Farbig und fröhlich präsentiert sich die Festwirtschaft an diesem heissen Sommertag und lädt zum Verweilen ein. Schnell wird spürbar: Hier sind Menschen mit viel Herzblut am Werk. Betreuerinnen und Betreuer sind umsichtig unterwegs, die Bewohnerinnen und Bewohner leben den Moment und geniessen den Tag. Sie verkaufen Getränke und Esswaren an verschiedenen Ständen, unterhalten die Gäste mit Drehorgel und Theater und freuen sich über die Gespräche mit den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern aus Trogen und der näheren Umgebung.
Es ist ein Fest, an dem Begegnung im Mittelpunkt steht. Die offene und herzliche Atmosphäre macht deutlich, dass die Neuschwende weit mehr ist als ein Wohnheim: Sie ist ein Ort, an dem Menschen zusammenleben, arbeiten und sich begegnen.
Inklusion wird gelebt
Stolz erzählt Michael Gessner, Leiter Finanzen und Personal, davon, wie in der Neuschwende Inklusion gelebt wird. Den Bewohnern soll nicht einfach alles abgenommen werden, was ihnen aufgrund ihrer Beeinträchtigung schwerfällt. Eine Beeinträchtigung soll nicht als Nachteil verstanden werden. Vielmehr geht es darum, die individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen der Bewohner zu fördern und weiterzuentwickeln.
Jeder und jede absolviert eine Lehre, die mit der Überreichung einer Urkunde abgeschlossen wird. Das Leben im Werkheim Neuschwende soll dabei auch eine Herausforderung sein. Die Bewohner sollen ihren eigenen Sinn im Leben erkennen, Verantwortung übernehmen und sich mit Freude weiterentwickeln können.
Herausfordernde Umbauten
Vergangenen Samstag, 8. August, empfing das Werkheim Neuschwende Interessierte in Trogen zum Tag der offenen Baustellen. Dort gewannen sie nicht nur Einblicke in den Alltag und die Arbeit in der Neuschwende, sie erfuhren auch mehr zu den Umbauarbeiten: Ziel der Neugestaltung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude ist es, deren Nachhaltigkeit für die nächsten 100 Jahre sicherzustellen. Für die Bauherrschaft ist dies eine anspruchsvolle Aufgabe. Einerseits gilt es, die Vorgaben der Denkmalpflege einzuhalten, andererseits müssen die Gebäude zweckmässig gestaltet und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner ausgerichtet werden.
Michael Gessner erwähnte beispielsweise die Auseinandersetzung mit der Frage, ob in den historischen Gebäuden überhaupt Platz für einen Lift geschaffen werden darf. Schliesslich hat sich die Zweckmässigkeit durchgesetzt: Der Lift wird eingebaut.
Mit der Firma Mock aus Gossau konnte zudem ein Unternehmen gefunden werden, das den Gedanken der Inklusion auch auf der Baustelle umsetzt. Die Bewohner des Werkheims werden in die Arbeiten integriert, und die Handwerker der Gossauer Firma essen gemeinsam mit ihnen. So wird die Baustelle selbst zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs.
Verkaufsladen als Herzstück
Für den Betrieb des Wohnheims in Trogen ist der Kontakt mit der Bevölkerung von grosser Bedeutung. Deshalb wird auch der neue Verkaufsladen mit Kaffeenische mit viel Sorgfalt geplant. Er soll ein Ort sein, an dem sich Bewohner, Mitarbeitende und Menschen aus der Bevölkerung treffen können. Für eine attraktive Umsetzung konnte Gabriela Manser, Verwaltungsratspräsidentin der Innerrhoder «Goba AG», gewonnen werden. Als ehemalige Trognerin liegt ihr viel am Gelingen dieses Sanierungskonzeptes. Ihre Erfahrung und ihre Verbundenheit mit dem Ort sollen dazu beitragen, dass der Verkaufsladen zu einem lebendigen Treffpunkt wird.
Kurz: In der Neuschwende sind gerade viele Menschen am Werk, denen das Gelingen dieser Sanierung und die Zukunft des Wohnheims am Herzen liegen. Der Tag der offenen Baustellen hat am Samstag, 8. August, eindrücklich offenbart, dass hier nicht einfach Gebäude saniert werden. In Trogen entsteht ein neues Zuhause – und ein Ort, an dem Inklusion, Begegnung und Gemeinschaft gelebt werden.
Der Beitrag Inklusion denken, bauen und leben erschien zuerst auf appenzell24.ch.
Inklusion denken, bauen und leben 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-08-11 10:55:18
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