Scharfer Schlagabtausch mit dem Moderator
Als der Moderator nach der „rechtlichen Grundlage“ dieser Entscheidung fragte, reagierte Magyar mit beißender Schärfe:
„Wenn mir jemand auf diesem Sender Gesetzesbruch vorwirft, dann ist das so, als würde ein Dieb die Polizei anklagen.“
Die Aussage löste in Ungarn umgehend heftige Reaktionen aus.
Orbáns Wirtschaftsnetzwerke im Visier
Magyar kündigte nicht nur Veränderungen im Mediensektor an. Auch das wirtschaftliche Umfeld des früheren Ministerpräsidenten Viktor Orbán nahm er frontal ins Visier.
„Alle Vermögenswerte, die in der Orbán-Zeit an Geschäftsleute und Stiftungen vergeben wurden, werden wir verstaatlichen.“
Besonders nannte er die Orbán-nahe Stiftung Mathias Corvinus Collegium, der nach seinen Angaben kostenlos Beteiligungen an Ungarns Ölkonzern MOL sowie am Pharmaunternehmen Gedeon Richter übertragen worden seien.
„Diese Anteile werden wir unverzüglich zurückholen“, sagte Magyar.
„400.000 Kinder leben in tiefer Armut“
Zugleich zeichnete der neue Regierungschef ein düsteres Bild der sozialen Lage nach 16 Jahren Orbán-Regierung.
„Nach sechzehn Jahren Orbán leben heute 400.000 ungarische Kinder in tiefer Armut“, erklärte er.
Damit verband Magyar seine wirtschaftspolitische Kritik direkt mit sozialer Anklage.
Live-Abrechnung mit der Propagandamaschine
Während des gesamten Interviews kam es zu frostigen Szenen zwischen Moderator und Premierminister. Als der Moderator mit einer spitzen Bemerkung auf ein Treffen Magyars mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj anspielte, wies ihn Magyar scharf zurecht:
„Ich verstehe Ihren Witz, er gefällt mir sogar. Aber diese Anspielungen haben inzwischen keinerlei Bedeutung mehr.“
Danach listete Magyar frühere Berichte des Senders über seine Person auf und warf M1 gezielte Falschinformation vor.
„Nach Ihrer Darstellung war Deutschland zusammengebrochen, dort gibt es kein Internet mehr, die Menschen haben nicht einmal mehr Sex. Das ganze ungarische Volk hat über Sie gelacht.“
Weiter sagte er:
„Auf diesem Sender wurde behauptet, sogar meine kleinen Kinder würden nicht mehr mit mir sprechen. Dabei leben sie mit mir zusammen, und erst gestern habe ich sie selbst zum Training gefahren.“
„Sie hätten Orbán nie unterbrochen“
Der dramatischste Moment der Sendung entstand, als der Moderator versuchte, Magyar ins Wort zu fallen. Der Premier reagierte sofort:
„In diesem Studio hätte es bisher kein Moderator gewagt, dem korruptesten und verlogensten Ministerpräsidenten Ungarns ins Wort zu fallen.“
Damit spielte er direkt auf Viktor Orbán an. Im Studio herrschte daraufhin für Sekunden eisige Stille.
„Diese Lügenfabrik wird beendet“
Magyar kündigte an, dass die neue Tisza-Regierung gemeinsam mit anderen Parlamentsparteien und Berufsverbänden eine neue Medienordnung schaffen werde.
„Nach Bildung der Tisza-Regierung wird diese Lügenfabrik beendet. Wir werden die Voraussetzungen für unabhängige, objektive und unparteiische Medien schaffen.“
Dann folgte sein schärfster Satz des Abends:
„Was hier seit 2010 betrieben wurde – ein Propagandasystem, das selbst Goebbels oder einen nordkoreanischen Diktator neidisch machen würde – kann unmöglich fortgesetzt werden.“