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Verfasst von:
Sabine Meuter, dpa
Einen Reißverschluss schließen oder ein Stück Fleisch schneiden: Solche Alltags-Handgriffe fallen mit einer Parkinson-Erkrankung oft deutlich schwerer. Betroffene erleben immer wieder, dass Hände, Arme und Beine nicht so wollen, wie sie selbst.
Rund 400.000 Menschen sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DGP) in Deutschland von der Erkrankung betroffen. Die meisten sind zum Zeitpunkt der Diagnose über 60 Jahre alt, aber auch Jüngere können an Parkinson erkranken.
Auch wenn Parkinson bislang nicht heilbar ist: Mit Medikamenten und Bewegungstherapien lässt sich die Erkrankung oft gut bewältigen. 7 Fakten im Überblick.
Fakt 1: Verklumpte Eiweiße im Gehirn sind die Übeltäter
Morbus Parkinson ist eine chronische Erkrankung des Gehirns. „Hierbei verklumpt das körpereigene Eiweiß Alpha-Synuclein im Mittelhirn“, sagt der Neurologe Prof. Andrés Ceballos-Baumann, Chefarzt der Parkinson Fachklinik an der Schön Klinik in München-Schwabing.
Durch diese Verklumpungen funktionieren Zellen im Gehirn nicht mehr richtig und sterben letztendlich ab. Mit Auswirkungen: Der Körper bildet weniger Dopamin. Fehlt dieser wichtig Botenstoff, sind Bewegungen nicht mehr so möglich, wie man es bislang kannte. Sie sind dann schlechter steuerbar.
Warum es zu einer Parkinson-Erkrankung kommt, ist bislang nicht vollständig erforscht. „Es gibt aber Hinweise darauf, dass neben dem Alter auch andere Erkrankungen, Genetik und Umwelteinflüsse eine Rolle spielen könnten“, so Brit Mollenhauer, dritte Vorsitzende im Vorstand der DGP.
Fakt 2: Zitternde Hände sind längst nicht das einzige Symptom
Der Mangel an Dopamin kann zu zitternden Händen im Ruhezustand führen, Tremor nennt sich das. Weitere mögliche Auswirkungen sind:
- Muskelsteifheit (Rigor)
- verlangsamte Bewegungen (Bradykinese)
- kleiner werdende Bewegungen (Akinese)
- instabile Körperhaltung.
„Die Erkrankung geht teilweise auch mit sogenannten Freezing-Momenten einher, wobei mit Freezing das Einfrieren von Bewegungen gemeint ist“, sagt Brit Mollenhauer. Beispielsweise erstarrt der Körper, wenn die Ampel auf Grün schaltet und man schnell losgehen möchte.
Eine Parkinson-Erkrankung kann aber auch Symptome abseits von Bewegungsstörungen haben, etwa:
- Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken
- Riechstörungen
- Verdauungsprobleme
- Schlafstörungen
- Depressionen
- geistige Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz.
Fakt 3: Schlafstörungen können frühe Anzeichen sein
Erste Anzeichen können bereits viele Jahre vor den Hauptsymptomen auftreten. „Dazu gehören beispielsweise REM-Schlaf-Verhaltensstörungen“, sagt Andrés Ceballos-Baumann.
REM ist die Abkürzung für „Rapid Eye Movement“, was so viel wie „schnelle Augenbewegung“ bedeutet. Betroffene schreien, schlagen oder treten in dieser Schlafphase um sich. „Auch teilweise aggressive und wiederkehrende Träume zählen zu REM-Schlaf-Verhaltensstörungen“, so Brit Mollenhauer, die Chefärztin der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel ist.
Weitere frühe Anzeichen können laut Ceballos-Baumann sein:
- eine verkleinerte Handschrift
- Riechstörungen
- einseitige Schulterschmerzen
- vermindertes Mitschwingen der Arme beim Gehen
- Verstopfung
- leiser werdende Stimme
- ein maskenhaft wirkender Gesichtsausdruck
Fakt 4: Bei Parkinson-Verdacht ist Neurologe die richtige Adresse
Hat man den Verdacht, möglicherweise Parkinson zu haben, ist ein Facharzt oder eine Fachärztin für Neurologie die richtige Anlaufstelle.
