Am Sonntag steigt der mit Spannung erwartete SPÖ-Krisengipfel über den Parteivorsitz. Aus Wien kommen Signale: Andreas Babler darf es nicht mehr sein, Gerhard Zeiler darf es nicht werden.
Fix ist momentan nur zweierlei: Es gibt mit Andreas Babler einen aktuellen SPÖ-Vorsitzenden und mit Gerhard Zeiler einen Herausforderer. Der Rest gestaltet sich schwierig. Es hagelt nämlich immer mehr Absagen. Nach Finanzminister Markus Marterbauer winkte am Samstag auch Frauen- und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner ab. „Ich stehe nicht zur Verfügung“, sagt sie zur, „Krone“. Sie begrüße es aber, dass es zu einer klaren Aussprache kommt.Holzleitner: „Ich spreche mich nicht für oder gegen Personen aus“„Ich spreche mich nicht für oder gegen Personen aus“, so Holzleitner. „Es muss sehr offen geredet werden. Es sind das erste Mal wieder alle Landesparteivorsitzenden, Gewerkschaft und Frauen dabei, das ist schon mal gut.“Marterbauer sagt zwar nicht so klar ab wie Holzleitner. Aus der Partei ist allerdings zu hören, dass er angesichts seiner Krebstherapie – zumindest derzeit – die Partei nicht übernehmen kann und will. Auch die Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures soll sich mit Händen und Füßen gegen diese Bürde wehren, wird aber weiter bekniet.Von den vielen Namen, die kursieren, bleibt noch Klubchef Philip Kucher. Er hat aber ebenfalls kein Interesse an dem Job. Ex-ORF-Chef Alexander Wrabetz werden keine realistischen Chancen auf eine Mehrheit in der Partei eingeräumt. Verkehrsminister Peter Hanke gilt als Notlösung, wenn alle Stricke reißen.
Zu Mittag treffen sich die Länder untereinander, am Nachmittag kommen sie mit Babler, Holzleitner, ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian, Regierungskoordinatorin Michaela Schmidt und Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim zusammen. Der Ausgang der Sitzungen gilt als einigermaßen offen.
Einen formalen Beschluss kann es am Sonntag ohnehin nicht geben, da es sich um eine informelle Sitzung handelt. Was auch immer vereinbart wird, braucht noch die Bestätigung durch einen Bundesparteivorstand. Dieser wäre dann befugt einen Sonderparteitag einzuberufen.
Sollte sich mehr als ein Kandidat finden, müsste davor wohl gemäß Statut ein Mitgliederentscheid über die neue Parteiführung durchgeführt werden.
Ludwig: Wiener SPÖ mit „einheitlicher Linie“Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig bat am Samstag die Wiener Bezirksparteichefs und das Landespräsidium zu sich. „Das Ergebnis ist eine gemeinsame, klare Haltung der Wiener SPÖ. Diese gemeinsam festgelegte Linie werde ich morgen beim Treffen mit den anderen Landesparteivorsitzenden vertreten“, sagte er danach. Auf Namen wollte er sich nicht festlegen. Am Abend aber sickerte durch, dass die Wiener Genossen Ludwig eine Botschaft mitgegeben haben sollen: Andreas Babler darf es nicht bleiben, Gerhard Zeiler darf es nicht werden. Für den Rest hat er freie Hand. Ludwig und die Gewerkschaft sollen zuerst Marterbauer und als Zweitvariante Bures favorisieren.Dass die 64-Jährige, der viele Hofburg-Ambitionen nachsagen, dauerhaft übernimmt, gilt als ausgeschlossen. Sie könnte allenfalls einen Übergangsprozess leiten, an dessen Ende Marterbauer, wenn er genesen ist, die Spitze übernimmt. Oder sich bei einer Mitgliederbefragung mehrere Kandidaten bewerben können.Vranitzky spricht sich für Zeiler ausUnter den Landesparteichefs herrscht Unmut, dass „die Wiener“ wieder einmal mit der Gewerkschaft packeln und alle anderen vor vollendete Tatsachen stellen. Darüber kann man sich am Sonntag (ab 13 Uhr) bei einem Treffen der Länderchefs austauschen. Um 16 Uhr folgt der Partei-Krisengipfel. Übrigens: Alt-Bundeskanzler Franz Vranitzky sprach sich im „Krone“-Interview mit Conny Bischofberger für Zeiler aus. „Ich hätte nichts dagegen, wenn er SPÖ-Chef wird“, so der bald 89-Jährige.
Rotes Wien mit Ansage – Streit spitzt sich zu – SPÖ gehen Kandidaten aus 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-03 22:23:04
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