Zu den digital aufgeschalteten Rundgängen auf der Website gehören bislang Bilder mit informativen Begleittexten zu Trogen, Heiden, Rehetobel, Teufen, Urnäsch und Reute. Dass die Rundgänge zum Thema Baukultur beliebt sind, hat sich am vergangenen Samstag wiederholt gezeigt. 15 Teilnehmer unter der Führung von Heinz Meier, Raumplaner und alt Gemeindepräsident von Rehetobel, liessen sich Bauten und Baustile erklären. Erst im Dorfzentrum bei der alten Gemeindekanzlei und dem gegenüberliegenden Mehrzweckgebäude, dann auf der alten Landstrasse Richtung evangelische Kirche und später in Rohnen, einem Weiler abseits, der zum Bezirk Schachen gehört. Dabei gab es Fragen, Wissensaustausch und ein Kennenlernen unter Nachbarn, die eben doch – streng genommen – keine sind.
Detailwissen vom Lokalhistoriker
Es habe auch schon Rundgänge mit bis zu 40 Teilnehmern gegeben, sagte Meier. Da die Gemeinde Reute jedoch etwas abseits liege und geografische Besonderheiten aufweise aufgrund ihrer Dreiteilung, sei das Interesse wohl etwas geringer, meinte er. Dafür war der Austausch unter den Teilnehmern umso reger. Sie unterhielten sich angeregt, tauschten Wissen aus und traten in einen angeregten Dialog mit Rundgangführer Meier, Obfrau Irene Hochreutener und alt Posthalter Arthur Sturzenegger, heute Lokalhistoriker, der sich der Gruppe angeschlossen hatte und viele zusätzliche Detailinformationen preisgab.
Der Spaziergang begann vor der alten Kanzlei, Baujahr östlicher Teil 1866, erweitert 1874 durch den westlichen Teil, einen Zeugen der damals blühenden Stickereiindustrie. Mit seiner Strickkonstruktion folgt der Bau der einheimischen Bautradition des 19. Jahrhunderts. Da der Eigentümer gleichzeitig Gemeindeschreiber war, diente das Haus bis 1966 auch als Gemeindekanzlei – bis es zu einem Neubau kam.
Im wahrsten Sinn des Wortes
Den nächsten Halt machte die Gruppe beim Mehrzweckgebäude, das gleich gegenüber der alten Kanzlei liegt. 1960 hat man in der Gemeinde mit der Planung eines Mehrzweckgebäudes mit dem Herisauer Architekten Johannes Waldburger begonnen, der mit über 60 Bauten die Architektur des 20. Jahrhunderts im Appenzellerland prägte. Sechs Jahre später konnte das Neubauprojekt, das Gemeindekanzlei, Wohnung, Turnhalle mit Bühne, Kochschule, zwei Schulzimmer, Sing- und Vortragsraum sowie eine Arbeitsschule aufwies, eingeweiht werden. «Es ist ein klarer, einfacher Bau entstanden, an welchem die unterschiedlichen Nutzungen von aussen ablesbar sind», fasste Heinz Meier zusammen. Später war das Gebäude ergänzt worden.
Ältestes Haus aus dem 16. Jahrhundert
Auf der alten Landstrasse, die 1873 erbaut worden war und hinter der heutigen Häuserzeile hindurchgeführt hatte, bewegte sich die Gruppe auf die evangelische Kirche zu. Das Mesmerhaus direkt neben der Kirche stammt aus dem 17. Jahrhundert, dürfte aber im 18. Jahrhundert modernisiert worden sein. Das älteste Haus überhaupt dürfte gemäss Heinz Meier jenes sein, das direkt über dem Mesmerhaus liegt und aus dem 16. Jahrhundert stammt, später mehrfach umgebaut worden ist. Das erste Schulhaus befand sich unterhalb der Kirche und wurde 1825 erbaut. Die Kirche sei wohl von lokalen Handwerkern gebaut worden, so Meier, dies zeige sich in ihrer baulichen Schlichtheit. Auf einem ungegliederten Rechteckbau liegt das Satteldach. Ungleich wie bei vielen Kirchbauten ragt der Turm nicht ins Kirchenschiff, sondern ist an der Südostecke angebracht. Der blaue Sternenhimmel im Halbrundgewölbe an der Decke, der später hinzukam, ist eine Besonderheit.
Bänziger-Spuren in Rohnen
Den letzten Halt legte die Gruppe auf ihrem Rundgang in Rohnen ein, das zum Bezirk Schachen gehört. Rohnen war ursprünglich ein Weiler, der lediglich aus fünf historisch regionaltypischen Appenzeller Bauernhäusern mit Ställen bestand. Erbaut wurden diese im 17. und 18. Jahrhundert. Die Südhanglage und die gute Erschliessung ins Rheintal bewogen den Gemeinderat in den 1980er-Jahren, das Land der Bauzone zuzuweisen. Architekt Werner Bänziger aus Berneck hatte die Vision, in dem Gebiet eine Einfamilienhaus-Siedlung zu erstellen, die sich dem traditionellen Appenzeller Baustil verpflichtete. Gleichzeitig sollten moderne Raumbedürfnisse architektonisch umgesetzt werden. So erwarb er das Land gleich selbst und bebaute es in den kommenden Jahren nach seinen Plänen und Visionen. Er bewahrte auch zwei ältere Häuser vor dem Abbruch, davon eines aus dem Rheintal und das andere aus Heiden, und versetzte sie eins zu eins nach Rohnen. Im Lauf der Zeit kamen weitere Neubauten dazu, die alle dem traditionellen Appenzellerhaus angepasst waren. Ihre Umgebungsgestaltung war individuell und ist bis heute stark begrünt. Später wurde das Quartier weitergestaltet. Ganz im Westen sind 2015 drei zeitgemäss
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Baukultureller Rundgang in der Gemeinde Reute 2026
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