Abgemagerte Tiere, Exkremente und Kadaver: Neue Aufnahmen aus einem amtsbekannten landwirtschaftlichen Betrieb im niederösterreichischen Bezirk St. Pölten-Land sind erschütternd. Trotz Gerichtsverfahren und Tierhalteverbot soll sich kaum etwas verändert haben. Die „Krone“ geht der Frage nach, warum diese Zustände nicht abgestellt werden.
Die Zustände in den Stallungen waren schon 2022 kaum zu ertragen: Rinder, die bis zum Bauch in den Fäkalien stehen, tote Lämmer und bis auf die Rippen abgemagerte Ziegenkitze. Im Gespräch mit „Krone“-Tierecke-Leiterin Maggie Entenfellner gab der Landwirt damals Rückenproblemen und allgemeiner Überforderung die Schuld an der tragischen Situation auf seinem Hof. Er wolle nun mit den Behörden zusammenarbeiten und für Verbesserungen in seinem Betrieb sorgen, versprach er kleinlaut. „Todesliste“ im StallDoch die nun veröffentlichten Bilder zeigen ein deutlich anderes Bild. Keine Spur mehr von Einsicht, sondern von der eiskalten Fortführung der systematischen Vernachlässigung der Tiere in der Obhut des Landwirts. Er scheint trotz Diversion vor Gericht und verhängtem Tierhalteverbot über den Gesetzen zu stehen. Auch veterinärbehördliche Auflagen und Kontrollen dürften die Familie nur einen müden Lacher gekostet haben, während sie eine interne „Todesliste“ über verendete Tiere führten.Aufnahmen belegen das systematische Versagen„Im Schnitt starben dort seit April zwei Tiere pro Tag“, sagt David Richter vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) beim Telefonat mit der „Krone“, der sich seit Jahren mit diesem Fall befasst. Warum das Tierhalteverbot derartig ausgehebelt werden kann, ist auch ihm ein Rätsel.Die dem VGT zugespielten Bilder gleichen dem Material aus den vergangenen Jahren, welches schon damals allerorts für große Empörung sorgte. Es zeigt wieder Rinder, die tief in der Gülle stehen, und spindeldürre Schafe und Ziegen, die unzureichend versorgt werden und zu verhungern drohen.Zahlreiche Tiere wirken krank, saubere Tränken sind auf den Bildern nicht zu sehen. Besonders erschütternd sind auch die Belege von Gewalt gegen die Tiere. So wird mit einer Heugabel auf die Köpfe der Ziegen eingeschlagen und Ziegen einfach hart an den Hörnern gepackt und über die Absperrung gezerrt.Der Täter? Wieder derselbe Landwirt, der in den vergangenen Jahren mehrmals angezeigt, mit einem Tierhalteverbot belegt wurde und eigentlich mit den Tieren gar nichts mehr zu tun haben dürfte. Ein Hohn für alle, die noch an die Umsetzung und Vollstreckung von Gesetzen glauben. „Taskforce Tierschutz“ machtlos?Seit 2013 sind die Vorgänge amtsbekannt, diese Woche hat der VGT den Betrieb erneut wegen Tierquälerei angezeigt. Nach den früheren Aufdeckungen und Anzeigen in den Jahren 2022 und 2023 hatten die niederösterreichischen Behörden sogar eine „Taskforce Tierschutz“ eingerichtet und zeitweilige Kontrollen im Zwei-Wochen-Takt angekündigt.Doch offenbar wird der Mastbetrieb inzwischen offiziell von anderen Familienmitgliedern weitergeführt. „Dass jemand mit aufrechtem Tierhalteverbot durch eine reine formelle Weitergabe seinen Hof selbst so weiterführen kann, ist unglaublich“, zeigt sich „Krone“-Tierecke Chefin Maggie Entenfellner ebenfalls schockiert.Politik meldet sich zu WortDie „Krone“ hat den zuständigen Bezirkshauptmann und die für Tierschutz zuständige Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) mit den Vorwürfen und dem vorliegenden Bildmaterial konfrontiert. Rosenkranz findet deutliche Worte: „Dieser Betrieb müsste eigentlich sofort geschlossen werden.“Eine sofortige Umsetzung sei derzeit jedoch schwierig. Rund 1000 Tiere müssten unmittelbar untergebracht werden, zudem fehle im Bundesgesetz die Grundlage für ein sofortiges Tierhalteverbot. „Ein solches Verbot muss rasch und wirksam greifen können. Es kann nicht sein, dass gegen den Halter bereits ein Tierhalteverbot besteht, der Ehefrau ebenfalls eines angedroht wird und sich das Verfahren durch eine Anfechtung weiterzieht“, so Rosenkranz.1000 Tiere am HofDerzeit würden die knapp 1000 Tiere von der Tochter betreut. Nach Angaben der Bezirkshauptmannschaft werde der Betrieb engmaschig begleitet, zudem sei bereits ein Strafverfahren eingeleitet worden. Auch die Bezirkshauptmannschaft St. Pölten bestätigt gegenüber der „Krone“, dass zwei Anzeigen des VGT eingelangt sind.Letzte Kontrolle vor zwei Wochen!Der Betrieb werde durch die Veterinärbehörde „engmaschig kontrolliert“, zuletzt am 12. August. Dabei sei die umgehende Behebung festgestellter Mängel angeordnet worden. Die Einhaltung dieser Aufträge werde überwacht, Verwaltungsstrafverfahren seien eingeleitet worden. Auch künftig soll der Betrieb regelmäßig auf die Einhaltung der tierschutzrechtlichen Vorgaben überprüft werden.Rosenkranz fordert unterdessen auch Konsequenzen auf gesetzlicher Ebene: „Darüber hinaus müssen die Mindest- und Höchststrafen bei Tierquälerei deutlich angehoben werden – auch damit in besonders schweren Fällen bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen Untersuchungshaft möglich ist.“
Trotz Tierhalteverbot! – Horrorstall sorgt erneut für blankes Entsetzen 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-08-25 09:02:52
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