Die gewaltsamen Schülerproteste in Frankreich haben mittlerweile auch auf Belgien übergegriffen. Am Montag ist es den dritten Tag in Folge in mehreren Städten des französischen Teils des Landes zu Zusammenstößen und Sachbeschädigungen gekommen.
Bei einer Demonstration in Lüttich mit rund 1000 Teilnehmern seien Dutzende Menschen festgenommen und 18 Polizeibeamte leicht verletzt worden, teilte die belgische Polizei am Montag mit. Einige Demonstranten hätten Brände gelegt, darunter in Mülltonnen. Die Demonstranten in Lüttich hätten Pflastersteine und Absperrgitter geworfen sowie Bushaltestellen beschädigt, berichtete die Polizei weiter. Daraufhin hätten die Polizeibeamten Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt.Ärger über Sparmaßnahmen und ReformenHintergrund sind vor allem Sparmaßnahmen im Bildungsbereich. Kritisiert wird unter anderem ein Reformpaket, das Lehrern an höheren Schulen künftig zwei zusätzliche Unterrichtsstunden abverlangt. Auch Änderungen bei Krankenständen und Frühpensionierungen sowie Einsparungen bei Unterstützungsleistungen sorgen für Unmut. Betroffen fühlen sich dabei nicht nur Lehrer, sondern auch die Schüler selbst. Sie befürchten größere Klassen, weniger Personal und schlechtere Bedingungen in den Schulen. Zusätzlich sorgt die finanzielle Belastung für Studenten und junge Menschen für Protest: So wurde das jährliche Einschreibeentgelt an Hochschulen für viele Studenten deutlich erhöht.Lehrer demonstrieren in der französischsprachigen Gemeinschaft bereits seit Monaten gegen die Sparpläne. Die jüngsten Schülerproteste wurden zusätzlich durch die Demonstrationen in Frankreich befeuert, wo Jugendliche gegen überfüllte Klassen, Lehrermangel und schlechte Schulgebäude auf die Straße gehen. Der belgische Aufstand ist deshalb mehr als nur ein Übergreifen der französischen Bewegung: Frankreich mag den Funken geliefert haben – der Ärger über das eigene Bildungssystem schwelt in Belgien aber schon seit geraumer Zeit.Frankreich: Bereits Schäden in MillionenhöheDie französischen Proteste waren in den vergangenen Tagen von teils drastischen Gewaltszenen geprägt: Lehrer wurden angegriffen, Polizisten verletzt, Mülltonnen und Fahrzeuge in Brand gesetzt. Es gab viele Verletzte. Die Ausschreitungen verursachten erhebliche Sachschäden, deren Kosten auf Millionenhöhe geschätzt werden.Nach Angaben von Bildungsminister Édouard Geffray wurden 65 Beschäftigte des Bildungswesens verletzt, darunter 40 Schulleiter, sowie 170 Schülerinnen und Schüler. Innenminister Laurent Nuñez zufolge wurden bisher mehr als 5000 Menschen festgenommen, 85 Prozent von ihnen sind minderjährig.
In der Politik werden Forderungen laut, auch Eltern stärker zur Verantwortung zu ziehen. Justizminister Gérald Darmanin forderte Staatsanwälte auf, die zivilrechtliche Haftung der Eltern für Schäden ihrer minderjährigen Kinder geltend zu machen.Was die französischen Schüler fordernSchülervertreter verurteilten die Gewalt, riefen aber zur Fortsetzung der Proteste und für Dienstag zu einer neuen Demonstration auf. Begonnen hatten die Unruhen im September an einer Schule in einer Pariser Vorstadt, in der Personal fehlte. Die Schüler fordern mehr Lehrer, kürzere Schultage, weniger Schüler in den Klassen sowie Klimaanlagen und Heizungen. Die Wut ist besonders groß in sozial benachteiligten Orten, weil die Schulen dort besonders schlecht ausgestattet sind.
Gegen Sparpolitik – Schülerproteste arten nun auch in Belgien aus 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-05 21:04:23
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