Bis in den späten Abend dauerte die emotionale Sitzung des Stiftungsrats am Küniglberg. Die Wahl von Ingrid Thurnher zur ORF-Chefin geriet zur Nebensache, stattdessen ging es um die vielen Skandale im Öffentlich-Rechtlichen. Die sollen nun aufgearbeitet werden …
Hochspannung im ORF-Zentrum am Wiener Küniglberg: Die brisante Stiftungsratssitzung dauerte bis spätabends, zu diskutieren gab es schließlich genug. Und die unrühmliche Causa Weißmann wirbelt nun auch Vergangenes wieder auf. Neben dem umstrittenen Compliance-Bericht forderten die Stiftungsräte nämlich auch Einsicht in weitere Skandale, die der Stiftungsrat besonders unter die Lupe nehmen will:Der Ex-ORF-General ist nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung durch eine Mitarbeiterin zurückgetreten. Eine Compliance-Kommission hat diesen Vorwurf nicht bestätigt, dessen Bericht laut einem Insider aber unter anderem mangelhafte Quellen aufweist. Weißmann wurde aufgrund der Chatinhalte aber trotzdem gekündigt. Der frühere Grüne-Politiker Pius Strobl steht mit besagter Mitarbeiterin in engem Kontakt. Er hat mit Weißmanns Vorgänger Alexander Wrabetz einen Luxus-Pensionsvertrag vereinbart.Eben in diesen Luxuspensionsvertrag für Strobl, für den der ORF 2,4 Millionen Euro an Rückstellungen bilden musste, wollen die Stiftungsräte ebenfalls einsehen. Weißmann hatte sich zuletzt geweigert, diesen Vertrag zu erfüllen. Stiftungsrat Peter Westenthaler habe „so einen Vertrag noch nie gesehen. Ich rechne mit Kündigungen in den kommenden Tagen.“ Nach der Offenlegung des Berichts sollte Strobl laut Westenthaler „keinen Fuß mehr in dieses Haus setzen dürfen“.Der Ex-NÖ-Landesstudiochef Robert Ziegler musste 2023 nach Vorwürfen aus der Redaktion rund um ÖVP-freundliche Berichterstattung seinen Posten räumen. Darüber hinaus soll es Herabsetzung, Demütigung und Bloßstellung von Redakteuren gegeben haben. Amüsant: Bereits damals sprang Ingrid Thurnher als interimistische Leiterin des Landesstudios ein.Vorwürfe gegen ORF-III-Boss: Peter Schöber ist mit Vorwürfen zu seinem Führungsstil konfrontiert. Einmal mehr geht es um toxisches Führungsverhalten, Mobbing und redaktionelle Einflussnahme. Er ist nach wie vor Programmleiter.Thurnher bestätigt, Wahl wird vorverschobenElf Personen hatten sich für den Übergangsposten beworben, als einzige zum Hearing geladen war aber die Interimschefin Ingrid Thurnher, die schließlich auch mit 31 von 34 Stimmen im Stiftungsrat bestätigt wurde. Somit leitet sie weiterhin bis Jahresende die Geschicke des Staatsfunks. Wer danach übernimmt, wird außerdem nicht wie geplant im Herbst, sondern bereits in der Sitzung am 11. Juni entschieden. Das hatten FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler sowie die ÖVP-Vertreter im Gremium beantragt und durchgebracht. 28 Mitglieder stimmten für die Vorverlegung, fünf dagegen. Die fehlende Stimme gehört Alexander Zach (NEOS), der nicht anwesend war.Parlament als Schauplatz der ORF-CausaIn der Aktuellen Stunde der Nationalratssitzung am Donnerstag waren sich die Parteien aber zumindest in einer Sache einig: Eine Reform muss her! FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker sprach etwa von einem „kaputten System“. Besonders ins Visier genommen hat er den Stiftungsratschef Heinz Lederer, der für den FPÖ-Generalsekretär ein „Lobbyist der Sonderklasse“ ist.Aus Sicht der ÖVP ist das aktuelle Erscheinungsbild des ORF „katastrophal“. „Wenn das, was die Zuseher vom ORF mitbekommen, nur Sex, Drugs und Haushaltsabgabe ist, verstehe ich, dass Wut die Konsequenz ist“, so Abgeordneter Nico Marchetti. NEOS-Klubobmann Yannick Shetty sieht den ORF in einer „der größten Krisen seit Jahrzehnten“, die für echte Reformen genutzt werden müsse: „Ein Übergehen in die Tagesordnung wird es nicht geben“, so Shetty, der den Stiftungsrat als „das Gremium des Grauens“ bezeichnete, das nur der verlängerte Arm der Politik sei. Es müsse abgeschafft werden.Notwendige ORF-Reform lässt auf sich warten„Es braucht jetzt einen Medienminister, der seinen Job macht“, kritisierte die grüne Klubobfrau-Stellvertreterin Sigrid Maurer. Und das nicht erst im Herbst. Denn von diesem Zeitplan für die angekündigte ORF-Reform scheint Medienminister Andreas Babler (SPÖ) nicht abrücken zu wollen – jeglicher Kritik zum Trotz. Im Herbst sei ein breit angelegter Konvent geplant, denn „es lohnt sich, an dieser Reform zu arbeiten“.
Nach Marathonsitzung – ORF muss jetzt geheime Skandalberichte offenlegen 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-04-23 20:28:08
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