Regierungsrat Dölf Biasotto möchte im Februar 2027 nicht für eine weitere Amtsperiode gewählt werden. Den Verzicht auf eine neuerliche Kandidatur hat der Urnäscher FDP-Mann am Dienstagabend, 18. August, öffentlich gemacht. Seit seiner Wahl 2017 stand Dölf Biasotto dem Ausserrhoder Departement Bau und Volkswirtschaft vor. Seine Partei, die FDP, hebt in einer Medienmitteilung die Verdienste des 64-Jährigen hervor. Er habe als Bau- und Volkswirtschaftsdirektor die Entwicklung des Kantons in den Bereichen Infrastruktur, Verkehr, Raumplanung, Energie, Umwelt und Wirtschaft nachhaltig mitgeprägt, schreiben die Freisinnigen. In die Amtszeit Biasottos fallen insbesondere die Klimastrategie Appenzell Ausserrhoden, das kantonale Energiekonzept 2026 – 2035, die Überarbeitung des kantonalen Richtplans im Bereich Energie mit den Grundlagen für Windenergie- und Solaranlagen, das fünfte kantonale Strassenbau- und Investitionsprogramm 2027 – 2030 mit bedeutenden Investitionen in die Strassen- und Veloinfrastruktur sowie das neue Konzept für den öffentlichen Regionalverkehr. Ebenso habe er, wie die FDP weiter schreibt, wichtige Akzente bei der Entwicklung der kantonalen Raumplanung gesetzt. Schliesslich gehörten auch die Wasserversorgung Schwägalp, die Photovoltaik-Anlage an der Umfahrung Teufen und die Arealentwicklung Bahnhof Herisau zum Leistungsnachweis von Dölf Biasotto.
«Liberaler Kompass»
Als Bauingenieur und Unternehmer habe er wertvolle Praxiserfahrung in die Regierung eingebracht. «Sein politisches Wirken war geprägt von Verlässlichkeit, Sachlichkeit, Dialogbereitschaft und einem klaren liberalen Kompass», würdigt die wirtschaftsnahe Partei ihren Regierungsrat.
Nachfolgelösung aufgleisen
Die Ankündigung Biasottos, im kommenden Jahr nicht mehr zur Verfügung zu stehen, ist für die FDP aber nicht bloss Anlass, auf die Meilensteine seiner Regierungslaufbahn zurückzublicken. Sie befasst sich ebenso mit der Vorbereitung auf die Gesamterneuerungswahlen 2027. Die FDP freue sich gleichzeitig, dass sich Regierungsrätin Katrin Alder für eine Wiederwahl zur Verfügung stellt, erklären die Freisinnigen. Und: Die Partei sei entschlossen, ihre Verantwortung in der Kantonsregierung auch künftig wahrzunehmen und den frei werdenden Regierungssitz erfolgreich zu verteidigen. Will heissen: Die FDP Appenzell Ausserrhoden schaut sich nun intensiv nach einer potenziellen Nachfolgerin oder einem potenziellen Nachfolger um.
«Der Parteivorstand wird eine Findungskommission einsetzen. Diese wird nach geeigneten Personen suchen und der Parteileitung einen Vorschlag zur Nominierung zuhanden der Delegiertenversammlung unterbreiten», beschreibt die FDP das weitere Vorgehen. Ziel sei es, den Stimmberechtigten eine Person zu präsentieren, welche «die liberale Handschrift in der Ausserrhoder Regierung weiterträgt».
Abderhalden will nicht
In Sachen Nachfolgeregelung dürfte vielen als Erstes Jennifer Abderhalden in den Sinn gekommen sein. Am Rande der FDP-Delegiertenversammlung in Speicher vom Freitag, 14. August, informierte die amtierende Parteipräsidentin, dass sie sich aus zeitlichen und beruflichen Gründen entschieden hatte, ihr Amt als Präsidentin der FDP Appenzell Ausserrhoden per April 2027 abzugeben. Der Verdacht lag nahe, dass dies nur ein Manöver sein könnte, um sich freizuspielen für die Aufgabe in der Ausserrhoder Regierung. Dem ist aber nicht so.
Zweifellos hätte Jennifer Abderhalden als Noch-Parteipräsidentin und frühere Nationalratskandidatin die perfekten Voraussetzungen, um im Februar 2027 genügend Stimmen auf sich zu vereinen. Sie hat im Wahlkampf um den Sitz des abgetretenen SVP-Nationalrates David Zuberbühler gegen dessen Parteikollegen Edgar Bischof bewiesen, dass sie im Kanton auf Rückhalt zählen kann. Die 49-Jährige aus Speicher hat sich im Frühjahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Bischof geliefert. Schliesslich entschieden bloss einige Hundert Stimmen zugunsten des SVP-Vertreters. Trotz der scheinbar verlockenden Ausgangslage: Jennifer Abderhalden will nicht.
Gegenüber der «Appenzeller Zeitung» sagte sie angesprochen auf den frei werdenden Regierungsratssitz: «Für mich ist das keine Option. Ich politisiere gerne in der Legislative. Ich sehe mich nicht in der Exekutive.» Abderhalden möchte sich ganz auf die Gesamterneuerungswahlen für den Kantonsrat fokussieren, in dem sie seit 2025 sitzt. Ausserdem hat sie gemäss «Appenzeller Zeitung» kürzlich die Stelle gewechselt und infolgedessen auch ihr Arbeitspensum erhöht. Sie ist jetzt als Fachverantwortliche IKS und Projekte an der Fachhochschule Ost tätig. Auch dieser Schritt spricht gegen ein Engagement in der Regierung.
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Die FDP sucht den Biasotto-Ersatz 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-08-20 15:33:00
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