Weniger statt mehr Polizei? In Brigittenau und Leopoldstadt wird jetzt der Dienstplan kräftig umgekrempelt. Wo künftig mehr Beamte auf Streife gehen, wenn besonders viel los ist – und wo dafür weniger Polizei übrig bleibt, soll sich im Alltag zeigen. Ein Test mit Folgen für die Sicherheit der Wiener. Die Bezirkschefin sieht das neue Dienstzeitmodell sehr kritisch
In fünf Bezirken in Österreich wird ab sofort das neue Dienstzeitmodell der Polizei getestet: Bregenz, Linz, Leibnitz, Gänserndorf und der Brigittenau, inklusive Leopoldstadt. Erst seit einem Tag in Kraft ebbt die Kritik der Polizeigewerkschaften und von den Freiheitlichen nicht ab. Auch der 20. Bezirk selbst zeigt sich jetzt sehr skeptisch.
Brigittenaus Bezirksvorsteherin Christine Dubravac-Widholm (SPÖ) befürchtet eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Polizei: „Sollte sich das auch auf den Personalstand auswirken, ist das nicht hinzunehmen.“ Man brauche schließlich mehr Beamte auf den Straßen. Der Bezirk beobachte die weitere Entwicklung jedenfalls genau.Eines der einsatzstärksten Stadtpolizeikommanden der StadtDoch warum gerade die Brigittenau und die Leopoldstadt? Die Brigittenau teilt sich mit der Leopoldstadt die Insel zwischen Donau und Donaukanal und auch ein Stadtpolizeikommando. „Weil das Stadtpolizeikommando 2/20 zu den einsatzstärksten Stadtpolizeikommanden in Wien gehört. Insofern wird es in ganz Wien funktionieren, wenn es dort funktioniert“, so die Polizei Wien. Das sieht auch Wiens Landespolizeipräsident Pürstl so.
Die Wahl fiel daher genau auf dieses Gebiet, weil dieses Kommando zwei sehr unterschiedliche urbane Bezirke umfasst und einen hohen sowie stark schwankenden Arbeitsanfall hat. Dazu kommen zahlreiche Veranstaltungen – etwa im Prater. Mit etwas mehr als 89.000 Menschen zählt die Brigittenau außerdem zu den am dichtesten besiedelten Bezirken Wiens. Durch die geplante Bebauung des Nordwestbahnhof-Geländes wird zudem ein weiterer Bevölkerungszuwachs in der Höhe von bis zu 25 Prozent erwartet. Auch sonst hat der 20. Bezirk einige Besonderheiten. So zeigen die Bezirksstatistiken, dass die Wohnverhältnisse dort vergleichsweise beengt sind. So stehen pro Person im Durchschnitt nur 30 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, was deutlich unter dem Wiener Durchschnitt liegt. Jugendliche halten sich unter anderem wegen dieser Wohnverhältnisse häufig im öffentlichen Raum auf. Gerade das macht die Gegend für den Test interessant: normaler Alltagsbetrieb, Nachtleben, Großveranstaltungen, Verkehr, Touristen und unterschiedliche Einsatzlagen treffen hier aufeinander.
„Neues Modell sorgt dafür, dass auch mehr Streifen unterwegs sind“Doch bringt eine flexiblere Einteilung tatsächlich mehr sichtbare Polizeipräsenz zu den richtigen Zeiten oder bleibt am Ende nur weniger Personal zu anderen Zeiten übrig? „Das neue Modell sorgt dafür, dass dann, wenn es mehr Einsätze gibt, auch mehr Streifen unterwegs sind. Das ist bedarfsorientierte Planung. Derzeit ist das nicht der Fall – gerade im Gruppendienst“, heißt es dazu von LPD Wien auf „Krone“-Anfrage. Mit Stand Juli 2026 versahen im Stadtpolizeikommando 2/20 insgesamt 313 Beamte ihren Dienst.Mit Dezember 2026 startet dann auch die neue Recruiting-Initiative „Bist du bereit – Wien auf Zeit?“. Damit folgt das Innenministerium einer Anregung von vielen Polizisten sowie der Personalvertretung. Angehende Polizisten sollen damit die Möglichkeit erhalten, ihren Dienst auf fünf Jahre befristet in Wien zu versehen und danach garantiert (also nach zwei Jahren Ausbildung und drei Jahren Außendienst in Wien) in ihr Heimatbundesland zurückzukehren. Derzeit befinden sich übrigens rund 1000 Polizeischüler für die LPD Wien in Ausbildung.
Polizei-Experiment – 600 Euro mehr für Dienst in Wiener „Problembezirk“ 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-09-02 15:33:55
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