Wer für die Zusammenarbeit ins Büro kommt, braucht dort mehr als einen freien Schreibtisch. Persönliche Gespräche, kurze Abstimmungen und gemeinsame Besprechungen benötigen geeignete Orte.
Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung der Universität Konstanz lenkt den Blick auf diese Voraussetzung: 35 Prozent der befragten Beschäftigten gaben an, an ihrem Arbeitsplatz keine Begegnungs- oder Interaktionsflächen zu haben. Der Befund ergänzt die Diskussion über Präsenzarbeit um eine räumliche Frage.
Studie erfasst die Infrastruktur hybrider Arbeit
Dem veröffentlichten Bericht der Universität Konstanz liegt eine Befragung von insgesamt 1.017 Beschäftigten mit Homeoffice-Möglichkeit aus dem März 2026 zugrunde. Die Erhebung ist nach Alter und Geschlecht für die Erwerbsbevölkerung mit Homeoffice-Möglichkeit in Deutschland repräsentativ. Bei der Frage nach Begegnungs- oder Interaktionsflächen berichteten 65 Prozent von vorhandenen Flächen, 35 Prozent verneinten deren Vorhandensein. Die Zahlen beschreiben damit die Erfahrungen einer bestimmten Beschäftigtengruppe, nicht die Ausstattung sämtlicher Arbeitsstätten in Deutschland. Auch über Büros in Stuttgart oder im Landkreis Göppingen lässt sich daraus kein eigener Prozentwert ableiten.
Gerade die Bezugsgruppe macht das Ergebnis für die Debatte über hybride Arbeit interessant. Wer grundsätzlich von zu Hause arbeiten kann, erlebt das Büro häufig als einen von mehreren Arbeitsorten. Ob dort Platz für Gespräche vorhanden ist, wird dann zu einer anderen Frage als der, ob überhaupt ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Die Befragung erfasst allerdings das berichtete Vorhandensein solcher Flächen. Sie misst weder deren Größe und Qualität noch, wie häufig Beschäftigte sie nutzen. Ein Raum kann auf einem Plan als Besprechungsbereich erscheinen und im Arbeitsalltag trotzdem schwer zugänglich sein.
Präsenz und Austausch sind nicht dasselbe
Eine Vorgabe für mehr Anwesenheit verändert zunächst, wo gearbeitet wird. Sie schafft noch keine geeignete Situation für ein vertrauliches Gespräch, eine spontane Rückfrage oder die gemeinsame Bearbeitung eines Problems. Dafür müssen Kolleginnen und Kollegen zeitlich zusammenkommen und einen Ort vorfinden, der zur jeweiligen Aufgabe passt. Die Konstanzer Zahl ist deshalb kein Beleg dafür, dass Beschäftigte ohne ausgewiesene Begegnungsfläche seltener miteinander sprechen. Sie zeigt aber, dass ein Teil der Befragten eine solche räumliche Infrastruktur an seinem Arbeitsplatz nicht vorfindet.
Ein anderer Blick auf die Raumaufteilung stammt aus der CBRE-Untersuchung zu sozialen Flächen in Büros. Darin berichtet das Immobilienunternehmen von einem Zuwachs der Flächen für soziale Begegnung um 120 Prozent seit 2021; der Anteil klassischer Einzelarbeitsplätze sank in der untersuchten Flächenaufteilung von 56 auf 35 Prozent. Das ist eine andere Untersuchung mit einem anderen Gegenstand als die Beschäftigtenbefragung aus Konstanz. Aus den beiden Befunden lässt sich weder ein einheitlicher Trend für alle Unternehmen noch ein Widerspruch ableiten: Geplante Flächenkonzepte und die Wahrnehmung einzelner Beschäftigter beschreiben verschiedene Seiten des Büroalltags.
Räume müssen zu den Tätigkeiten passen
Der Begriff Begegnungsfläche kann sehr unterschiedliche Situationen umfassen. Für eine kurze Abstimmung zwischen zwei Terminen genügt womöglich ein leicht erreichbarer Bereich in der Nähe der Arbeitsplätze. Ein längeres Gespräch benötigt Sitzgelegenheiten und ausreichend Ruhe. Bei vertraulichen Inhalten ist dagegen ein abgeschlossener Raum entscheidend. Wer ein Büro beurteilt, sollte deshalb nicht allein zählen, wie viele Besprechungsräume oder Tische vorhanden sind. Wichtiger ist, welche Tätigkeiten dort tatsächlich stattfinden können, ohne andere Arbeiten ständig zu unterbrechen.
Auch konzentrierte Einzelarbeit bleibt Teil dieser Betrachtung. Wenn jede freie Ecke zur Gesprächszone wird, kann der Austausch an einer Stelle stattfinden und an anderer Stelle die Arbeit stören. Umgekehrt hilft eine große Zahl stiller Arbeitsplätze wenig, wenn Teams für kurze gemeinsame Entscheidungen jedes Mal einen Konferenzraum buchen müssen. Wege zwischen den Bereichen, hörbare Gespräche, Belegung und Zugänglichkeit beeinflussen, ob die vorhandenen Räume im Alltag funktionieren. Daraus folgt keine allgemeingültige Quote für Gemeinschaftsflächen. Ein kleines Büro mit wenigen gleichzeitig anwesenden Personen stellt andere Anforderungen als ein Standort, an dem mehrere Teams ihre Präsenztage bündeln.
