Die teils astronomischen Preise an den Zapfsäulen der Republik ändern vorerst nichts daran: Das Auto ist – mit kleinen Abstrichen – eine „heilige Kuh“ für Herrn und Frau Österreicher. Auch für Junge steigt der Stellenwert der Mobilität auf vier Räder. Autonomes Fahren und die digitale Vignette führen zu erhitzten Gemütern.
Der Krieg im Nahen Osten tobt, ob die Feuerpause hält, ist ebenso unklar wie die Frage, ob die Straße von Hormus nun gesperrt bleibt oder mit einer Maut belegt wird. Indes schießen an unseren Tankstellen die Preise für Diesel und Benzin unvermindert in die Höhe. Auch Lieferketten bleiben wohl für längere Zeit gestört, Kosten für Logistik und Rohstoffe werden dem Endkunden aufgerechnet. Düstere Aussichten – und doch bleiben Herr und Frau Österreicher dem Auto treu, wie eine Umfrage der Wiener Städtischen und dem Gallup-Institut zeigt. Am Land ist das Auto noch immer essenziellDie Studie, betont Städtische-Vorstandsdirektorin Doris Wendler, wurde jedoch mit 3. März geschlossen – die wirtschaftlichen Folgen und emotionalen Ängste des Krieges sind damit noch nicht eingepreist. Krisen gab es zu jenem Zeitpunkt dennoch zur Genüge. Und doch: Für 65 Prozent der 1000 Befragten hat das Auto einen hohen Stellenwert, bei Landbewohnern sind es sogar 74 Prozent. Für 48 Prozent der jungen Generation (17 bis 30 Jahre) nahm der Stellenwert sogar zu. Bemerkenswert, denn bei derselben Umfrage 2022 legten die Jungen noch mehr Wert auf Klima, Radfahren und Laufen.Großteil fährt weniger als 50 Kilometer am Tag66 Prozent der Befragten besitzen eines oder mehrere Autos, bei Männern sind es sogar 71 Prozent. Dennoch meinten zwölf Prozent, sie würden kein Auto nutzen und hätten das auch nicht vor. 2022 lag jener Wert noch bei fünf Prozent. 79 Prozent fahren mehrmals pro Woche, am Land sogar 86 Prozent, jedoch 83 Prozent pro Tag weniger als 50 Kilometer – ein Umstand, der laut Wendler auch durchaus für die Elektrobranche spricht.Frauen mögen Benziner, Männer eher DieselEbenso 83 Prozent sehen sich als gute Autofahrer, bei den Männern sind es sogar 86 Prozent. Mit den Schadenszahlen der Wiener Städtischen würden jene Zahlen nicht so ganz korrespondieren, meint Wendler mit einem kleinen Seitenhieb. Frauen fahren übrigens eher Benziner (64 Prozent), Männer eher Diesel (37 Prozent), bei Hybridantrieb liegt der Schnitt bei acht Prozent, sechs Prozent fahren E-Motoren. Immerhin überlegen 25 Prozent, einen Hybrid zu kaufen, 14 Prozent denken darüber nach, ein elektrisch betriebenes Auto zu finanzieren. Beim Preis hört sich der Spaß aber auf: Drei Viertel wollen dafür maximal 30.000 Euro ausgeben, 60 Prozent wünschen sich mindestens 400 Kilometer Reichweite. Sofortzahlung von Auto in den meisten FällenFür 77 Prozent sind die Kosten der entscheidende Faktor beim Autokauf, nur für 42 Prozent sind die sicherheitstechnischen Aspekte sehr wichtig. Der Österreicher bleibt ein klassischer Sofortzahler, 74 Prozent bezahlen noch beim Kauf, 19 Prozent leasen Fahrzeuge, zehn Prozent finanzieren das Vehikel über Kredit. 83 Prozent finden übrigens, dass Werkstättenpreise zu hoch seien. 70 Prozent legen dort Wert auf qualifizierte Mechaniker, die Nähe der Werkstätte zum Wohnort ist vor allem für Ältere wichtig. 42 Prozent entscheiden sich übrigens für eine Vollkaskoversicherung, 30 Prozent bleiben bei der Haftpflichtversicherung. Die Tendenz zur Vollkasko steigt aufgrund der in den Autos verbauten Technik merklich.Digitale Vignette als StreitthemaPolarisierend ist die digitale Vignette: 49 Prozent befinden sie für gut (bei den Jungen sind es 61 Prozent), 51 Prozent sehen jene aber eher in der Kategorie „Zwangsdigitalisierung“. Die 51- bis 70-Jährigen lehnen die digitale Vignette zu 58 Prozent ab. 72 Prozent sehen dafür die Neuregelung der Pickerl-Prüfintervalle positiv – schließlich ist die Ausdehnung der Zeiträume mit niedrigeren Kosten verbunden. Technische Vorrichtungen zur Alkoholkontrolle in Autos befürworten 67 Prozent, bei Frauen sogar 73 Prozent. Skeptischer sehen jene, die Jüngeren (59 Prozent) und Männer (60 Prozent). Selbstfahrende Autos als Risiko?Auch das autonome Fahren spaltet die Gesellschaft. 46 Prozent bezeichnen selbstfahrende Autos als Risiko, bei Frauen sind es sogar 49 Prozent. 43 Prozent der jungen Generation befürworten dagegen diese technologische Errungenschaft. 53 Prozent der Älteren lehnen autonom fahrende Autos dagegen wieder ab. Beim Kaufwunsch zeigt sich aber wieder Interesse: 69 Prozent der Männer spielen mit dem Gedanken, ein solches Auto zu kaufen.Kommentar: Diese Freiheit ist auch notwendigErst Corona, dann der Krieg in der Ukraine, jetzt in Nahost – wir scheinen von einer Krise in die nächste zu taumeln. Die Inflation sinkt nicht so recht, auch das Auto und seine Begleitkosten werden immer teurer. Aber eines ist klar: Mobilität wird es immer geben.Und so angenehm der öffentliche Nahverkehr rund um Städte schon ist: Vor allem die individuelle Mobilität möchte sich keiner nehmen lassen. Zu Recht. Wer schon einmal in eine weniger gut von Bahn und Bus erschlossene Region fahren wollte oder musste, oder mit Kindern verreist ist, versteht das nur allzu gut.Kein Wunder also, dass die Pkw-Neuzulassungen in Österreich schon letztes Jahr das Niveau der Zeit vor der Corona-Krise erreichten, mit 284.978 Autos wurde ein Plus von 12,3 Prozent erzielt. Und auch heuer melden die Auto-Importeure ein kräftiges Wachstum, allein die Monate Jänner und Februar lagen laut Statistik Austria 10,4 Prozent über diesem Zeitraum im Jahr davor.Spannend ist, dass auch für Österreichs Jugend das Auto noch wichtig ist, wie die Studie der Wiener Städtischen und Gallup zeigt. Dabei scheint es, als wären nur Bildschirme für die Generation von 17 bis 30 Jahren interessant. Als Vater dreier Kinder kann ich aber berichten, dass auf diesen Bildschirmen oft Autos ein Thema sind. Schließlich wollen auch Junge mobil sein. Was nicht im Widerspruch zum Klimaschutz stehen muss, sind Elektroautos, die boomen – und sind zumindest lokal emissionsfrei.
Sprit teuer, aber: – Österreicher hängen trotz multipler Krisen am Auto 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-04-10 03:06:10
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