Der Kantonale Gewerbeverband Appenzell Innerrhoden (KGV) hat an seiner Landsgemeindeversammlung Pius Federer als Nachfolger von Landammann Roland Dähler nominiert. KGV-Präsident Michael Koller verteidigte dabei die Entscheidung, nur einen Kandidaten zu präsentieren, und betonte, ein Landammann müsse «auch allein hinstehen können». Frau Landammann Angela Koller wird vom Gewerbe einstimmig zur Wiederwahl empfohlen.
Federer erklärte, er würde das Regierungsamt auch bei einem Vollpensum übernehmen; sein Sohn sei bereit, den Betrieb weiterzuführen. Er sieht die grössten Schwierigkeiten weniger in inhaltlichen Differenzen als in der Kommunikation innerhalb der Kollektivbehörde.
Kritik an Raumplanung und Proporz
Zum revidierten Raumplanungsgesetz zeigte sich Federer zurückhaltend: Zwar gebe es Verbesserungen für Bewohnerinnen und Bewohner der Landwirtschaftszone, insgesamt stehe der bürokratische Aufwand aber in keinem Verhältnis zum Ertrag. Beim Thema Wohnraum betonte er Anreize für ältere Menschen, aus grossen Wohnungen und Häusern auszuziehen, um Raum für junge Familien zu schaffen. Innerrhoden verliere derzeit zu viele junge Menschen mit tertiärer Ausbildung an andere Kantone.
Die von SVP, SP und Gruppe für Innerrhoden (GFI) lancierte Proporz-Initiative für Grossratswahlen lehnt Federer ab. Der effiziente Ratsbetrieb sei auch darauf zurückzuführen, dass es keine Parteiensprecher gebe; ein Proporzsystem könnte langfristig die Landsgemeinde in Frage stellen.
Als «groesstes Problem» der Schweiz bezeichnete Federer die Stromversorgung. Seit 2014 sei das Land Nettoimporteur und stark von französischen Atomkraftwerken abhaengig. Er kritisierte den ungenügenden Ausbau erneuerbarer Energien und verwies darauf, dass neue AKW erst in Jahrzehnten wirksam würden. Ein Blackout könne bis zu neun Tage dauern und trete voraussichtlich nicht im Hochsommer auf. Vor diesem Hintergrund misst er dem im März unterzeichneten Stromabkommen im Rahmen der «Bilateralen III» grosse Bedeutung zu; eine Volksabstimmung wird 2027 erwartet.
Federer wurde mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung nominiert, sämtliche bisherigen Mitglieder der Standeskommission für ein weiteres Jahr bestätigt.
Personalvorschlaege in Bezirken und Grossem Rat
Im Bezirk Appenzell unterstützt der KGV Albert Fritsche (AVA) als Nachfolger des zurückgetretenen Bezirkshauptmanns Markus Koster; für dessen Sitz im Grossen Rat wird Remo Broger vorgeschlagen. Für den ausscheidenden Reto Inauen soll Stefanie Nägeli-Raschle nachrücken. In Oberegg schlägt das Gewerbe Lukas Walser als Nachfolger von Matthias Rhiner im Grossen Rat vor. In Schwende-Rüte wird Thomas Fässler als vom Bauernverband portierter Nachfolger von Sepp Inauen im Bezirksrat unterstützt; ein Vorschlag für den freien Grossratssitz fehlt noch. Auf Jonny Dörig soll im Grossen Rat Caroline Sonderer folgen. Offen sind die Nachfolge von Bezirksrat Bruno Koch in Gonten sowie jene von Albert Broger in Schlatt Haslen.
Für die Dunke der Feuerschaugemeinde schlägt der Gewerbeverband Michael Koller (Zuglian Haushaltsgeräte) als Nachfolger von Sepp Meier vor, für Fabian Dörig wird die Rechtsanwältin Leonie Dörig empfohlen.
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«Proporz würde Landsgemeinde in Frage stellen» 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-04-06 11:53:00
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