Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 zeigt für Wohnungseinbrüche in Baden-Württemberg einen deutlichen Langzeittrend: Das Land registrierte weniger als halb so viele Fälle wie zehn Jahre zuvor. Zugleich blieb fast jeder zweite Einbruch bereits beim Versuch. Die Zahlen beschreiben die Entwicklung im gesamten Bundesland. Was sie für Stuttgart und für das Risiko einer einzelnen Wohnung bedeuten, erfordert eine genauere Einordnung.
Landeszahlen zeigen einen deutlichen Rückgang über zehn Jahre
In Baden-Württemberg wurden 2025 insgesamt 5.844 Wohnungseinbrüche polizeilich erfasst. Für 2015 nennt das Innenministerium Baden-Württemberg in seiner Mitteilung zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 noch 12.255 Fälle. Zwischen den beiden Vergleichsjahren liegt damit ein Rückgang um 52,3 Prozent. Die Gegenüberstellung macht die Größenordnung der Veränderung sichtbar, beschreibt aber keinen gleichmäßigen Verlauf: Aus zwei Jahreswerten lässt sich weder ablesen, wie sich die Fallzahlen in jedem dazwischenliegenden Jahr verändert haben, noch ob sich ein Trend künftig fortsetzt.
Für die Einordnung ist auch die räumliche Ebene wichtig. Der Landeswert fasst registrierte Taten aus sehr unterschiedlichen Städten und Gemeinden zusammen. Er beschreibt deshalb die Entwicklung Baden-Württembergs, nicht die Lage in einem bestimmten Stuttgarter Stadtteil. Einzelne Polizeimeldungen über Einbrüche können im Alltag ein anderes Bild vermitteln, weil sie konkrete Ereignisse sichtbar machen. Sie ersetzen jedoch keinen Vergleich aller erfassten Fälle über einen längeren Zeitraum. Umgekehrt bedeutet ein deutlicher Rückgang in der landesweiten Statistik nicht, dass Wohnungseinbrüche für Betroffene an Bedeutung verlieren. Die beiden Aussagen stehen nebeneinander: Die registrierte Zahl ist im Zehnjahresvergleich deutlich gesunken, und im Jahr 2025 wurden weiterhin mehrere Tausend Fälle im Land erfasst.
Fast jeder zweite Einbruch scheitert bereits beim Versuch
Eine zweite Zahl aus der Landesstatistik betrifft den Ausgang der Taten: Nach Angaben des Innenministeriums scheiterte 2025 fast jeder zweite Wohnungseinbruch bereits im Versuchsstadium. Diese Fälle zählen zur Wohnungseinbruchskriminalität, obwohl die Tat nicht vollendet wurde. Wer nur die Gesamtzahl betrachtet, sieht daher nicht unmittelbar, wie viele registrierte Fälle Versuche waren. Die Unterscheidung ist für das Verständnis der Statistik entscheidend: Ein gemeldeter Einbruchsversuch ist ein erfasstes Delikt, auch wenn es nicht zu einem vollendeten Einbruch kam.
Das Ministerium nennt Ermittlungsarbeit, Fahndungs- und Kontrolldruck sowie die Arbeit kriminalpolizeilicher Beratungsstellen als Faktoren im Kampf gegen Wohnungseinbrüche. Zugleich spielt bei der Betrachtung eines Gebäudes eine Rolle, welchen Widerstand seine Zugänge bieten und wie Sicherungsmaßnahmen zusammenspielen. Zu den Themen der Gebäudesicherung zählt auch eine professionelle Sicherheitstechnik in Stuttgart. Aus der landesweiten Versuchsquote lässt sich allerdings nicht bestimmen, warum ein konkreter Versuch scheiterte. Sie ist weder ein Nachweis für die Wirkung einer einzelnen technischen Maßnahme noch eine Aussage darüber, wie ein bestimmtes Haus ausgestattet war.
Die Quote zeigt damit vor allem, weshalb eine reine Fallzahl zu kurz greift. Sie enthält versuchte und vollendete Taten und beschreibt deren polizeilich erfassten Ausgang. Für eine Erklärung des Zehnjahresrückgangs müssten weitere Entwicklungen getrennt untersucht werden. Die Statistik allein kann verschiedene mögliche Einflüsse nicht gewichten oder einer bestimmten Maßnahme zurechnen.
Stuttgarts Statistik misst die gesamte Kriminalität
Für die Landeshauptstadt hat das Polizeipräsidium Stuttgart die Kriminalstatistik 2025 veröffentlicht. Demnach wurden im Stadtgebiet insgesamt 53.894 Straftaten registriert, nach 54.175 im Vorjahr. Die Gesamtzahl ist damit leicht gesunken. Zugleich stieg die Aufklärungsquote für sämtliche erfassten Straftaten von 63,9 auf 66,9 Prozent. Diese Werte beziehen sich auf die Gesamtkriminalität in Stuttgart. Sie dürfen nicht als Zahl oder Aufklärungsquote für Wohnungseinbrüche gelesen werden.
