Ein altes Bauernhaus am Rande von Appenzell, daneben Landwirtschaftswiesen und ein Bach: Bei einem Brand gilt es hier nicht nur, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, auch das Löschwasser kann zum Problem werden. Denn auf seinem Weg nimmt es Stoffe aus dem Brandgut auf und darf je nach Verschmutzung nicht unkontrolliert in Böden, Schächte oder Gewässer gelangen. Die Offiziere nehmen daher die Umgebung unter die Lupe: Wohin fliesst das Wasser? Welche Materialien brennen? Wo befinden sich Schächte und Gewässer? Zusätzliche Gefahren können etwa ein Öltank, gelagerter Diesel, Dünger oder Gülle darstellen. Innerhalb von 5 Minuten muss eine Lösung her. Mit Sperren lässt sich verhindern, dass belastetes Wasser in einen Bach gelangt, mit Schalungsplatten kann es gezielt kanalisiert werden. Je nach Situation kommen Saugwagen oder andere Hilfsmittel zum Einsatz.
Andere Gebäude, andere Lösungen
Mit dem sogenannten Notbesteck lassen sich Flüssigkeiten vor Ort überprüfen; für grössere Verunreinigungen steht allen Feuerwehren der in Herisau stationierte Aquamat der Ausserrhoder Assekuranz zur Verfügung. Der mobile Ölabscheider saugt verschmutztes Wasser an und trennt Schlamm und Öl von Wasser. «In heiklen Umgebungen arbeiten wir mit dem Amt für Umwelt zusammen», erklärt Walter Hasenfratz, Feuerwehrinspektor der beiden Appenzeller Kantone.
Anders präsentiert sich die Situation in der Tiefgarage der Migros Appenzell. Das Gebäude verfügt über eine Sprinkler- und Entrauchungsanlage sowie eine entsprechende Entwässerung. Das Löschwasser kann gesammelt und in Zugwagen gepumpt werden. Ein Vorteil sind zudem die vorhandenen Gebäudepläne. «Von öffentlichen Gebäuden bestehen gute Pläne, zu denen wir Zugang haben. So sind wir noch besser und schneller vorbereitet», sagt Hasenfratz.
Die Gefahren bei Photovoltaikanlagen
Ein weiterer Schwerpunkt führte die Teilnehmenden aufs Dach des Feuerwehrdepots Appenzell. Photovoltaikanlagen gehören inzwischen vielerorts zum Gebäude, und damit zunehmend auch zum Feuerwehralltag. Patrick Haltmann, Elektriker und Betriebsleiter der Feuerschaugemeinde Appenzell, erklärte den Offizieren, wie verschiedene Anlagen aufgebaut sind, wo Gefahren lauern und welche Schutzausrüstung nötig ist. Anschliessend wurde das Gelernte direkt am Gebäude vertieft. Besondere Aufmerksamkeit galt dem elektrischen Strom und der Gefahr eines Lichtbogens. Bei einem Brand steht zunächst die Brandbekämpfung im Vordergrund, gleichzeitig muss die Anlage so weit wie möglich sicher abgeschaltet werden. Zusätzliche Risiken bergen Batteriespeicher, etwa, wenn gefährliche Gase entstehen. Für die Offiziere gilt es deshalb, mögliche Gefahren rasch zu erkennen, die richtigen Massnahmen einzuleiten und bei Bedarf Spezialisten beizuziehen.
Klare Abläufe im Einsatz
Auch unter Atemschutz müssen die Abläufe sitzen. Wer führt wen? Über welche Kanäle wird kommuniziert? Und wie wird sichergestellt, dass die eingesetzten Trupps jederzeit überwacht werden? «Ob grosses oder kleines Ereignis: Der Ablauf ist immer derselbe», erklärte Kurt Frischknecht, Instruktor und Atemschutzchef der Stützpunktfeuerwehr Herisau. Entscheidend sei, dass der Auftrag klar ist und bei Veränderungen jederzeit reagiert werden kann.
Damit die Einsatzleitung auch bei komplexeren Ereignissen den Überblick behält, braucht es zudem eine funktionierende Führungsunterstützung. Die Offiziere übten, Einsatzleiter-Krokis mit festgelegten Symbolen zu lesen und selbst zu erstellen. Hydranten, Fahrzeuge, Einsatzmittel oder Rettungen werden darin festgehalten und ergeben ein laufend aktualisiertes Bild der Situation. Mit dem Ziel, das Ereignis systematisch zu beurteilen, klare Aufträge zu erteilen und unter Zeitdruck sichere Entscheide zu treffen.
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Fachwissen abgeholt, das im Einsatz zählt 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-09-18 12:18:00
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