Das typische Frühlingsgrün überzieht nun auch die mächtigen «Chnoore» des Säntismassivs. Sogar die Murmeltiere sind aus ihrem Winterschlaf erwacht. Aufgeregt pfeifend beobachteten sie das sennisch schöne Schauspiel aus sicherer Warte vor ihren Bauen. Zuerst nahten die Sennen, die via Schwägalp über die Chammhalde ihre Alpen erreichten – was für eine Pracht, wenn sie vom Schatten herauf in die Sonne kamen. Keine Spur von Müdigkeit war zu sehen – weder bei den «Gääsgoofe», den Sennen noch bei den Tieren. Vor allem Letztere schienen nur eines zu wollen: möglichst rasch anzukommen, um sich ausgiebig und in aller Ruhe dem saftigen Grün zu widmen.
Die «Gääsmeedle ond Gääsbuebe» haben seit dem letzten Jahr schon wieder «en Drock tue» – sprich, sie sind zünftig gewachsen. Gut möglich also, dass es für das eine oder andere Kind das letzte «Öberefahre» mit den Geissen war. Bald sind sie gross genug, um weiter hinten im Senntum als flinke Helfer mitzuwirken. Um guten Nachwuchs muss man sich jedoch keine Sorgen machen. Beim «Beepe-Bruno» trippelten bereits die Grosskinder mit. Kaum den Windeln entwachsen eilten die beiden kleinen Mädchen selbstbewusst voraus. Das eine trug das Innerrhoder- das andere das Ausserrhoder-Trächtli. Bei diesem Anblick kam nicht nur der Grossmutter das Augenwasser.
Auch der «Söndeli-Emil» von der Alp «Luuser» blickte stolz und mit stiller Freude auf seine Nachkommenschaft. Für ihn beginnt in diesem Moment der sage und schreibe 50. Alpsommer.
Beni Nef von Steinegg hingegen fährt erst zum zweiten Mal auf die Alp «Dreichliihötte», er ist der jüngste der Potersalpsennen. Freudig tapste ihm sein etwa zweijähriger Bub entgegen um an seiner Hand noch bis zur Hütte mitzulaufen. Fröhlich wippte dabei sein «Zipfelchappezötteli» – was zu zeigen schien: auch hier ist das «Sennevirus» bereits sichtbar wirksam.
Immer wenn ein weiterer Senn eintrifft, begrüsst man sich von Weitem mit kräfigem «Zaure», aus der Nähe per Handschlag und wechselt ein paar Worte. Sogar die Kühe heben dann jeweils neugierig ihre Köpfe, um zu sehen, ob da wohl alte Bekannte im Anmarsch sind.
Gegen Mittag verklangen die «Senntumsschellen» und die «Zäuerli» allmählich. Auch die Murmeltiere hatten sich wieder beruhigt. Es herrschte friedvolle Ruhe. Manche Kühe grasten noch, andere lagen schon bequem da und genossen blinzelnd die Aussicht. Es duftete heimelig nach Gras und Kuh. Die «Bläss» lagen ausgestreckt in der Sonne und träumten wohl nach diesem glücklichen Auftakt von einem hoffentlich gesunden und gefreuten Alpsommer.
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Auf Potersalp ist Sennenleben eingekehrt 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-06-09 12:37:00
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