Der Wettergott hat wohl eingesehen, dass er es im letzten Jahr etwas «gär scharf» getrieben hatte, als er just beim Eintreffen der Sennen auf der Schwägalp ein weltuntergangmässiges Gewitter niedergehen liess. Es blitzte und donnerte und monsunartig fiel Regen vom Himmel. Mensch und Tier waren frierend bis auf die Knochen durchnässt, die Regenschirme von starken Sturmböen zerfleddert. Anders in diesem Jahr – ein traumhaft schöner Tag kündigte sich bereits in den frühesten Morgenstunden an. Die rund zwölf Sennen, die auf ihre Alpen zogen, wurden von strahlendem Sonnenschein begleitet. Als es im Steinfluhgebiet steiler bergan ging, legte sich ein feines Schleierwolkentuch über den Himmel, sodass man nicht gar so arg ins Schwitzen kam. Petrus kann also schon auch anders, wenn er will…
Schon von weit unten herauf war das melodische, typisch sennische Klingen zu vernehmen. Ansonsten störte kein Motoren- oder anderer «weltlicher» Lärm, einzig die Vögel freuten sich zwitschernd über den herrlichen Tag mit. Ein Senntum folgte dem nächsten, aber nie zu nah aufeinander, sodass die Höhenmeter in aller Ruhe, genussvoll singend und zaurend, bewältigt werden konnten. Selbstverständlich in der festgelegten schönen Reihenfolge bis zur jeweiligen Alp – erst dort verteilten sich die Kühe sogleich im saftigen, mit Blumen übersäten Grasteppich. In den Brunnen plätscherte reichlich glasklares Bergquellwasser, welches das Vieh, die schneeweissen Appenzellerziegen, den Bläss und auch «öppe e Menschli» erquickte. Ein «Zäuerli mit Schölleschötte» erfreute die Bauern- und Sennenseelen und bestimmt auch jene der Wanderer, die bereits in den frühen Morgenstunden unterwegs waren.
Das «Lediross» wurde ausgespannt, friedlich ging es zuerst an den Brunnen und danach auf die grüne Weide. Für die Sennen war in den Hütten der Tisch gedeckt. Im «Südhafe» und im Holzherd knisterte lustig ein Feuer, während es fein nach «Chääsmagerone», «Fenz» und anderen Leckereien duftete. Heimpressieren musste kaum jemand, weil zu Hause im Tal praktisch schon fertig «gheuet» war. Ein Grund mehr, diesen Tag zu geniessen. Bestimmt galt dabei «öppe e Zäuerli» auch dem Herrgott – auf dass er für einen glücklichen Alpsommer sorgen möge.
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Es ist wieder sennisches Leben eingekehrt 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-06-03 05:43:00
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