Für Unternehmen in Stuttgart und der Region ist das vor allem eine Frage der konkreten Nutzung: Kommen Menschen an denselben Tagen für gemeinsame Arbeit zusammen, oder arbeiten sie auch im Büro überwiegend einzeln? Werden Gespräche geplant oder entstehen sie zwischen anderen Aufgaben? Erst solche Unterschiede geben der Diskussion über Raumaufteilung einen brauchbaren Maßstab. Die Studie liefert dafür einen Anlass, aber keinen fertigen Grundriss.
Was eine Bestandsaufnahme klären kann
Vor Veränderungen an der Einrichtung lohnt sich ein Blick auf typische Arbeitstage. Welche Bereiche sind zu welchen Zeiten besetzt? Wo werden Gespräche geführt, weil ein geeigneter Ort fehlt? Und welche Räume bleiben trotz hoher Nachfrage nach Abstimmung leer? Solche Beobachtungen sollten nicht auf einen einzelnen Tag beschränkt bleiben, wenn die Anwesenheit im Wochenverlauf stark schwankt. Ebenso wichtig sind Rückmeldungen der Beschäftigten: Eine Fläche, die auf einem Plan offen und einladend aussieht, kann wegen Lärm, fehlender Privatsphäre oder ungünstiger Lage im Alltag gemieden werden.
Hilfreich ist außerdem, die gewünschte Art des Austauschs genauer zu benennen. Ein kurzes Gespräch zwischen zwei Personen, eine Besprechung mit mehreren Teilnehmenden und ein vertraulicher Termin stellen unterschiedliche Anforderungen. Werden sie unter dem Sammelbegriff Zusammenarbeit zusammengefasst, bleibt leicht unklar, welches Problem eine Umgestaltung lösen soll. Das gilt auch für die Frage nach zusätzlicher Fläche: Manchmal geht es um einen fehlenden Raum, manchmal um die Erreichbarkeit oder Nutzbarkeit eines bereits vorhandenen Bereichs.
Erst nach dieser Bestandsaufnahme lässt sich sinnvoll über Maßnahmen sprechen. Dazu können veränderte Nutzungsregeln, eine andere Anordnung bestehender Möbel oder bauliche Anpassungen gehören. Auch nach einer Veränderung bleibt zu prüfen, ob die Räume wie vorgesehen genutzt werden. Pauschale Antworten wie mehr Schreibtische abzubauen oder überall offene Zonen einzurichten, würden die Unterschiede zwischen Arbeitsabläufen überspringen.
Büroplanung in der Region als Umsetzungsfrage
Bei der Umsetzung treffen Raumaufteilung und Einrichtung auf ganz praktische Grenzen: vorhandene Grundrisse, Laufwege, technische Ausstattung und die Zahl der gleichzeitig anwesenden Beschäftigten. In Göppingen befasst sich Das gesunde Büro mit Büroplanung und Einrichtung; die Auswahl von Büromöbeln in Göppingen ist dabei nur ein Teil der Frage, wie unterschiedliche Arbeitsbereiche angeordnet werden. Ein Tisch für gemeinsame Gespräche erfüllt beispielsweise einen anderen Zweck als ein Platz für ungestörte Einzelarbeit. Ob beide Bereiche benötigt werden und wie sie voneinander getrennt sein sollten, hängt vom jeweiligen Betrieb ab.
Die Konstanzer Untersuchung schreibt Unternehmen keine bestimmte Einrichtung vor. Sie macht vielmehr eine Frage sichtbar, die auch bei bestehenden Büros gestellt werden kann: Gibt es für den Austausch, der von Präsenz erwartet wird, tatsächlich passende Orte? Eine Antwort verlangt mehr als einen Blick auf den Möbelbestand. Entscheidend ist, ob Beschäftigte die Flächen während ihrer üblichen Arbeitsabläufe erreichen und nutzen können, ohne für jede kurze Abstimmung auf einen ungeeigneten Ausweichplatz angewiesen zu sein.
Vom Studienbefund zur konkreten Prüfung
Die 35 Prozent aus der Befragung sind kein Maßstab, an dem sich einzelne Büros unmittelbar messen lassen. Für Unternehmen bieten sie einen Anlass, die eigenen Räume genauer anzusehen: Welche Tätigkeiten sollen vor Ort stattfinden, wo finden sie derzeit statt und welche Situationen bleiben ohne passenden Platz?
Diese Fragen verbinden die Diskussion über Anwesenheit mit dem tatsächlichen Arbeitsalltag. Erst wenn klar ist, ob ein Engpass beim konzentrierten Arbeiten, bei kurzen Gesprächen oder bei gemeinsamen Terminen entsteht, lässt sich eine räumliche Änderung gezielt beurteilen. Damit wird aus einem allgemeinen Ruf nach mehr Begegnung eine überprüfbare Aufgabe für die Büroplanung.
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-07 07:32:50
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