In der Affäre des Jahres geht es um Tausende Handy-Chats, mehr als 40 Nacktbilder und ein Tagebuch, das viel über zwei Männer verrät …
Stiftungsratskreise hatten schon Einblick in den Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft Wien bei Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum. Dabei geht es – wie berichtet – um die Auswertung zweier von Beamten des Landeskriminalamtes sichergestellten Handys der „Kronzeugin“. Alles im Zuge des von der Justiz eingeleiteten Ermittlungsverfahrens wegen Verdachts der schweren Erpressung. Die Mobiltelefone wurden ihr übrigens nach einer Ortung beim Haus des damals noch nicht freigestellten ORF-Gagenkaisers Strobl abgenommen.Bekanntlich war Generaldirektor Roland Weißmann über die Vorwürfe der Mitarbeiterin wegen sexueller Belästigung gestürzt. So weit so gut. Wie aus ORF-Kreisen durchsickert, lassen die 3820 wechselseitig verschickten Chats von März 2021 bis März 2026 die pikante Causa aber in einem anderen Licht erscheinen.„Kontakt von beiden Seiten gesucht“Schlussfolgerung der Kriminalpolizei: „Es ist nicht ersichtlich, dass Mag. Weißmann mit Konsequenzen droht, sollte diese seinem Wunsch nach einem Nacktfoto von ihr nicht nachkommen. Es ist auch nicht zu erkennen, dass (…) eingeschüchtert wird. Der Kontakt war von beiden Seiten gesucht.“ Während der mächtige Medienmanager zwei anzügliche Fotos im Laufe der Affäre übermittelt, kommt sie ihm am 20. Dezember 2020 mit einem gesendeten Aktbild zuvor. Fast 40 weitere „sexuell konnotierte“ Fotos werden auf den beiden Handys der Mitarbeiterin gefunden.Wie TV-Seifenoper über Romanze am ArbeitsplatzTatsächlich lesen sich die Chats teils wie eine billige TV-Seifenopfer über eine Romanze am Arbeitsplatz. Emojis mit Kussmund und Herzen fliegen hin und her. Sie besucht Roland Weißmann zu Hause, man kommt sich näher, dreht Laufrunden gemeinsam. Viele Kurznachrichten klingen flirtend – und nicht wie eine Nötigung. Etwa wenn sie schreibt: „Liebster Rolli :-):-):-) morgen zwischen 9 und 10 läute ich an deiner Tür.“ Oder: „Sehr nett war das“, so die blondhaarige Dame nach einer Veranstaltung. Weißmann darauf: „Schade, dass ich dich nicht küssen durfte.“ Ihre Antwort zurück: „Das wäre etwas auffällig. Starnacht sehen wir uns auch, stimmt’s?“Mehrmals bricht der ORF-Chef den Kontakt ab, den sie trotzdem immer wieder aktiv sucht. Wie bei 18 verschickten Werbefotos im kurzen Rock. Weißmann soll ihr bei der Auswahl helfen. Als der damalige Generaldirektor schreibt, „die Ganzkörperfotos gefallen mir besonders. Pfadfinder Ehrenwort“, freut sie sich mit neun Herzerln in den Augen: „Oooohhh Roliiiiii.“Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: gefundene elektronische Notizen bei der ORF-Angestellten über die Beziehung zu ihrem unmittelbaren Vorgesetzten. Entgegen bisherigen öffentlichen Angaben kommt darin Wohltätigkeitsmanager Pius Strobl oft vor.„3-spurig gefahren“ – und Geld von Strobl geborgtIn dem Tagebuch (Auszüge oben) schreibt sie über den ersten Kuss mit ihm und dass sie noch vor der Scheidung „3-spurig“ unterwegs war. Neben Schulden rund ums Haus geht es um Geldflüsse von Pius. Mysteriös: „400 Teur Einmalzahlung (sic)“, monatliche Barzuwendungen und eine Kreditübernahme. Neben einer privaten steht eine wirtschaftliche Abhängigkeit im Raum. Auch weitere Notizen an sich selbst werfen zu den Belästigungsvorwürfen Fragen auf: „Warum finde ich beide anziehend? Pius weiß wie Männer ticken und wie sie begrapschen.“ Letzter Eintrag: 19. Mai – dann folgt die Razzia.Jetzt ist die Justiz am Zug. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Ein möglicher Prozess gegen die „Kronzeugin“ würde Weißmann aber nach drei eingebrachten Klagen beim Arbeitsgericht gegen den ORF seiner Millionen-Forderung näher bringen.
Sie schrieb alles auf – Der ORF-Akt: „Rolilein Schlaf gut und träum schön“ 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-05 17:10:59
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