Seit dem frühen Mittwochmorgen gilt eine fragile Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA. Doch die Straße von Hormuz bleibt für Teheran ein wichtiges Druckmittel. Der Iran verlangt inzwischen von einigen kommerziellen Schiffen eine Maut. Ist das zulässig? Und werden andere Länder die Passage künftig militärisch absichern?
Nach übereinstimmenden Berichten haben wenige einzelne Schiffe seit der Verkündung der Waffenruhe die Straße von Hormuz passiert. Die allermeisten Reedereien warten aber unverändert auf eine Besserung der Sicherheitslage. Verbände rieten zunächst von einer nicht abgesprochenen Durchfahrt ab.Das hat weiterhin massive Auswirkungen auf den Welthandel: Die Straße von Hormuz verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean und damit die großen Ölförderländer der Region mit den Weltmärkten. Nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur (IEA) wurden 2023 fast 30 Prozent des weltweit verschifften Öls hier transportiert. Alternative Routen existieren zwar, etwa Pipelines durch Saudi-Arabien, ihre Kapazitäten reichen jedoch nicht aus, um einen längeren Ausfall der Seeroute zu kompensieren.Darf der Iran Maut für die Durchfahrt verlangen?Nach übereinstimmenden Berichten, unter anderem des Fachmediums „Lloyd‘s List“, hat der Iran in der Straße von Hormuz eine Art Mautstellen-System eingeführt. Dabei müssten Schiffe Unterlagen vorlegen, Freigabecodes einholen und eine von den Revolutionsgarden begleitete Durchfahrt durch einen einzigen kontrollierten Korridor akzeptieren.Nach Einschätzung von Fachleuten ist das
Vorgehen des Iran nicht vom Völkerrecht gedeckt. Die Seerechtsexpertin Nele
Matz-Lück der Universität Kiel sagte, der Iran sei völkerrechtlich
verpflichtet, die Durchfahrt durch die Straße von Hormuz für die zivile Schifffahrt
gebührenfrei zu gewährleisten. Valentin Schatz von der Universität Lüneburg
sieht das ebenso.Seerechtsexperte Schatz zufolge ist der zentrale Teil der Straße von Hormuz, durch den normalerweise die Schifffahrtsrouten verlaufen, rechtlich als internationales Gewässer zu behandeln. Aber selbst der küstennahe Abschnitt, über den der Iran Souveränität hat, dürfe befahren werden. Schatz sagte, es sei fraglich, ob sich das Recht auf freie Fahrt gerichtlich durchsetzen lasse. Der Iran sei nicht an den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg und den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gebunden.Die Infografik zeigt die wichtigsten Punkte der Waffenruhe nach einem fünfwöchigen Krieg zwischen USA/Israel und Iran. Es gibt eine zweiwöchige Feuerpause im Nahen Osten, die Straße von Hormuz wird für Öltanker geöffnet, und Friedensgespräche sollen direkt beginnen. Die USA fordern die Aufgabe des iranischen Atomprogramms, während Iran weitere Urananreicherung, die Aufhebung von US-Sanktionen und Reparationszahlungen verlangt. Quelle: APA.if(!window.apaResc)window.apaResc=e=>{window.addEventListener(„message“,a=>{const s=a.data;if(s[e])Array.from(document.getElementsByClassName(e)).forEach(a=>{a.style.height=s[e]+“px“})})};apaResc(„apa-0444-26“);Wie schätzen Reedereien die aktuelle Lage ein?Deutsche Reedereien beobachten die Lage und warten darauf, ihre Schiffe in Sicherheit zu bringen. Nach Einschätzung des Verbands Deutscher Reeder (VDR) sitzen mindestens 50 Schiffe deutscher Reedereien im Persischen Golf fest. Insgesamt sind es dem VDR nach mehr als 2000 Betroffene. Unternehmen selbst nennen keine Einzelheiten und verweisen auf die Sicherheitslage.Wie gefährlich ist eine Passage ohne Absprache mit dem Iran?Irans mächtige Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht des Landes, haben die Kontrolle über die Meerenge an sich gezogen. An ihrer engsten Stelle ist sie nur rund 33 Kilometer breit, die eigentlichen Schifffahrtsrouten umfassen jedoch lediglich wenige Kilometer pro Richtung. Gerade wegen der Enge der Passage können schon begrenzte militärische Aktionen oder Drohungen den Schiffsverkehr erheblich beeinträchtigen, Versicherungsprämien steigen lassen und die Energiepreise weltweit treiben.Nun warnen die Revolutionsgarden vor
Seeminen in der Straße von Hormuz. Am späten Mittwochabend veröffentlichten sie
eine Karte mit einer Gefahrenzone in den üblichen Schifffahrtswegen. Vor dem
Hintergrund der Kriegslage im Persischen Golf wird Schiffen geraten, eine
weiter nördlich verlaufende Route zu nutzen, um einen möglichen Kontakt mit
Seeminen zu vermeiden.Ob tatsächlich Minen in den wenigen Kilometer breiten Korridoren liegen, ist unklar. Die USA hatten im Krieg nach eigenen Angaben einen Großteil der iranischen Marine zerstört. Zugleich verfügen die Revolutionsgarden über eine große Zahl kleiner, schneller Boote, die für solche Einsätze geeignet sind und in gut versteckten Küstenstützpunkten stationiert sein sollen.Wie geht es jetzt weiter?Eine nachhaltige Entspannung hängt von einem dauerhaften Frieden in der Region ab. Am Freitag wollen Vertreter aus Washington und Teheran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad darüber sprechen.Für US-Präsident Donald Trump wird die
Blockade zunehmend auch innenpolitisch zur Belastung. Er kann sich sogar eine
Zusammenarbeit mit dem Iran vorstellen. Die Sicherung der Straße von Hormuz
könnte als gemeinsames Projekt organisiert werden, sagte er dem Sender ABC News
zufolge. Das sei eine Möglichkeit, die Route zu schützen, auch vor anderen
Akteuren. Details nannte er nicht.Ob sich auch EU-Länder in der Zukunft an Marinemissionen vor der iranischen Küste beteiligen, ist unklar. Trump hatte die NATO-Verbündeten unter anderem aufgefordert, die USA bei der Sicherung der Straße von Hormuz zu unterstützen. Diese hielten sich zuletzt mit Zusagen zurück. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am Mittwoch, Deutschland werde in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Straße von Hormuz zu gewährleisten. Was das genau bedeutet, ist bisher unklar.
Iran verlangt „Maut“ – Aktuelle Lage: So steht es um Straße von Hormuz 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-04-09 16:16:14
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