Roter D-Day: Nach einer Marathonsitzung in einem Wiener Nobelhotel hat die SPÖ am Sonntag ihre eigene Zukunft nach Parteichef Andreas Babler geregelt. Babler tritt mit Beginn des kommenden Jahres ab. Die „Krone“ fasst den Tag des roten Umbruchs für Sie noch einmal zusammen.
Das Wichtigste in Kürze:
Am Sonntagnachmittag berieten sich alle neun Landeschefs, danach ging es – im Beisein Bablers – in einem Wiener Nobelhotel ans Eingemachte. Um 21.20 Uhr trat der SPÖ-Chef dann vor die Presse.
Babler bleibt demnach bis „Beginn des kommenden Jahres“ SPÖ-Parteichef und Vizekanzler. In weiterer Folge sollen Frauen- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner und Klubobmann Philip Kucher zu zweit die Parteiführung übernehmen, Vizekanzler soll dann Finanzminister Markus Marterbauer werden.
Holzleitner und Kucher werden Babler allerdings mit sofortiger Wirkung an der Parteispitze „zur Seite gestellt“. Sie sollen die SPÖ bis Jänner als Dreier-Gremium leiten.
Wie es mit Babler kommendes Jahr weitergeht, ist fraglich. Im Frühjahr sollte es einen Parteitag geben. Babler selbst meinte, er würde gerne als Minister unter einem Vizekanzler Marterbauer tätig sein.
Finanzminister Marterbauer soll nach dem Parteitag im Frühjahr – dann schon als Vizekanzler – auch die Parteiführung übernehmen, sofern es seine Gesundheit zulässt. Marterbauer wolle sich vorher noch der Heilung seiner Krebserkrankung widmen.
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hat bekannt gegeben, trotz der roten Rochaden an der aktuellen Dreierkoalition festzuhalten.
Der „Krone“-Liveticker zum Nachlesen: Babler bleibt – und packt trotzdem die KofferEr bleibt – und packt trotzdem bereits die Koffer. Nach stundenlangem Ringen mit den neun Landeschefs räumt Babler also zu Jahresbeginn den Vizekanzler-Sessel für Finanzminister Marterbauer. Der genaue Zeitpunkt: je nachdem, wann der krebskranke Minister fit genug ist.Der scheidende SPÖ-Chef betonte, dass er seinen Schritt freiwillig setze: „Ich habe mir bei der Übernahme des Parteivorsitzes geschworen, anders zu sein – nicht persönliches Interesse in den Vordergrund, sondern das Wohl der Bewegung vor alles andere zu stellen.“Die Absagen von gestern sind die Jobs von morgenDen Parteivorsitz behält Babler auf dem Papier aber vorerst. Das Steuer übernehmen ab einer Vorstandssitzung am Donnerstag dann andere. Frauenministerin Holzleitner und Klubobmann Kucher führen neben bzw. statt Babler die Geschäfte, bis er bei Marterbauers Übernahme auch dieses Amt abgibt. Offiziell sollen Kucher und Holzleitner den Übergang „unterstützen“. In der Partei nennt man sie schon „Aufpasser“. „Damit ist Babler de facto handlungsunfähig“, hört man.Wie schnell sich in der SPÖ die Lage drehen kann, zeigt ein Blick auf die Wortmeldungen vom Wochenende. Holzleitner erklärte am Samstag auf Ö1 unmissverständlich: „Nein, ich stehe nicht zur Verfügung.“ Nicht als Chefin, nicht als Übergangslösung, nicht als Vizekanzlerin. Kucher soll intern ebenfalls abgewunken haben. Mit Montag stehen beide plötzlich in der ersten Reihe. Mit Anfang nächsten Jahres dann auch Marterbauer, der ebenso dementiert hatte.Marterbauer will Babler auch im nächsten Jahr als Minister haltenDer künftige Vizekanzler soll Babler zugesagt haben, dass dieser als Minister in der Regierung bleiben dürfe. Hier scheint das letzte Wort aber noch nicht gesprochen zu sein. Zumal das auch den meisten Ländern nicht ins Drehbuch passen würde. „Man wird bis dahin aber schon etwas gefunden haben“, war im Anschluss an die Sitzungen zu hören.Krisengipfel im LuxushotelDie Landesparteichefs trafen sich bekanntlich ja bereits zur Vorbesprechung vor dem Krisengipfel mit Babler. „Die Stimmung war ausgesprochen gut. Es wurde gescherzt und schnell Einigkeit erzielt“, berichtet ein Teilnehmer der „Krone“. Der dort skizzierte Plan sah vor, Babler beim anschließenden Gipfel im Wiener Steigenberger Hotel abzuservieren. Serviert wurden letztlich aber nur Grammelknödeln und allerlei Veganes.Parteitag Anfang 2027 soll noch offene Fragen klärenBabler wehrte sich laut Insidern „mit Händen und Füßen“ gegen seinen Rausschmiss – und wollte keines der vielen ihm noch am Sonntag angebotenen Ämter annehmen. Ein Parteitag Anfang des Jahres 2027 soll die Antworten auf noch offene Fragen liefern. Marterbauer soll dann auch zum SPÖ-Chef werden – wenn er fit genug ist und es keinen Gegenkandidaten gibt, der ihn herausfordert.Koalitionspartner blicken argwöhnisch auf „Lösung“Ob der internationale Medienmanager Gerhard Zeiler, der die Gipfel mit seiner Ankündigung in der „Krone“, gegen Babler kandidieren zu wollen, erst ausgelöst hatte, auch gegen Marterbauer antreten wird, bleibt abzuwarten. Klar ist: Auch bei den beiden Koalitionspartnern blickt man argwöhnisch auf die „Lösung“ der SPÖ. Die FPÖ forderte einmal mehr Neuwahlen.
Partei im Umbruch – Babler tritt 2027 ab: Das ist die neue SPÖ-Spitze 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-04 23:05:54
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