Bauland ist knapp in der Schweiz, in Innerrhoden ganz besonders, ob fürs Wohnen oder für das Gewerbe. Zu den strengen Vorgaben des Raumplanungsgesetzes muss nicht zuletzt auch aus landschaftlich-touristischen Gründen gut überlegt sein, wo was gebaut wird, falls gebaut werden darf, und ob es denkmalpflegerischen und ästhetischen Ansprüchen genügt.
Bei der Hinteren Rüti, einem Areal am Dorfeingang von Appenzell in Richtung Gonten zwischen Enggenhüttenstrasse und Umfahrungsstrasse, handelt es sich um eine der grössten verfügbaren Baureserven für Industrie und Gewerbe in Innerrhoden. In den Jahren 2018 bis 2020 klärte der Kanton den Bedarf der Unternehmen nach Bauland ab, die Resonanz war gross, wie die Feuerschaugemeinde erklärt. Der Bedarf sei so gross gewesen, dass man den Boden des Areals vier- bis fünfmal hätte verkaufen können.
Reserve für das Gewerbe
Ziel der Einzonung des Areals im Jahr 2022 war die Schaffung einer Reserve für Unternehmen der Industrie und des Gewerbes. Diese sollen auf diese Weise qualifizierte Mitarbeiter im Kanton anziehen. Die «Hinteren Rüti» soll dereinst 300 bis 400 Menschen Raum zum Arbeiten und insbesondere einheimischen Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten bieten.
Der Kanton ist zwar Eigentümer des Baulandes, nicht aber Bauherr. Das heisst auch: Letztlich müssen Eigentümer gefunden werden, die investieren wollen. Das Team aus Raumplanern und Architekten der Feuerschaugemeinde musste bei diesem Projekt daher grösstenteils mit Annahmen arbeiten.
Am Eingang zum Dorf sollte aber auch kein architektonischer Wildwuchs grüssen, das Bauland soll zudem haushälterisch genutzt werden und es soll verdichtet – insbesondere mehrstöckig – gebaut werden. Raumplanerische Ansprüche mussten mit den Bedürfnissen potenziell interessierter Unternehmen abgestimmt werden. In Workshops wurden diese «abgeholt». Ein vielseitiger Wunsch war zum Beispiel möglichst viel befahrbare Fläche. Ausserdem sollen die Investitionen tragbar sein.
Seit 2023 wurde durch Studien ausgelotet, wie diese Anforderungen aufeinander abgestimmt werden können, ausserdem wurden erste Kostenschätzungen angestellt. Die Feuerschaugemeinde geht heute von einem namhaften zweistelligen Millionenbetrag aus, der von den Interessenten investiert werden kann, etwa mittels Stockwerkeigentum.
Planungssicherheit und Flexibilität
Kanton und Feuerschaugemeinde fassten einen Quartierplan ins Auge, der zunächst einmal die Spielregeln festlegt und insbesondere den Unternehmen Planungssicherheit gibt. Er sollte eine einheitliche Gesamtüberbauung erlauben, die aber tranchenweise verkauft und gebaut werden kann. Mit anderen Worten: Struktur vorgeben und dennoch flexibel bleiben.
Ein Unternehmer könne so seine Bauten auf zehn Jahre hinaus planen oder gar bauen, sagt Markus Walt, Leiter Amt für Wirtschaft. Die unterschiedlichen Zeithorizonte Raumplanung (langfristig) und Bauplanung (kurzfristig, 1 Jahr) mussten demnach entkoppelt werden. So müssen etwa raumplanerische Arbeiten abgeschlossen sein, bevor konkrete Bauprojekte entstehen. Der Kanton begrüsse es, dass die Feuerschaugemeinde einen Quartierplan erarbeitet hat, der primär die Spielregeln festlegt. Die Schwierigkeit bestand für die FSG darin, dass sie, nicht wie sonst, einfach ein spezifiziertes Bauprojekt in einem Quartierplan abbilden konnte.
Einen Zeitplan für den Baustart gibt es nicht. Ziel sei es, einen Quartierplan zu haben, dank dem die Unternehmen planen und investieren können. «Das ist ein Generationenprojekt», sagt Walt. Die Familie Dähler, die das Bauernhaus auf dem Areal bewohnt, dürfe noch so lange dort wohnen, wie sie wollen. Danach muss es abgerissen werden.
Etappierung
Die 44’000 Quadratmeter werden nicht auf einen Schlag gebaut. Zuerst könnte – abhängig von den Interessenten – der westliche Riegel mit Sockelgeschoss und Garagenplätzen entstehen. Wenn die ersten acht Segmente des Westteils verkauft sind, könnte nach Auskunft der Feuerschaugemeinde durch einen oder mehrere Bauherren mit dem Bauen begonnen werden. Der Rest wird flexibel nach Bedarf und Etappierungsmöglichkeiten realisiert. Da mit dem Bau der Halle auch das darunterliegende Sockelgeschoss gebaut werden muss, müssen sämtliche Segmente einer Halle (von einem oder mehreren Bauherren zusammen) gebaut werden.
Man wollte verhindern, dass sich alle Interessenten auf die befahrbaren Geschossflächen stürzen und diese dann weg sind, daher die Idee von Hallensegmenten, von denen ein Bewerber ein ganzes, mehrstöckiges Segment erstehen muss. Das Unternehmen kauft die Grundfläche mit Anteilen an den Allgemein- und Nebenflächen sowie den baulichen Rahmenbedingungen. Den Innenraum kann es selbst nach seinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen gestalten. Die einzelnen Segmente sind für KMU oder auch grössere Interessenten, die Segmente zusammenschliessen können.
Mitwirken bis Ende April
Das Mitwirkungsverfahren läuft seit dem 30. März 2026 und dauert noch bis zum 29. April 2026. Die Bevölkerung kann das Projekt in den Räumlichkeiten der Feuerschaumgemeinde an der Blattenheimatstrasse einsehen, die Unterlagen sind aber auch auf der Webseite aufgeschaltet oder auf der neuen Mitwirkungspage des Kantons (Mitwirkungsplattform Appenzell Innerrhoden).
Der Beitrag Flexibilität mit eingeplant erschien zuerst auf appenzell24.ch.
Flexibilität mit eingeplant 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-04-06 09:56:00
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