FPÖ-Chef Herbert Kickl ist bei seiner 1.-Mai-Kundgebung in Linz seinem Ruf als Pointenschleuderer in bewährter Manier eines Jörg Haider wieder einmal voll gerecht geworden. Fast eine Stunde lang heizte er seinen Gegnern (Bundesregierung, ORF) mit deftigen Sagern ein und sorgte für Jubelschreie unter den blauen Fans. Doch ein spezieller Sager sorgt jetzt für Irritationen und scharfe Kritik im Netz. Konkret geht es um den Umgang von Lehrern mit Schulkindern in der „guten alten Zeit“ …
Kickl forderte in seiner Rede einen Stopp der Islamisierung („Das haben wir überhaupt nicht gekannt“) sowie der illegalen Masseneinwanderung, den eine FPÖ-geführte Bundesregierung umsetzen würde.Reizthema Ausländerkinder in SchulenKickl schwärmte in erster Linie über die „gute alte Zeit“ in Österreich. „Es war eine Zeit, wo die Ausländer in den Schulklassen die Minderheit gewesen sind – und Integration war eine Bringschuld. Die haben das selber leisten müssen.“Und dann sagte Kickl den entscheidenden Satz: „Und wenn sie nicht gespurt haben, dann hat ein Lehrer, der noch eine Respektsperson gewesen ist, ein bisserl nachgeholfen – und das hat niemandem geschadet, wenn ich das so sagen darf!“ Kickl hob dabei kurz seine rechte Hand, die offenbar eine Ohrfeige darstellen sollte.Die Rede Kickls kann man im Internet via ORF-Stream nachschauen, der besagte Sager kommt bei 1:36:14 bzw. 22 Minuten vor dem Ende der Rede Kickls. Brandstätter: „Kickl ruft also zu Gewalt gegen Kinder auf?“Die Frage, die sich politische Beobachter nun stellen: Hat der FPÖ-Chef etwa die körperliche Züchtigung von Schülern gutgeheißen? Die Wogen in den sozialen Netzwerken gehen jedenfalls hoch, spätestens als NEOS-EU-Abgeordneter Helmut Brandstätter den Sager in einem Posting zur Diskussion stellte (siehe unten). „Herbert Kickl ruft also zu Gewalt gegen Kinder auf?“, fragte der pinke Politiker. „Autoritäre Männer lieben die ,gute alte Zeit‘“Auch einige X-User zeigten sich über den Kickl-Sager erzürnt. „Der Kickl darf zu Gewalt auffordern, weil er als Parlaments-Aparatschik immun und vor Strafverfolgung geschützt ist. Darum durfte er vor Jahren auch das mit dem ,Schlag aufs Hosentürl‘ ungestraft sagen. Für uns Normalsterbliche gilt das halt nicht“, betonte ein User. Zur Erinnerung: Kickl wünschte sich im Wahlkampf 2019 für die Gegner der Freiheitlichen „einen Schlag aufs Hosentürl“. Ein weiterer User schrieb: „Autoritäre Männer lieben die ,gute alte‘ Zeit. Nicht nur bei der Kindererziehung.“ Es gibt aber auch User, die Verständnis für Kickls Wortwahl zeigten. So schrieb eine weibliche Person auf X: „Immer noch eine bessere Erziehungsmethode als die unfassbaren Urteile der links-liberalen Richter, die zugewanderte Vergewaltiger freisprechen oder gar nur auf Bewährung verurteilen.“Erinnerungen an „Tetschn“-Sager von Uwe Scheuch Die Diskussion erinnert an einen ähnlichen Fall, der allerdings schon 14 Jahre zurückliegt. Im Mai 2012 wirbelte Uwe Scheuch als damaliger freiheitlicher Landeshauptmann-Stellvertreter in Kärnten mit seinem „Tetschn“-Sager viel innenpolitischen Staub auf. In der ORF-Radiosendung „Streitkultur“ forderte er härtere Durchgriffsrechte von Lehrern gegenüber Problemschülern. Es sei „sinnvoll und gut“, wenn Pädagogen einem Schützling hin und wieder „a klane Tetschn“ geben könnten, betonte Scheuch. Für den Sager erntete der Politiker heftige Kritik von allen Seiten. Wenig später relativierte Scheuch seine Aussagen, er habe „alles andere als körperliche Gewalt“ gemeint.SPÖ an Kickl: „Unerträgliche Hass-Suada“Zurück zu Kickl. Für seine Rede erntete der FPÖ-Chef auch seitens der SPÖ scharfe Kritik. „Chaos-Kickl lieferte im blauen Bierzelt eine unerträgliche Hass-Suada. Er hetzt, spaltet und spielt die Menschen gegeneinander aus“, betonte Klaus Seltenheim. Für den roten Bundesgeschäftsführer sei klar: „Mit der FPÖ ist kein Staat zu machen – es ist gut, dass Österreich ein rechtsextremer Kanzler Kickl erspart geblieben ist!“Kickl sei eine Gefahr für die Sicherheit und die Demokratie in Österreich. „Wenn Kickl im blauen Bierzelt von der Machtergreifung fantasiert und wörtlich sagt, er wolle ,die Demokratie auf ihren gesunden Kern zurückführen‘, müssen alle Alarmglocken schrillen.“
„Niemandem geschadet“ – Dieser Kickl-Sager sorgt jetzt für neuen Zündstoff 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-05-02 19:07:21
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