Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen wollen Hochschulen künftig einen gemeinsamen und möglichst unabhängigen Zugang zu Künstlicher Intelligenz ermöglichen. Dafür starten die Länder ein auf drei Jahre angelegtes Projekt, das Rechenleistung, KI-Modelle und eigene Anwendungen über Länder- und Hochschulgrenzen hinweg nutzbar machen soll.
Dirk Meyer (kai)
Gemeinsame Architektur für KI an Hochschulen
Unter dem Namen COSAI – Collaboration on Sovereign and Efficient AI-Infrastructure – entwickeln Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen eine gemeinsame technische Architektur für eine länderübergreifende KI-Infrastruktur. Hochschulen sollen darüber künftig KI-Dienste gemeinsam nutzen und zugleich eigene Angebote bereitstellen können.
Ziel ist eine einheitliche technische Grundlage mit gemeinsamen Schnittstellen. Dadurch sollen KI-Modelle und verfügbare Rechenleistung unabhängig davon genutzt werden können, an welcher Hochschule oder in welchem der drei Länder die benötigte Infrastruktur vorhanden ist.
Das Projekt wird von den drei Wissenschaftsministerien über einen Zeitraum von drei Jahren mit insgesamt knapp drei Millionen Euro gefördert. Baden-Württemberg beteiligt sich mit rund einer Million Euro. Aus dem Land sind das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und die Universität Tübingen an dem Vorhaben beteiligt.
KI-Rechenleistung soll automatisch verteilt werden
Eine zentrale Funktion der geplanten Infrastruktur ist die automatische Verteilung von KI-Anfragen. Das System soll innerhalb kürzester Zeit prüfen, welches verfügbare KI-Modell für eine Anfrage geeignet ist, an welchem Standort ausreichend Rechenleistung zur Verfügung steht und welcher Schutz für die verwendeten Daten erforderlich ist.
Damit soll auch der Umgang mit sensiblen Forschungsdaten berücksichtigt werden. Entsprechend klassifizierte Daten sollen nur mit dafür geeigneten KI-Modellen und auf passender Hardware verarbeitet werden. Die Infrastruktur soll damit nicht nur zusätzliche Rechenmöglichkeiten schaffen, sondern auch Vorgaben zum Datenschutz und zur sicheren Verarbeitung von Forschungsdaten berücksichtigen.
Davon könnten insbesondere Hochschulen profitieren, die selbst nicht über leistungsfähige KI-Hardware verfügen. Statt eigene große Rechenkapazitäten aufbauen zu müssen, könnten sie auf gemeinsam bereitgestellte Ressourcen zurückgreifen.
Ein weiterer Bestandteil ist ein sogenanntes „Bring Your Own Model“-Portal. Darüber sollen Hochschulen eigene KI-Modelle auf der gemeinsamen Infrastruktur bereitstellen und betreiben können. Forschungseinrichtungen erhalten damit die Möglichkeit, selbst entwickelte Modelle in die länderübergreifende Umgebung einzubinden.
Umsetzung einer Empfehlung des Wissenschaftsrats
Mit dem Projekt greifen die drei Länder eine Empfehlung des Wissenschaftsrats auf. In seinen im Juli 2026 veröffentlichten Empfehlungen zur Hochschulbildung im Zeitalter generativer KI wird die Bedeutung leistungsfähiger und unabhängiger digitaler Infrastrukturen hervorgehoben, die über einzelne Hochschulen und Ländergrenzen hinaus nutzbar sind.
Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen setzen damit ihre bisherige Zusammenarbeit bei digitalen Infrastrukturen fort. Mit COSAI soll diese Kooperation nun auf den Bereich der Künstlichen Intelligenz ausgeweitet werden.
KI-Offensive für Hochschulen: Drei Bundesländer starten gemeinsames Großprojekt 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-07 06:32:00
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