeit in der salzarmen Ostsee hat seine Haut zusätzlich angegriffen“, so Ritter Zur aktuellen Umgebung sagte der Walforscher, dass der Salzgehalt der Nordsee grundsätzlich passend ist und sich kaum vom Nordatlantik unterscheidet.Die Infografik stellt die Rettungsaktion eines Buckelwals dar, der von der Wismarbucht in Deutschland in die Nordsee transportiert wurde. Ein Teil zeigt das Tier in einem speziellen, mit Wasser gefüllten Lastkahn, der etwa 50 Meter lang ist. Der Wal war 12 Meter lang und wurde mit einem Schiff zur Nordsee gebracht. Eine Karte zeigt den Transportweg durch Dänemark, wobei der Wal am 2. Mai freigelassen wurde. Quelle: APA.if(!window.apaResc)window.apaResc=e=>{window.addEventListener(„message“,a=>{const s=a.data;if(s[e])Array.from(document.getElementsByClassName(e)).forEach(a=>{a.style.height=s[e]+“px“})})};apaResc(„apa-0549-26-SLIDES“);Mangel an NahrungEin wichtiger Faktor sei vor allem, ob der Wal eigenständig Nahrung aufnimmt, so Ritter. „Wir sind sehr, sehr gespannt auf die Daten, die vom Sender kommen“, sagte er weiter. Diese seien entscheidend, um zu beurteilen, wie es dem Wal wirklich geht: wohin er schwimmt, ob seine Atemfrequenz normal ist, wie sein Tauchverhalten aussieht. Der Experte kritisierte, dass diese Daten von der Initiative nicht öffentlich zugänglich gemacht werden. Auch Greenpeace forderte, dass die Daten veröffentlicht werden.Seil um Schwanzfluke: Kritik an RettungsversuchDie Maßnahmen der vergangenen Tage sieht Ritter aber auch kritisch. Der Wal habe während der Bergung keine natürliche Bewegungsfreiheit gehabt und sei vermutlich starkem Stress ausgesetzt gewesen – durch Lärm, Schiffsbewegungen und die Enge.Besonders problematisch sei der Versuch gewesen, ein Seil um die Schwanzfluke zu legen, um den Wal herauszuziehen. „Das war ein absolutes No-Go bei der Walrettung. Da ist die Regel Nummer eins: Ziehe niemals einen Wal oder Delfin an der Schwanzfluke. Die Fluke ist nicht knöchern und über Gewebe mit der Wirbelsäule verbunden – hier bestehe ein hohes Verletzungsrisiko“, so Ritter.
Überlebt der Wal? – Frei, aber: Diese Gefahren drohen „Timmy“ jetzt 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-05-02 21:41:03
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