Ingrid Thurnher steht als neu gewählte Interimschefin des ORF vor einer schwierigen Aufgabe: Sie soll das Chaos der letzten Monate wieder bereinigen. Heute Mittag gibt sie zum ersten Mal in ihrer neuen Position eine Pressekonferenz – verfolgen Sie das Statement im Livestream.
Erst am Donnerstag wurde Ingrid Thurnher mit klarer Mehrheit (31:3 Stimmen und eine Enthaltung) an die ORF-Spitze gewählt. Als neue Interimschefin wird sie als zweite Frau seit 1967 die Geschicke des ORF bis Ende 2026 leiten. Nun wolle sie „das Vertrauen des Publikums zurückgewinnen“.Eingangs bedankte sich Thurnher für das „große Vertrauen, das mir bereits zum zweiten Mal innerhalb von sechs Wochen ausgesprochen wurde“. Sie nehme diese Aufgabe „mit großem Respekt an“: „Vor dem Job, dem Haus, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, vor den eigentlichen Eigentümern, das ist unser Publikum.“Aufarbeitung „klar und ohne Ausweichen“Sie trete diese Funktion in einer Phase an, „in der über den ORF heiß diskutiert wird“. Die aufgekommenen Missstände, etwa rund um die Causa Roland Weißmann, werde man „klar, konsequent und ohne Ausweichen“ aufarbeiten. So sei bereits ein weisungsfreier und unabhängiger Transparenzrat eingerichtet worden. „Wir werden das so aufarbeiten, wie es sich gehört, unter Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben und Persönlichkeitsrechte.“
Transparenz bedeute für sie nicht „Vorverurteilung und öffentliche Tribunale unter Beteiligung anderer Medien“. Dennoch habe sie von vielen Menschen die Frage gestellt bekommen, wie „so etwas keine sexuelle Belästigung sein kann“: „Für mich persönlich war von Anfang an klar, dieses Verhalten war falsch und für eine Führungskraft inakzeptabel.“ Daher habe man die Kündigung Weißmanns eingeleitet. „Konsequente Aufarbeitung und verlässliche Auftragserfüllung“ sei ihre Prämisse, so Thurnher. Zudem strebe sie eine „bedingungslose Publikumsorientierung an“, die Programmrichtlinien werden überarbeitet, Marken und Inhalte sollen besser positioniert werden. Man wolle sich an den Konsumgewohnheiten der nachkommenden Generationen besser orientieren. Es sei „in jeder Organisation schmerzhaft“, wenn solche Dinge aufgearbeitet werden müssten: „Aber da müssen wir jetzt einmal durch.“ Dass das „nicht allen schmecken werde“, sei auch klar. Aber dafür sei sie angetreten: „Ich will diese Dinge jetzt aufklären, Klarheit schaffen und den Fokus nach vorn richten.“Noch offen, ob Thurnher sich wieder bewirbtOb Thurnher sich auch für die nächste Periode als Generaldirektorin bewerben wird, ließ sie bisher noch offen. Sie werde sich das „noch überlegen“, antwortete Thurnher auf eine entsprechende Frage. Am 1. Mai wird jedenfalls die Position ausgeschrieben.Bis dahin hat die neue Interimschefin einen wahrlich undankbaren Job und muss das Chaos, das seit Monaten im Österreichischen Rundfunk herrscht, bereinigen. Der Ursprung allen Übels sollte durch Ex-Generaldirektor Roland Weißmann ausgelöst werden, der eine Mitarbeiterin sexuell belästigt haben soll und anschließend zurücktreten musste. Mittlerweile sind die Chats bereits an die Öffentlichkeit gelangt. Ob es hier eine Anzeige geben werde, sei noch offen Kritik gab es allerdings an dem Prüfbericht des ORF zur Causa, die Compliance-Stelle hatte darin attestiert, dass es „keine sexuelle Belästigung“ durch Weißmann gegeben habe. Diese Beurteilung stehe allerdings ausschließlich einem Gericht zu, stellte die Gleichberechtigungsanwaltschaft fest. Auch im Stiftungsrat gab es deswegen Diskussionen.
Thurnher hier live – „Respekt vor unseren Eigentümern – dem Publikum“ 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-04-24 10:51:34
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