Eiskalter Schock im Marchfeld in Niederösterreich: Die vom belgischen Ardo-Konzern angekündigte Schließung des Tiefkühlwerks in Groß-Enzersdorf hat fatale Folgen für Hunderte Gemüsebauern. Das Land Niederösterreich will betroffenen Landwirten helfen.
„Der nun bekannt gewordene Produktionsstopp ist für die Beschäftigten und unsere Bauern ein schwerer Schlag“, betonen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, ihr Stellvertreter Stephan Pernkopf und Agrarminister Norbert Totschnig bestürzt. Das Ardo-Tiefkühlgemüsewerk – das größte industrielle Tiefkühlwerk in Österreich – produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Rund vier Prozent der landwirtschaftlichen Fläche im Marchfeld werden von Landwirten genutzt, die im Auftrag der Ardo Austria Frost über die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse ETG – zu der 500 Mitgliedsbetriebe zählen – produzieren. Landwirtschaftskammer-Vizepräsident Lorenz Mayr fordert Klarheit: „Der global agierende Konzern mit Sitz in Ardooie, der zuletzt einen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro erwirtschaftete, ist jetzt gefordert, die Karten auf den Tisch zu legen. Denn unsere Landwirte haben im Vertrauen auf diese Verbindung viel Herzblut investiert.“Produktion „bricht auf einen Schlag weg“Für Mayr steht deshalb viel mehr auf dem Spiel als ein einzelner Betriebsstandort. „Es kann nicht sein, dass eine über Jahrzehnte aufgebaute heimische Gemüseproduktion auf einen Schlag wegbricht und gleichzeitig künftig verstärkt Gemüse aus dem Ausland nach Österreich gekarrt wird.“ Genau das will der Multi aber tun – nämlich statt wertvollen heimischen Erbsen, Spinat, Bohnen, Rotkraut & Co. den rot-weiß-roten Markt mit ausländischem Gemüse überschwemmen.Heimische Lebensmittelversorgung unter DruckDie Sorge der Agrarier – so auch NÖ-Bauernbund-Chef Paul Nemecek – reicht weit über die betroffenen Höfe hinaus. „Wenn regionale Strukturen verschwinden, gehen nicht nur Investitionen und Wertschöpfung verloren. Auch die heimische Lebensmittelversorgung gerät unter Druck“, so Nemecek.Die Schließung erfolge laut dem Konzern aus wirtschaftlichen Gründen: Notwendige Investitionen würden sich nicht mehr lohnen. Jetzt wird von Ardo erwartet, rasch offenzulegen, wie es mit dem Standort weitergeht. Dort direkt betroffen sind insgesamt 240 Personen: 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird, sowie 50 Leiharbeitskräfte.Ardo trage Verantwortung – gegenüber den Mitarbeitern ebenso wie gegenüber den landwirtschaftlichen Lieferanten. Bund und Land stünden für Gespräche bereit, so Totschnig und Mikl-Leitner.
Werkschließung in NÖ – Gemüsebauern fürchten nun um ihre Existenz 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-09-26 05:27:07
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