
Darum geht‘s:
- Schalke zeigt auswärts Stärke, kämpft jedoch mit schwacher Chancenverwertung zuhause.
- Die dreiwöchige Pause unterbrach den Flow, wurde aber produktiv genutzt.
- Dzeko bleibt trotz Torflaute wichtig, Teamarbeit und Hierarchie sind klare Stärken.
Nach vier Pflichtspielen steckt Schalke 04 sportlich zwischen Aufbruch und Baustellen. Im Gespräch spricht Kenan Karaman über die auffälligen Auswärtszahlen, Probleme im Abschluss – und darüber, warum Edin Dzeko trotz Torflaute ein Schlüsselspieler bleiben soll.
Kenan Karaman, vier Spiele sind gespielt. Auswärts zählt Schalke bislang zu den besseren Teams, was das Toreschießen angeht. Wie kommt das?Wir hatten bisher auch erst zwei Auswärtsspiele. Ich denke, wir haben aus dem Augsburg-Spiel gut gelernt. Das war unser erstes Spiel in der Bundesliga. Wir haben die richtigen Schlüsse gezogen und das dann in Berlin gut umgesetzt. Aber: Das waren eben erst zwei Spiele. Wir müssen das über eine lange Strecke zeigen. Grundsätzlich tun wir uns gut damit, aus Spielen die richtigen Schlüsse zu ziehen und dann weiterzumachen.
Blickt man auf alle Spiele, gehört Schalke bei der Chancenverwertung zu den schwächsten Teams – gerade zu Hause klappt es nicht richtig. Woran liegt das? Ich habe nach dem Elversberg-Spiel schon gesagt: Wir müssen in den nächsten Spielen noch sauberer werden, vor allem in den Offensivaktionen. Wann spiele ich den Ball? Wann ist der richtige Moment? Dass wir überhaupt zu mehr Abschlussmöglichkeiten kommen. Das heißt nicht automatisch, dass das direkt Tore werden – aber wir müssen häufiger in diese Situationen kommen. Darauf haben wir auch den Fokus gelegt, auch im Training. Daran gilt es zu arbeiten. Das wissen wir – und das machen wir auch.
Wie war diese dreiwöchige Pause für euch? Sehr ungewohnt – nicht nur für die Fans, auch für Spieler. Das war tatsächlich sehr ungewohnt, so lange hatte ich das noch nie. Für uns war es an sich ganz angenehm, weil wir ein paar Tage frei hatten und Zeit mit der Familie genießen konnten. Für die Jungs, die auf Reisen waren, war es anstrengend. Aber wir sind glücklich, dass alle verletzungsfrei zurückgekommen sind.
Trotzdem hatte man den Eindruck: Ihr wart gerade angekommen – dann kommt diese Pause und nimmt ein bisschen den Schwung raus. Ich würde es nicht „Stimmungskiller“ nennen, aber ich hätte den Flow natürlich gerne mitgenommen – direkt weiter. Du bist dann gezwungen, diese Pause einzulegen. Ich denke aber, wir haben sie gut genutzt, gerade für die Themen, die ich angesprochen habe. Der Trainer hat uns klar gezeigt, wo wir ansetzen müssen – das war positiv. Wenn ich einen negativen Punkt nennen soll: Du konntest den Flow nicht mitnehmen.
Wo steht Schalke aktuell? Start etwas naiv, dann sehr konzentriert gegen Bayern, offensiv ordentlich gegen Berlin, Elversberg ein Mischmasch – wie ordnest du euch ein? Es ist noch ein bisschen früh, um sich in der Liga zu positionieren, weil noch nicht viele Spiele gespielt sind. Nach dem Oktober kann ich das besser beantworten.
„0:4“ ist für Schalke in Freiburg zuletzt eine unschöne Zahlenkombination: Die vergangenen drei Auswärtsspiele dort gingen jeweils 0:4 verloren. Was macht man gegen so eine Horrorbilanz? Sich stellen als Erstes. Das wäre schon mal gut. Wir wissen, dass es ein schweres Auswärtsspiel wird. Freiburg ist seit Jahren eine etablierte Bundesliga-Mannschaft, auch international machen die echt gute Arbeit. Deshalb gilt es, den Fokus in der Trainingswoche hochzuhalten. Wir fahren trotzdem hin, um zu punkten.
