Das Volkslied «Noch em Rege schint Sunne», das in den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts zu einem Hit wurde, passt ausgezeichnet zum Geschehen des 95. Stossschiessens in Gais. Da wäre erstens das Wetter: Nachdem am Freitag ein Sturm, der über das Stossgelände fegte, die Überdachung des Schiessstandes herunterriss und diese nicht mehr zu gebrauchen war, durften die Schützinnen und Schützen endlich wieder einmal von zwei sonnig warmen und windstillen Schiesstagen profitieren. Und zweitens die Beteiligungszahlen: Der Neustart im Jahr 2020 mit diversen Neuerungen und die Übernahme des Präsidiums durch alt Nationalrat Toni Brunner zeigen Wirkung. Die Teilnehmerzahlen steigen wieder. Gegenüber letztem Jahr sogar um 25 Prozent. Für das 100-Jahr-Jubiläum im kommenden Jahr rechnet Vizepräsident Ivo Koller mit einem weiteren Anstieg der Teilnehmerzahlen. Es wird erwartet, dass dann erstmals wieder über 800 Schützinnen und Schützen den Weg nach Gais finden werden. Dass nächstes Jahr der runde Geburtstag gefeiert wird, in diesem Jahr aber erst das 95. Schiessen stattfand, hat folgenden Grund: Wegen Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs, Munitionssperren und der Coronapandemie konnte das Stossschiessen fünfmal nicht durchgeführt werden.
Neuer Feldunterstand
Die Stossschützen-Landsgemeinde verlief speditiv. Dank dem, dass der Vorstand die Traktandenliste von bis anhin 23 auf sieben Traktanden verkürzte, gelang es Präsident Toni Brunner, die Versammlung in Rekordzeit abzuhalten. Ganz zum Wohlwollen der Gäste aus Politik und Armee. Höhepunkte waren wie immer der Einzug der Standarten, das gemeinsame Singen der Nationalhymne und die musikalische Begleitung. Dieses Jahr verschönerte die Stegreifgruppe der Musikgesellschaft Haslen den Anlass. Die Versammlung stimmte ausserdem dem Antrag des Vorstandes zu, einen neuen Feldunterstand für die 300-Meter-Schützen bauen zu lassen. Da kam dem Antragsteller zugute, dass, wie gesagt, der Schiessstand zwei Tage zuvor ohnehin zerstört worden war. Im Team der Revisoren gibt es eine Rochade. Hans Knechtle wird durch seinen Vereinskameraden Manfred Koller, Bezirksschützen Schlatt-Haslen, abgelöst.
Zwei neue Ehrenmitglieder
Ueli Preisig ist nicht nur Präsident der Standschützengesellschaft Teufen. Seit 35 Jahren übernimmt er als Zeigerchef beim Stossschützenverband Verantwortung, dass bei diesem noch von Hand gezeigten Schiessanlass alles reibungslos abläuft. Für dieses ungemein lange Engagement wurde Ueli Preisig an der Stossschützen-Landsgemeinde zum Ehrenmitglied ernannt. Für seine siebzehnjährige Tätigkeit als Schützenmeister durfte auch Andy Hofstetter, er ist auch Präsident der Schützengesellschaft Wängi-Tuttwil, die Ehrenmitgliedschaft entgegennehmen. In seinem viel beachteten Referat wies der Gastredner, der Innerrhoder Nationalrat Thomas Rechsteiner, darauf hin, dass er stolz sei, hier auf dem Stossgelände auf einem Stück «Schweizer Geschichte» zu stehen. Die Krieger von damals fielen nicht durch grosse Worte auf, sondern durch Kämpfen und Handeln. Und wenn Rechsteiner auch froh ist, dass heute in der Schweiz politische Differenzen nicht mehr im Kampf ausgetragen werden, wies er doch darauf hin, dass Friede keine Selbstverständlichkeit sei. Wer für die Selbstbestimmung sei und die Freiheit schützen wolle, müsse auch Verantwortung übernehmen, so Rechsteiner.
Nationalrat Bischof übernimmt 2027
Bei der Siegerehrung blieb es dem stillstehenden Landammann Pius Federer vorbehalten, den Gewinnern die von verschiedenen Sponsoren gestifteten Gutscheine für eine Sportwaffe zu überreichen. Aus Appenzeller Sicht interessant: Alfred Keller gewann bei den Standardgewehrschützen die Ehrengabe, die Uli Rotach-Statue. Der Sieger des Sektionswettkampfs Gewehr und somit Besitzer der Stossstandarte für mindestens ein Jahr ist der Schützenverein Uli Rotach Schwende.
Der im Frühjahr in den Nationalrat gewählte Ausserrhoder Edgar Bischof besuchte dieses Jahr das Stossschiessen zum ersten Mal. Am vergangenen Sonntag noch als Gast. Nach dem Jubiläumsanlass Ende August 2027 wird Bischof das Amt des neuen Präsidenten des Stossschützenverbandes übernehmen. Somit konnte die Nachfolge bereits frühzeitig in die Wege geleitet werden.
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Die Teilnehmerzahlen steigen deutlich 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-09-01 06:34:00
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