Trotz des schlechten Wetters wurden die Sennen am Samstagmorgen von unzähligen Schaulustigen erwartet. Pünktlich wie angekündigt traf einer nach dem anderen ab halb neun Uhr morgens auf dem Dorfplatz ein. Zügig wurden den «Schöllechüeh» die Schellen abgenommen, während die Helfer die Tiere in Empfang nahmen und an den Latten festbanden.
Bevor die Schellen bei der Kirche augenfällig aufgehängt wurden, nahmen die Sennen ein Zäuerli. Viele der «Buebe ond Meedle» standen ganz nah dabei, denn sie waren als flinke Gehilfen beim «Öberefahre» mit dabei. Nun lauschten sie aufmerksam und wer gut hinhörte, bemerkte, dass sich ab und zu «e fiies Buebe-Stimmli» ins «Zäuerle» mischte. So wächst Brauchtum ganz selbstverständlich in die nächste Generation hinein.
Wie manche der Männer trugen auch die «Gäsbuebe» zum «Sennehääss» eine «Fueteschlotte». Beim «Springbueb» oder beim kleinen «Buurebueb» an Vaters Hand kam ein grüner oder brauner «Lismer» zum Einsatz. Die Mädchen behalfen sich mit Schirmen und Regenhäuten, sodass ihre schönen Ausserrhoder Trachten trotzdem zur Geltung kamen. Die kunstvoll «iizöpflet» Frisur hielt dem Regen stand, «da häbed scho ond weed wide troche», meinte ein Mädchen und strahlte vor Sennenfreude.
Während man bei schönem Wetter draussen viele «Meierbänke» aufbauen kann, waren die Sitzplätze im Festzelt, im «Hirschen» in der «Krone» und im «Schaustöbli» heiss begehrt. Zu Kaffee und allerlei «Bröötigem» gesellten sich später währschafte warme Speisen. Es wurde gemütlich zusammengesessen und gesungen. Bald beschlugen sich die Fenster von den trocknenden «Sennegwänder», sodass der Blick auf den Schauplatz nur noch ein verschwommener war.
«Schneeflöckli»ist die neue Miss Hundwil
Dort waren inzwischen die Experten unterwegs, um die rangwürdigsten Tiere zu bestimmen. Wassereimer und Bürste waren schier im Dauereinsatz, damit sich die «gaanz Zilede» aus schönem «Vech» von ihrer besten Seite zeigen konnte! 14 Bauern fuhren sennisch auf, ein weiterer mit «Chlocker». Insgesamt standen rund 460 Tiere auf dem Platz, möglicherweise ein neuer Rekord, wie Hanjock Meier zu berichten wusste.
Am Nachmittag gingen die Wahlen der Schönsten über die Bühne, sprich über den sauber mit Sägemehl eingestreuten Vorführring. Unter ihren schwarzen Regenschirmen verfolgten zahlreiche Bauern, auch aus Nachbardörfern, die Vorführung mit kritischen Blicken. Die Experten zeigten sich begeistert von den prächtigen Kühen – es tue fast weh, wunderbare Tiere wegschicken zu müssen, bis nur noch die drei Allerbesten dastanden. Der Höhepunkt der verschiedenen Rangierungen war die Wahl zur «Miss Hundwil» Dieser Titel ging an «Schneeflöckli» aus dem Stall von Werner Knöpfel aus Neuhaus.
Moderator Hansueli Knöpfel gratulierte den Bauern zu ihrer grossartigen Arbeit, vor allem aber dankte er ihnen und ihren Familien, dass sie Jahr für Jahr an der Hundwiler Viehschau teilnehmen. Mit viel Herzblut und Arbeit leben und erhalten sie damit die schöne Tradition. Denn bis alle so «suuber ggröscht sennisch» daherkommen brauche es viel Vorbereitung – und dies nicht nur im Stall. Gerade bei den Kindern zeigt sich bei der Anprobe oft, dass die «bruune Hose» inzwischen zu knapp geworden sind. Auch der Saum von Trachtenrock und Schürze muss schon wieder «abegloo» werden.
Mit einem Zäuerli auf den Heimweg
Und nach der Viehschau wartet die nächste Herausforderung: «S’Gwand» von allen steht schier vor Dreck und diese Stoffe lassen sich nicht einfach in die Waschmaschine stopfen. Zum Glück kennen die Frauen so manchen bewährten Geheimtipp, damit alles wieder sauber versorgt werden kann. Kaum war die Vorführung vorbei, wurde emsig «umparkiert», bis jeder Bauer sein «Vech» zusammengebunden hatte. Tier für Tier wurde sorgfältig gesäubert und auch die Sennenschuhe erhielten am Brunnen eine rasche Kurzwäsche – schliesslich geht man sauber auf den Heimweg.
Während nochmals ein Zäuerli genommen wurde, holten die Kinder die Geissen aus der «Geissen-Kita». Diese wollten am liebsten gleich losstürmen, weshalb es viele Hände brauchte, um sie noch zurückzuhalten, bis die Kühe ebenfalls startklar waren. Endlich konnte es losgehen – und wie. Die Kühe kannten offensichtlich den Heimweg und trabten munter los. Dennoch hielt sich das Senntum selbstverständlich auch für die Rückkehr nach Hause an seine schöne Abfolge, mit dem Bauern und seinem Bläss zuhinterst. Oft begleitet vom Sohn, der den Stier führt.
Ein ganzes Stück der Strasse entlang stand erneut viel Publikum. «Wöösch Glöck, chönd guet hää», riefen viele den Heimkehrenden zu, was mit einem erfreuten «säg Dank» quittiert wurde. Während im Dorf bereits die Putz-Equipe auffuhr, und – im wahrsten Sinne des Wortes – mit Hochdruck sauber machte, fielen die Sennten bald in einen ruhigen Trott.
Beschienen von einem wunderbaren Sonnenuntergang ging damit die Viehschauen 2026 zu Ende.
Und: Die alte Legende hatte recht behalten – und Hundwil trotz Regenwetter einmal mehr gezeigt, wie lebendig seine Viehschau-Tradition ist.
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Die Legende behielt recht 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-12 13:44:06
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