Kurzer Blick zur türkischen Nationalmannschaft: vier Niederlagen zuletzt – was ist da los? Ich kann das nur aus der Ferne beurteilen. Natürlich ist es schade, wie die Spiele abgelaufen sind. Viermal verloren – das liest sich nicht gut. Ich bin zu weit weg, um das seriös zu bewerten, aber die Spiele waren auf jeden Fall nicht gut.
Du bist schon einige Jahre auf Schalke und kennst verschiedene Kabinen. Wie schätzt du die aktuelle Truppe ein? Eine sehr gute Truppe, eine sehr gute Mischung. Vor allem die Neuen haben sich einwandfrei integriert – bei uns ist das aber auch nicht schwer, finde ich. Jeder hat seinen Platz gefunden und auch für sich persönlich verstanden, wie er der Mannschaft helfen kann. Der Schlüssel wird die mannschaftliche Geschlossenheit sein. Wir hatten als Mannschaft schon gute Momente – und werden sie auch in Zukunft haben.
Worin unterscheidet sich diese Mannschaft von früheren Schalker Teams? Das Positive, das du dir im letzten Jahr erarbeitet hast, gibt dir viel in der Kabine. Das macht gute Stimmung. Ich würde es gar nicht an einzelnen Personen festmachen, sondern an der Grundstimmung, die sich verbessert hat: mehr Positivität, eine bessere Arbeitseinstellung. Jeder versucht, jeden zu pushen – das tut gut. Dazu kommt ein neuer Konkurrenzkampf, der uns ebenfalls guttut. Jeder nimmt seine Rolle gut an.
In der Vorbereitung hieß es, Schalke habe acht, neun Spieler, die Kapitän sein könnten. Wie ordnet sich das inzwischen? Jeder hat seine Rolle gefunden. Da ist keiner, der sagt: „Ich nehme das jetzt alleine in die Hand und muss die lauten Ansagen machen.“ Jeder tut in seiner Rolle etwas für die Mannschaft – das ist gut. Wir haben eine gesunde Hierarchie, und das hilft besonders den jungen Spielern, sich zu entwickeln. Ich glaube, das ist eine unserer größten Stärken.
Vor dir könnten mehrere Stürmertypen spielen – Wang, Silla, Adamu und natürlich Edin Dzeko. Worin unterscheiden die sich im Zusammenspiel mit dir? Das müsst ihr Miron fragen. Ich glaube, er hat für jeden Gegner einen Matchplan. Wir sind unterschiedliche Spielertypen – das ist gut für den Trainer. Dann kann er je nach Spiel und je nachdem, was das Beste für die Mannschaft ist, aufstellen. Der Trainer hat von „Game Changern“ gesprochen: Es fangen elf an, aber oft beenden andere das Spiel. Bestes Beispiel war das Union-Spiel, wo die Game Changer einen Impact hatten. Bis jetzt geht auch jeder gut mit seiner Rolle um, auch wenn sich jeder mehr Einsatzzeit wünscht. Der Trainer wird das, glaube ich, gut managen und jeden zum Einsatz bringen.
In der Länderspielpause hat Edin Dzeko sein letztes Spiel für Bosnien gemacht. Habt ihr das verfolgt – und kam er emotional zurück? Wir haben das in Lustenau verfolgt. Das war ein verdienter Abschluss für Edin. Er hat das genossen, so hat er es uns erzählt. Nach so vielen Jahren hat er sich das verdient. Wir sind froh, dass er gesund zurückgekommen ist und uns helfen kann.
Er ist nach vier Spielen noch torlos. Kann er Schalke trotz seines Alters voranbringen und Tore machen?Absolut. Edins Qualitäten müssen wir nicht diskutieren. Man muss auch sehen, wie er gekommen ist: Er hat Zeit gebraucht und hatte fast keine Vorbereitung. Ich finde, er hat gegen Elversberg ein gutes Spiel gemacht – daran wird er jetzt versuchen anzusetzen. Jetzt kommt der Oktober mit fünf Spielen, das wird jedem guttun, um Spielpraxis zu sammeln.
Habt ihr als Team sein Bosnien-Spiel gemeinsam geschaut – so als Mannschaftsabend? Leider nicht. Wir waren am Abend im Hotel in Lustenau und haben es dann auf dem iPad verfolgt.
Wann platzt bei Edin Dzeko der Knoten?: „Über Qualitäten müssen wir nicht diskutieren“ 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-08 14:41:00
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