Russland gerät wirtschaftlich immer mehr unter Druck. Angesichts des katastrophalen Haushaltslochs liebäugelt Kremlchef Wladimir Putin nun offenbar mit Enteignungen von Oligarchen und Unternehmern. Dies könnte erklären, warum sich Roman Abramowitsch wieder als Friedensvermittler versucht.
Laut Beobachtern legt Russlands Präsident in letzter Zeit im Umgang mit der Elite eine ungewohnte Härte an den Tag. Allein letztes Jahr soll der Moskauer Anwaltskanzlei Nektorov, Saweliew & Partner zufolge der russische Staat im Zuge von Korruptionsverfahren 1,1 Billionen Rubel (ca. 12,9 Milliarden Euro) enteignet haben und damit das Achtfache im Vergleich zum Jahr davor.Als bekanntestes Beispiel des Schreckens gilt für die russischen
Milliardäre Wadim Moschkowtisch, Gründer des Agrarkonzerns Rusagro. Der
59-Jährige wird von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, dem Konzern in seiner
früheren politischen Position als Senator Vorteile verschafft zu haben. In der
Folge ließ ein russisches Gericht seine Vermögenswerte einfrieren.Kerimow setzt auf SpendenDie russische Elite hat einige weitere milliardenschwere Vertreter zu bieten, die ebenfalls politische Ämter bekleideten. Einige von ihnen wagen die Flucht nach vorne. „Bloomberg“ zufolge hat der Oligarch und Senator Suleiman Kerimow Putin eine Spende in der Höhe von 100 Milliarden Rubel (ca. 1,2 Milliarden Euro) für den Staatshaushalt angeboten. „Freiwillige“ Unternehmensbeiträge könnten den Staatshaushalt stützen, so seine Idee.Abramowitsch versucht sich als DiplomatAbramowitsch war sieben Jahre lang als Gouverneur von Tschukotka tätig und könnte daher ebenfalls ins Visier geraten. Doch er bedient sich anderer Mittel. Zunächst schrieb die britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“, dass er im Mai nach Kiew gereist sei und dort Präsident Wolodymyr Selenskyj getroffen habe. Dies bestätigte der ukrainische Staatschef später in einem TV-Interview. Abramowitsch soll demnach gebeten haben, Putin ein Treffen vorzuschlagen. Bereits seit Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 bemüht sich der Oligarch als Friedensvermittler zwischen Kiew und Moskau. Dies wurde so sehr geschätzt, dass Selenskyj den USA vorschlug, die Sanktionen gegen den Russen-Milliardär aufheben zu lassen.„Er wird gebraucht, weil er der einzige Russe ist, den sie bereit sind zu tolerieren. Er kommt mit allen gut aus“, sagte ein Insider der „Financial Times“ zur Sicht Kiews. Nach Ansicht von Abramowitsch, dessen Worte eine der Quellen wiedergibt, glaubt Selenskyj, dass er „alles dank der Magie seiner persönlichen Ausstrahlung bei einem Treffen mit Führungspersönlichkeiten lösen kann“.Für Putin wäre Treffen momentan sinnlosDass im vergangenen Monat ein russischer Geschäftsmann zu Selenskyj nach Kiew gereist war, hatte Putin beim Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg erzählt. Den Namen des Unternehmers erwähnte er allerdings nicht. Nach der Reise sei ihm von dem Bekannten berichtet worden, dass sich der ukrainische Staatschef gerne treffen würde. Putin schilderte, dass er sich niemals dagegen gesträubt habe – aber momentan einfach keinen Sinn darin sehe.
Reiste zu Selenskyj – Oligarch Abramowitsch will für Putin alles richten 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-06-07 20:49:16
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