«Das Kinderdorf imponiert durch den positiven Geist, der hier seit 80 Jahren herrscht. Und es ist auch architektonisch interessant.» Irene Hochreutener, die Obfrau HAR, sagte es. Ihre Organisation hatte zur Hauptversammlung nach Trogen eingeladen – rund 50 Personen nützten die Gelegenheit, sich nicht nur den statutarischen Traktanden zu widmen, sondern auch vor Ort architektonische Einblicke zu nehmen.
Ein Rundgang führte die Teilnehmer zuerst zu den eben restaurierten Wohnhäusern, zu deren Gestaltung der Heimatschutz einen grösseren Betrag aus der «Schindelkasse» zur Verfügung gestellt hatte. Anschliessend wurden zwei weitere Gebäude besichtigt: das Schulhaus von 1959, dessen Renovation noch ansteht, sowie der Andachtsraum, der für vielfältige Zwecke benützt wird – wie Referate, Projekttage, Chorauftritte. Stephan Schwab, der Leiter des Kinderdorfs, informierte über die Geschichte der Anlage, über die Geschäftsfelder und die Herausforderungen. «Die Renovationen sind sehr teuer; wir haben neue Sicherheitsstandards zu erfüllen. Die Kosten für die Reinigung und Instandhaltung sind hoch», nannte er ein paar Beispiele. Kein einzelnes Gebäude stehe unter Denkmalschutz, aber das Dorf an sich gelte als schützenswert. Es sei eine Ehre, dass der Heimatschutz im Kinderdorf zu Gast sei, fügte er an.
Manchmal melden sich Zweifel
Die Versammlung fand im Haus Windsor statt. «Der Heimatschutz fordert einen sorgsamen Umgang mit dem baukulturellen Erbe», war auf der Leinwand zu lesen. Regierung und Gemeinden hätten in ihrer Tätigkeit einen grossen Einfluss auf die bauliche Entwicklung und die Veränderungen im Landschaftsbild. «Das wertvolle baukulturelle Erbe darf nicht leichtfertig preisgegeben werden.»
Hochreutener ergänzte den schriftlich vorliegenden Jahresbericht mündlich und mit Fotos. «Neue Häuser wecken Emotionen. Die Welt ist in einem steten Wandel. Wer möchte den Fortschritt aufhalten und im Alten stecken bleiben?» Manchmal würden sich aber Zweifel melden: «Ist das denn wirklich noch die Heimat, die wir uns wünschen? Oder wäre es an der Zeit, wieder einmal mit offenen Augen durch das Dorf zu gehen, in die Landschaft zu blicken und uns zu fragen, ob das, was gebaut wird, noch ein echtes Gefühl von Heimat vermitteln kann?»
«Unverständliche politische Vorstösse»
Die Obfrau stellte die Frage in den Raum, was denn den kommenden Generationen noch bleibe, wenn es so weitergehe. Der Heimatschutz mache es sich deshalb permanent zur Aufgabe, ein Bewusstsein für den Wert des Bestands und den Wandel zu schaffen. «Unverständlich sind die wiederkehrenden politischen Vorstösse, die das Ziel verfolgen, den Ortsbildschutz aufzuweichen», sagte Hochreutener. Nur wenn man bereit sei, Qualität einzufordern, könne man einen Beitrag an eine identitätsstiftende Baukultur leisten, fügte sie an. Der Heimatschutz tat dies auch im vergangenen Jahr mit mehreren Beratungen, Stellungnahmen, Mitwirkungen, Einsprachen und kritischen Hinweisen. Thomas Künzle, Mitglied des geschäftsführenden kleinen Vorstands, informierte über die konkreten Sachgeschäfte von 2025.
Vorstand ergänzt, Statuten angepasst
Der kleine Vorstand wurde mit Markus Fischer ergänzt, der grosse Vorstand mit Samuel Mühlemann. Die Jahresrechnung zeigte bei Einnahmen von rund 98 000 Franken einen Ausgabenüberschuss von rund 10 000 Franken, der aber zu verkraften ist. Das Budget für 2026 bewegt sich auf ähnlicher Höhe und sieht einen praktisch ausgeglichenen Abschluss vor. Einstimmig beschlossen die Mitglieder eine Statutenänderung. Dieser liegt im Wesentlichen ein «Legat ohne Zweckbestimmung» zugrunde, die dem Heimatschutz zugekommen ist: Nun ist offiziell festgehalten, dass steuerbefreite Mittel im Falle einer Auflösung des Vereins wieder an eine gemeinnützige Institution gehen sollen.
Der Beitrag «Die wertvolle Baukultur nicht preisgeben» erschien zuerst auf appenzell24.ch.
«Die wertvolle Baukultur nicht preisgeben» 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-05-02 15:23:00
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