Im Fokus der Diagnostik stehen Symptome wie Bewegungsarmut, Muskelsteifigkeit, Ruhezittern und körperliche Instabilität. „Ein Parkinson-Syndrom liegt vor, wenn sich mindestens ein Kernsymptom zeigt wie verlangsamte oder kleiner werdende Bewegungen plus ein weiteres Kernsymptom wie Zittern in Ruhe oder Muskelsteifigkeit“, so Andrés Ceballos-Baumann. Auch bildgebende Verfahren des Gehirns wie MRT und CT kommen zum Einsatz.
Eine weitere Methode, um die Diagnose Parkinson-Krankheit abzusichern: Patientinnen und Patienten nehmen testweise das gängige Parkinson-Mittel L-Dopa ein. „Kommt es dadurch zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden, spricht das für die Parkinson-Krankheit im engeren Sinne“, sagt Ceballos-Baumann.
Fakt 5: Medikamente sollen den Dopaminmangel ausgleichen
Medikamente können den Alltag erleichtern. „Die Symptome lassen sich lindern, indem der Körper Dopamin als Arzneimittel zugeführt bekommt“, sagt Brit Mollenhauer. Je nach Art und Schwere der Symptome bekommen Betroffene Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie verordnet. „So können sie über viele Jahre eine gute Lebensqualität haben“, sagt Andrés Ceballos-Baumann.
Gut zu wissen: Die Wirkung der Medikamente kann sich mit Fortschreiten der Erkrankung verändern. Die Ärztin oder der Arzt muss daher die Dosierung und Kombination der Parkinson-Medikation häufig anpassen. Für eine optimale Wirkung sind die Medikamente zu festen Uhrzeiten einzunehmen.
Es kann aber durch die Arzneimittel zu Nebenwirkungen kommen. Dazu zählen laut Ceballos-Baumann etwa Übelkeit, Schwindel oder Halluzinationen.
Übrigens: Spezielle Kliniken bieten Parkinsonpatienten stationär Medikamentenein- und -umstellungen auch in Kombination mit Anwendungen wie Physio- und Ergotherapie an. Multimodale Komplextherapie nennt sich das.
Neben Medikamenten in Tablettenform gibt es auch andere Formen wie Pflaster oder die Möglichkeit von Medikamentenpumpen. Zudem steht die Tiefe Hirnstimulation (THS) als Möglichkeit vor allem für jüngere Patientinnen und Patienten zur Verfügung, um Medikamente einzusparen.
Fakt 6: Hilfsmittel erleichtern den Alltag
Es gibt verschiedene Hilfsmittel, mit denen Parkinson-Erkrankte leichter durchs Leben kommen. Drei Beispiele:
- Spezielles Besteck
Messer, Gabel und Löffel haben Griffe, die mit einem weichen Material ummantelt sind. „Solche Griffe erleichtern das Greifen, wenn die Greifkraft nachlässt oder die Feinmotorik beeinträchtigt ist“, so Ceballos-Baumann.
- Anziehhilfen
Sie gibt es für Socken und Schuhe. Das Prinzip: Sie „verlängern“ die Arme, sodass man sich ohne Bücken oder große Anstrengung selbstständig anziehen kann.
- Tremor-Maus für den PC
Sie filtert die Zitterbewegungen der Hand elektronisch heraus, damit der Rechner leichter zu bedienen ist.
Fakt 7: Der Name Parkinson geht auf einen Arzt zurück
Benannt ist die Erkrankung nach dem englischen Arzt James Parkinson: Er hat die Hauptsymptome der „Schüttellähmung“ im Jahr 1817 erstmals beschrieben. Auf seinen Geburtstag am 11. April fällt der Welt-Parkinson-Tag.





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