Der Fall rund um Christa Pike, die zwei Giftspritzen überlebte, schlägt hohe Wellen. Nun sorgt ein weiteres Detail für Aufsehen: Jener Arzt, der die potenziell tödlichen Injektionen der 50-Jährigen überwacht hatte, war schon zuvor bei einer Exekution gescheitert. Die Hinrichtung im Mai wurde zwar abgebrochen, doch der Betroffene ist seitdem teilweise gelähmt.
Bei der Hinrichtung von Pike ist ganz offensichtlich einiges schiefgegangen – es wird vermutet, dass der tödliche Wirkstoff Pentobarbital nicht in die Blutbahn, sondern nur ins umliegende Gewebe gespritzt wurde. Ein fataler Fehler: Die Todeskandidatin wurde nach der Panne in ein Spital eingeliefert – es ist unklar, welche gesundheitlichen und politische Folgen der missglückte Exekutionsversuch haben wird. Hinrichtungen vorerst ausgesetztDie Panne hat inzwischen jedenfalls unmittelbare Konsequenzen für weitere Hinrichtungen in Tennessee: Gouverneur Bill Lee setzte am Donnerstag sämtliche für den Rest des Jahres geplanten Vollstreckungen von Todesurteilen aus. Zudem ordnete er eine unabhängige Untersuchung des missglückten Hinrichtungsversuchs an. Eine für Dezember geplante Hinrichtung ist damit vorerst ebenfalls ausgesetzt.Personal scheiterte an intravenösem ZugangNun kam ans Licht, dass der verantwortliche Arzt schon einmal bei einer Hinrichtung versagte: Dr. Mark Fowler sollte am 21. Mai auch die Hinrichtung des Dreifach-Mörders Tony Carruthers beaufsichtigen. Doch nachdem das medizinische Personal über eine Stunde lang vergeblich versucht hatte, eine Nadel einzuführen, um einen zusätzlichen intravenösen Zugang und einen zentralen Venenkatheter zu legen, musste das Vorhaben abgebrochen werden, wie NBC News berichtete.Arzt soll 13 Jahre lang keinen zentralen Venenkatheter gelegt habenEs gelang nur, einen einzigen intravenösen Zugang zu legen – laut Hinrichtungsprotokoll sind jedoch zwei erforderlich. Gerichtsakten legten schließlich offen, dass Fowler in den 13 Jahren vor Carruthers‘ geplanter Hinrichtung angeblich keinen zentralen Venenkatheter gelegt habe. Der Anwalt des zum Tode Verurteilten erklärte, sein Mandant habe aus den Einstichwunden geblutet – er ist seit dem Vorfall teilweise gelähmt. Wie auch im Fall Pike gab es vor Carruthers Hinrichtungstermin Bedenken gegen die Exekution der Strafe. So wurden Untersuchungen von DNA am Tatort nicht durchgeführt, die den Verurteilten möglicherweise entlastet hätten. Zudem litt Carruthers unter einer psychischen Erkrankung, die ihn daran hinderte, seine bevorstehende Hinrichtung rational zu begreifen, wie Amnesty International erklärte. „Es gibt keine humane Hinrichtungsmethode“Nach der fehlgeschlagenen Hinrichtung einer US-Todeskandidatin werden Rufe nach Abschaffung der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten laut. Amnesty International erklärte, Pikes Fall zeige abermals, „dass es keine humane Hinrichtungsmethode gibt“. Die Todesstrafe müsse überall abgeschafft werden, forderte die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Julia Duchrow.UNO-Menschenrechtskommissar Volker Türk erklärte, der Fall der 50-jährigen Pike mache deutlich, warum die Todesstrafe abgeschafft gehöre. „Das anhaltende körperliche und seelische Leiden durch mehrere gescheiterte Hinrichtungsversuche ist verabscheuungswürdig und grausam“, betonte der Österreicher. Er verlangte Gnade für Pike.Anzahl der Hinrichtungen hochIm vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Death Penalty Information Center in den USA 47 Menschen hingerichtet, der höchste Stand seit 2009. In diesem Jahr waren es bereits 28. Von den Bundesstaaten vollstrecken noch 27 die Todesstrafe, 23 haben sie abgeschafft.
Erstes „Opfer“ gelähmt – Arzt scheiterte bereits das 2. Mal bei Hinrichtung 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-02 20:05:39
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