Nach der Abrechnung der ORF-Redakteure mit dem umstrittenen Stiftungsrat will die Dreier-Koalition die schwere Krise, in der sich der Öffentlich-Rechtliche befindet, offensichtlich aussitzen. Erst im Herbst möchte man die Reform anstoßen. Bis dahin wird der Generaldirektor bereits bestellt sein. Insider berichten unterdessen von einem toxischen Betriebsklima.
Der ORF-Redaktionsrat, der rund 1000 Redakteure vertritt, hat in einer bemerkenswerten Resolution der Spitze des Stiftungsrats das Misstrauen ausgesprochen. Es werden ihnen Unvereinbarkeit zwischen Lobbying für die eigenen Kunden und der Tätigkeit im Aufsichtsrat des ORF sowie Interventionen in der Redaktion vorgeworfen. „Der ORF steckt in einer schweren Krise“, halten die Redakteure in aller Deutlichkeit fest.Vor allem ÖVP und SPÖ stellen sich beim Stiftungsrat, den ihre „Freundeskreise“ dominieren, taub und verweisen auf den im Herbst geplanten Reformstart. ÖVP-Mediensprecher Nico Marchetti verweist auf Anfrage der „Krone“ darauf, dass es nach der derzeitigen Rechtslage nicht möglich sei, Stiftungsräte während der Periode abzuberufen. „Die Grundlage für diese erst vor kurzem geänderte Rechtslage ist ein VfGH-Erkenntnis.“Nur die Neos mit klaren Reform-VorschlägenZumindest die Neos haben klare Vorstellungen, wohin die Reise gehen soll. Sie wollen den Stiftungsrat von aktuell 35 Personen auf maximal zwölf Personen verkleinern. In diesen zwölf Personen sind auch schon die drei vorgeschriebenen Betriebsräte inkludiert, und alle anderen Personen haben echte Expertise.Auf die Frage, ob die aktuellen Stiftungsräte noch tragbar sind, sagt Mediensprecherin Henrike Brandstötter im Ö1-Radio: „Es müssen eigentlich die Stiftungsräte einmal selbst entscheiden, ob sie wirklich der Meinung sind, dass es dem Haus guttut, wenn es ständig weitere Debatten gibt, auch um sie als Personen und ob so überhaupt auch ein professioneller Prozess aufgesetzt werden kann, um den oder die neue Generaldirektorin zu finden. Das liegt ganz klar bei ihnen.“Ausgerechnet die in der Kritik geratenen Stiftungsräte sollen nun die Ausschreibung für einen neuen Generaldirektor organisieren. Das wird von vielen Beobachtern als schwerer Fehler gesehen. Die Ereignisse im ORF zeigen, dass es eine ordentliche Gremienreform brauche, so Brandstötter.Mobbing, Übergriffe, K.-o.-Tropfen – ein toxisches Betriebsklima„Aber ganz generell ist ja festzustellen, dass es im ORF schon über Jahre hinweg ein toxisches Betriebsklima gegeben hat. Nicht zuletzt auch an mich haben sich viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewandt, die aber auch darum gebeten haben, mit diesen Fällen nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, die aber ihr Herz ausgeschüttet haben und erzählt haben von Mobbing, von Bossing, von verbalen sexuellen Übergriffen, Gerüchte auch auf den Tisch gelegt haben, wo es hin bis zu Drogenmissbrauch und K.-o.-Tropfen auf Weihnachtsfeiern gegangen sind. Ein Desaster, dieses Bild“, so Brandstötter. Es müsse jetzt alles getan werden, dass auch eine neue Firmenkultur, eine neue Unternehmenskultur im ORF entsteht. Medienminister Andreas Babler lässt lediglich ausrichten: „Der Stiftungsrat hat den gesetzlichen Auftrag, das Direktorium des ORF zu bestellen. Ich gehe natürlich davon aus, dass er dieser Aufgabe sach- und zeitgemäß nachkommen wird.“
Neue Berichte schocken – Regierung will schwerste ORF-Krise wohl aussitzen 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-04-16 18:01:20
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