Im Sommer berichtete die „Krone“ über einen Expertenbericht zum Umgang mit schwer oder unvermittelbaren Tierheimhunden. Doch nicht alle Tierheime möchten den vorgeschlagenen Weg mitgehen und positionieren sich gegen das Einschläfern von körperlich gesunden Hunden, die trotz aller Bemühungen extrem verhaltensauffällig bleiben.
Die Geschichten hinter den Schicksalen von Tierheim-Hunden, die als sogenannte „Langzeitsitzer“ gelten, sind immer tragisch. Schlechte Haltungsbedingungen, Vernachlässigung oder Überforderung der Besitzer sind fast immer die Gründe, warum ein Hund in seinem Verhalten so geschädigt ist, dass sich kaum jemand seiner annehmen möchte. In solchen Fällen fällt irgendwann hinter vorgehaltener Hand manchmal das Wort „Einschläfern“. Seit einigen Monaten gibt es eine wissenschaftliche Expertise, um solche Entscheidungen für Tierheime zu erleichtern und sie auch rechtlich abzusichern. Denn nur weil „kein Geld“ oder „kein Platz“ mehr da ist, kann man nicht einfach so die Spritze zücken. Diese Empfehlung soll laut dem Bericht nur in besonders schwierigen Einzelfällen und anhand klarer Kriterien von einer eigens eingerichteten Kommission gegeben werden können. Tierschützer stellen sich dagegenDoch unter Tierschützern regt sich Widerstand und innerhalb der Tierheime wird dieses Thema heiß diskutiert. Einen Vorstoß wagt nun der Verein „Tierschutz Austria“, der in Vösendorf ein großes Tierheim betreibt. In einer Aussendung spricht man sich dagegen aus, körperlich gesunde Hunde zu euthanasieren, bei denen die bisherigen Bemühungen zu einer Resozialisierung erfolglos blieben.„Es braucht stattdessen weitere Möglichkeiten für jene Tiere, die nicht im klassischen Tierheim dauerhaft untergebracht oder vermittelt werden können“, ist der Stellungnahme von Tierschutz Austria-Präsidentin Madeleine Petrovic zu entnehmen. Stress im TierheimDabei nimmt Tierschutz Austria auch die Bedingungen in den Einrichtungen selbst in den Blick. Bei Hunden, die trotz längerer Betreuung und Training keine Fortschritte zeigen, könne ein Wechsel der Bezugsperson oder des Trainers eine Möglichkeit sein. Auch die Situation im Tierheim sei zu berücksichtigen, da der Aufenthalt und das Training dort für manche Hunde mit Stress verbunden sein können.Der Verein nennt deshalb etwa eigene Gnadenhöfe oder spezialisierte Einrichtungen als mögliche Alternativen. Gleichzeitig sieht Tierschutz Austria Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen. Nach Ansicht des Vereins müsse zunächst erhoben werden, wie viele geeignete Plätze in Österreich tatsächlich vorhanden sind und wo Betreuungsmöglichkeiten fehlen.Gesetzgeber in der Pflicht„Im Spital kennt man den Betten-Schlüssel. Bei Tieren in Not kennt man die Zahlen nicht“, sagt Petrovic. Konkret fordert sie daher unter anderem eine bundesweite Erhebung der vorhandenen und benötigten Plätze sowie eine verbindliche Einbindung von Tierheimen und Tierschutzvereinen in den Vollzug und Vollzugsbeirat.„Unser Auftrag bleibt: Leben schützen und retten. Wer eine Problemlösung im Töten sieht, hat den Tierschutz bereits aufgegeben“, so Petrovic. Es sei entscheidend, bereits bei Zucht und Haltung anzusetzen und zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten zu schaffen.Der Verein verbindet seine Stellungnahme zum morgigen Welttierschutztag mit der Forderung, die Versorgung solcher Hunde langfristig abzusichern – und die Frage nach dem Umgang mit besonders schwierigen Vierbeinern nicht erst am Ende ihrer oft langen Tierheimzeit zu stellen.
Wohin mit den Hunden? – „Einschläfern“: Widerstand gegen Expertenvorschlag 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-03 15:32:51
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