Der Unterschied zwischen beiden Datensätzen ist für einen regionalen Vergleich wesentlich. Die 5.844 Wohnungseinbrüche aus der Landesmitteilung betreffen eine bestimmte Deliktgruppe in ganz Baden-Württemberg. Die 53.894 Stuttgarter Fälle dagegen umfassen zahlreiche unterschiedliche Straftaten innerhalb der Stadt. Beide Angaben stammen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für dasselbe Jahr, beantworten aber verschiedene Fragen. Auch die Stuttgarter Aufklärungsquote sagt etwas über alle dort statistisch erfassten Straftaten zusammen aus; sie beschreibt nicht, welcher Anteil der Wohnungseinbrüche aufgeklärt wurde.
Damit lässt sich aus den hier gegenübergestellten Werten weder ein Anteil Stuttgarts an allen Wohnungseinbrüchen im Land berechnen noch ein eigener Verlauf der Einbruchskriminalität in der Stadt bestimmen. Belastbar ist eine engere Aussage: Landesweit liegt für Wohnungseinbrüche ein deutlicher Rückgang gegenüber 2015 vor, während die Stuttgarter Gesamtkriminalität 2025 gegenüber dem Vorjahr leicht zurückging. Die unterschiedliche Delikt- und Gebietsauswahl sollte bei jeder Interpretation erkennbar bleiben.
Was eine Polizeiliche Kriminalstatistik abbildet
Die Polizeiliche Kriminalstatistik beruht auf Straftaten, die der Polizei bekannt geworden und statistisch erfasst worden sind. Sie beschreibt damit das sogenannte Hellfeld. Nicht jede Tat wird angezeigt oder auf andere Weise bekannt. Die Landesmitteilung unterscheidet deshalb zwischen Hellfeld und Dunkelfeld. Wie groß der nicht erfasste Teil bei Wohnungseinbrüchen im betrachteten Zeitraum ist, lässt sich aus den genannten Jahreszahlen allein nicht bestimmen. Ein Rückgang registrierter Fälle ist eine wichtige Beobachtung, aber keine vollständige Beschreibung sämtlicher tatsächlicher Ereignisse.
Auch der Zeitpunkt der statistischen Erfassung ist bei der Lektüre solcher Zahlen zu beachten. Eine Kriminalstatistik ist eine Jahresbilanz polizeilich bearbeiteter Fälle, keine laufende Anzeige aller Vorfälle in einem Viertel. Sie eignet sich dazu, Entwicklungen anhand einheitlicher Kategorien zu betrachten. Für Aussagen über einzelne Straßen, Gebäude oder Haushalte ist der Maßstab dagegen zu groß. Der Landeswert bündelt ganz Baden-Württemberg; selbst eine städtische Gesamtzahl erfasst unterschiedliche Delikte und sehr verschiedene örtliche Situationen.
Hinzu kommt, dass statistische Größen unterschiedliche Aspekte eines Geschehens beleuchten. Die Fallzahl zeigt, wie viele Delikte erfasst wurden. Der Anteil versuchter Taten beschreibt, wie oft es bei einem Versuch blieb. Die Aufklärungsquote wiederum bezeichnet den Anteil der aufgeklärten Fälle an allen registrierten Fällen der jeweils betrachteten Deliktgruppe. Diese Werte sind nicht austauschbar. Wer sie getrennt liest, kann den Rückgang der Wohnungseinbrüche anerkennen, ohne daraus zugleich eine Aussage über die Ursachen, das Sicherheitsgefühl vor Ort oder den Verlauf jeder einzelnen Tat abzuleiten.
Langfristiger Trend und persönliches Risiko bleiben verschiedene Fragen
Die Bilanz für Baden-Württemberg ist eindeutig, soweit sie die beiden Vergleichsjahre betrifft: 2025 wurden wesentlich weniger Wohnungseinbrüche registriert als 2015. Die hohe Zahl der Versuche ergänzt dieses Bild, weil sie zwischen begonnenen und vollendeten Taten unterscheidet. Beides zusammen liefert mehr Orientierung als die Betrachtung eines einzelnen Polizeieinsatzes. Es ersetzt aber keine örtlich und sachlich passende Betrachtung, wenn es um ein konkretes Wohngebäude geht.
Das persönliche Risiko verteilt sich nicht gleichmäßig auf alle Wohnungen des Landes. Gebäude unterscheiden sich etwa in ihrer Lage, ihren Zugängen und ihrer Nutzung. Eine landesweite Fallzahl kann solche Unterschiede nicht abbilden und liefert keine Vorhersage für eine bestimmte Adresse. Ebenso wenig lässt sich aus dem Rückgang ableiten, dass Schutzmaßnahmen allgemein überflüssig geworden wären. Die Statistik beschreibt, was polizeilich erfasst wurde; sie trifft keine Entscheidung für den Einzelfall.
Für die öffentliche Debatte liegt der Wert der neuen Zahlen deshalb vor allem in ihrer Größenordnung und ihrer klaren Bezugsbasis. Sie zeigen einen starken Rückgang über zehn Jahre und einen hohen Anteil versuchter Taten. Die Stuttgarter Gesamtzahlen ergänzen das regionale Bild, bleiben aber eine andere statistische Größe. Wer diese Ebenen auseinanderhält, erhält eine nüchternere Sicht auf Wohnungseinbrüche als aus einzelnen Meldungen oder einer pauschalen Entwarnung.
Wohnungseinbrüche in Baden-Württemberg seit 2015 mehr als halbiert 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-06 14:20:54
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