Das Jahresfest der Stiftung Sonneblick ist fester Bestandteil des Terminkalenders und wird seit drei Jahrzehnten mit dem Flüchtlingssonntag kombiniert. Am vergangenen Sonntag feierte die Bevölkerung gemeinsam mit dem Stiftungsrat, kirchlichen Vertretern und Freunden einen Gottesdienst in der reformierten Kirche Walzenhausen. Gemeindepfarrerin Barbara Signer leitete die Feier unter den Leitmotiven Auswandern, Fremdsein, Integration und Brücken bauen.
Begegnungen im Sonneblick
Mit Bildern eines Treffens von Kindern aus dem Asylzentrum Sonneblick und der Kirchgemeinde führte Religionspädagogin Susi Friedrich in das Thema ein. Ob beim Pizzabacken oder Bemalen von Holzbrettchen – spielerisch überwanden die Kinder Sprachbarrieren. Später forderte Friedrich die Gemeinde auf, mit Holzbrettchen selbst eine Brücke zu errichten. Dass dieses Vorhaben Fingerspitzengefühl verlangt, zeigte sich, als die Konstruktion kurz vor der Fertigstellung einstürzte. Für Pfarrerin Signer kein Grund zum Aufgeben: Es lohne sich, beim Brücken bauen ebenso wie im interkulturellen Dialog stetig dranzubleiben.
Von Menschlichkeit und Loyalität
Als roter Faden zog sich das biblische Buch Rut durch Lesung und Predigt. Die Erzählung zeige eindrücklich, dass Mitmenschlichkeit und Loyalität keine Grenzen kennen. Sie bricht mit Vorurteilen, indem sie eine Geflüchtete zum Vorbild für Integration macht. Die Botschaft lautet: Gott wirkt nicht durch Spektakel, sondern durch das alltägliche, solidarische Handeln von Menschen, die füreinander einstehen.
Mit ihren erfrischenden Liedern brachte der Kinderchor «Singkids und Sangklang» der Musikschule Appenzeller Vorderland, unter der Leitung von Nicole Durrer Egli, Leichtigkeit in die Kirche und setzte ein Zeichen für Hoffnung.
Einblick in den Asylalltag
Gordana Gessner, Leiterin des Zentrums Sonneblick, gab in ihrem Wortbeitrag einen Einblick in den Zentrumsalltag. Trotz des aktuellen Baulärms durch die Renovierung des Gründerhauses bleibe der Kernauftrag – Unterkunft, Schutz und Willkommenskultur – unberührt. Vor Ort bereitet ein 25-köpfiges Team die Familien auf das Leben in der Schweiz vor und gestaltet die lebhafte, bunte Gemeinschaft. Zentral für die Integration sei der Deutschunterricht; anfängliche Sprachbarrieren werden dabei pragmatisch mit Händen, Füssen und «Google Translate» überwunden.
Fredi Züst, Präsident der Stiftung, dankte dem Zentrumsteam für die umsichtige Leitung, dank der das Jahr ohne Zwischenfälle verlief. Die Erneuerung des Gründerhauses dauert voraussichtlich bis nächsten Frühling. Zum Ausklang trafen sich die Besucherinnen und Besucher unter der Linde auf dem Kirchplatz, wo die Bäckerei-Konditorei Meyerhans für Speis und Trank sorgte.
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Sich begegnen und Brücken bauen 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-06-23 13:35:00
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