Ukrainische Abwehrdrohnen sind durch die einzigartige Erfahrung am Schlachtfeld heiß begehrt. Olga von der Kiewer Drohnenschmiede DK-Nejet hat der „Krone“ erzählt, was ihr Einsatz ausmacht, wie sie eine „Chinesische Mauer“ errichten will und was ihr schlimmster Albtraum ist.
Als Russland im Februar 2022 in die Ukraine einmarschierte, begann dort die Drohnenindustrie praktisch bei null. Viele Abwehrdrohnen wurden einfach zu Hause in der Werkstatt zusammengebaut. Jetzt stellen Hunderte Firmen die verschiedensten Drohnenarten her, die weltweit begehrt sind.Eins davon ist das ukrainisch-lettische Unternehmen DK-Nejet
– DK steht für „Drone Killer“ und Nejet bedeutet „Untoter“, spezialisiert auf
FPV-Drohnen. Vor vier Jahren gegründet, gehört die Firma mit Sitz in Kiew heute
zu den 20 größten Produzenten unbemannter Fluggeräte in der Ukraine.„Im Februar 2022 hatte die Ukraine nicht genug Ressourcen für einen traditionellen, großangelegten Krieg. Viele Systeme des Militärs waren veraltet. Darum dachten sie, man könne Kiew in drei Tagen erobern“, sagt Olga, zuständig für das Marketing von DK-Nejet. Ihren Nachnamen will sie aus Sicherheitsgründen nicht nennen. „Wir mussten eine asymmetrische Antwort auf Russland finden.“„Drohnen sind nur ein Werkzeug“Die Antwort bestand darin, den Nachteil, den man durch Russlands zahlenmäßig weit überlegenen Truppen hat, durch Technologie auszugleichen. „Wir haben IT und Verteidigungsindustrie verknüpft“, erklärt Olga, die selbst aus der IT kommt. Denn die Strategie besteht nicht einfach darin, Drohnen zu bauen. „Wir bauen ein digitales System für die Kriegsführung, die Drohnen sind dafür nur ein Werkzeug. Die eigentliche Grundlage ist die Software, die wir verwenden: Command-and-Control-Systeme, Kommunikationsnetzwerke oder Datenanalyse.“Dieser Ansatz habe die Effizienz der ukrainischen Soldaten um das drei- bis fünf-fache erhöht. Mit ihren Kameras liefern Drohnen eine 360-Grad-Sicht aus der Vogelperspektive. Wer das Schlachtfeld überblickt, kann gezielter und effizienter agieren. Die Distanz erhöht auch die Sicherheit der Männer.Ziel: Effizienz 30-fach erhöhenZiel der Firma DK-Nejet ist, die Effizienz der ukrainischen Soldaten auf das 30-fache zu erhöhen. „Mit der Macht der Drohnen werden Soldaten zu Superman“, meint Olga. Die langfristige Strategie ihres Unternehmens ist eine Art „Chinesischer Mauer“ aus Drohnen über dem Territorium der Ukraine, um sich vor Russland zu schützen, erzählt Olga. Die KI-getriebene Technologie dahinter habe man bereits, „und wir sind gerade dabei, einen Investor dafür zu finden“.Vorteil der unbemannten Fluggeräte ist ihre Skalierbarkeit. In kurzer Zeit lassen sich viele Drohnen herstellen. In der Drohnenschmiede DK-Nejet werden monatlich Tausende Stück produziert. Viel mehr darf Olga nicht über ihr Unternehmen erzählen. Aus Sicherheitsgründen. Erst letzte Woche kam ein Brief des Sicherheitsdienstes der Regierung, in dem stand, worüber es zu schweigen gilt.Not macht erfinderischViele Bauteile kommen aus der Ukraine, andere aus China oder Taiwan. Weil die Drohnen schnell gebaut werden müssen, muss die Firma äußerst kreativ und kann nicht wählerisch sein. „Wir haben ein Projekt namens ‘Weniger China‘, mit dem Ziel, so viele Komponenten wie möglich in Europa herzustellen“, erzählt Olga. „Das ist ziemlich schwierig, denn Europa braucht viel Zeit“, lacht sie wissend. „Wir hatten ein Gespräch mit einer deutschen Firma, die uns sagte, sie brauchen zwei Jahre, um die Fertigung zu starten. Und wir dachten nur ‘Was? Das kann doch nicht sein!‘ In zwei Jahren brauchen wir es nicht mehr, weil dann wieder alles anders ist.“Neue Technologie, die von den lettischen Partnern kommt, wird an der Front getestet. Tausende von Zielen habe man am Schlachtfeld schon getroffen. „Jetzt treffen wir auch die Schahed-Drohnen!“, jubelt Olga. Die Erfahrungen ukrainischer Drohnenjäger mit den iranischen Fluggeräten und deren russischen Nachbauten namens Geran sind im Nahen Osten heiß begehrt. Wie Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstagabend erklärte, sind ukrainische Expertengruppen in mehreren Ländern vor Ort. DK-Nejet wurde dafür noch nicht angefragt, man sei aber bereit, bekräftigt Olga.US-Drohnen „schauen nur gut aus“Präsident Donald Trump hatte erklärt, dass die USA bei der Verteidigung ihrer Basen bräuchte, da man selbst „die besten Drohnen der Welt“ habe. Olga hat schon zahlreiche Drohnen aus US-Herstellung auf Testgeländen gesehen. „Die meisten werden den Anforderungen des Schlachtfelds nicht gerecht, sondern schauen nur gut aus“, meint sie. Die eigenen Fluggeräte von DK-Nejet würden schrecklich aussehen, man nenne sie intern „miese Drohnen“, so Olga. Aber eine schnittige Hülle würde nur zusätzliches Gewicht bringen und die Handhabung erschweren.Vorteil der Drohnen von DK-Nejet ist, dass sie mit Kosten
von rund 1000 Dollar (rund 860 Euro) billig sind. Im Vergleich zu
Schahed-Drohnen, die pro Stück etwa 30.000 Dollar kosten, sogar spottbillig. Damit
wird die Logik, dass teure Waffensysteme besser sind, umgedreht. Kleine Chipsysteme
können teurere Ziele erfassen.Fluch und SegenFür Olga sind Drohnen daher Fluch und Segen zugleich. Ihr Albtraum sind billige Drohnen, die Flughäfen ansteuern, wie schon mehrfach geschehen. Betroffene Länder stehen vor einem Dilemma: Sollen sie die Drohne mit Luftabwehrraketen, die Millionen kosten können, abschießen? Was, wenn es eine zivile Drohne ohne explosive Ladung ist? „Drohnentechnologie ist sehr günstig. Das heißt, jeder kann sie herstellen und wir brauchen Technologie, die sie stoppen kann. Nicht nur am Schlachtfeld, sondern auf Flughäfen, Stadien und Verkehrsknotenpunkten“, betont Olga. Ihre Firma verzeichnet eine hohe Nachfrage nach Abwehrsystemen. „Die Ukraine hat einen hohen Preis für diese Erfahrung gezahlt, aber jetzt können wir sie teilen und die Welt sicherer machen“, meint sie.
Ukrainische Hightech – „Mit unseren Drohnen werden Soldaten zu Superman“ 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-03-20 19:41:45
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