Vier tote Bauarbeiter, ein Schwerverletzter überlebte knapp. Das tragische Unglück in Wien hat das ganze Land erschüttert. Die Finanzpolizei hat sich indes die Branche näher angesehen. Und die Zahlen zeigen: Kaum eine Baustelle, auf der es keinen Verstoß gegen Sicherheits- oder arbeitsrechtliche Bestimmungen gibt …
Nach dem verheerenden Baustellen-Unfall in der Bundeshauptstadt – vier Arbeiter verloren ihr Leben, ein Mann wurde schwer verletzt – gibt es zumindest kleines Aufatmen: Der Zustand des geretteten Arbeiters hat sich inzwischen deutlich verbessert. Doch das Drama wirft ein grelles Licht auf Missstände am Bau.Denn zeitgleich zu den laufenden Ermittlungen im Unfall schlagen die Behörden Alarm: Die Finanzpolizei hat bei einer groß großangelegten Schwerpunktaktion im März quer durch Europa tief in die Branche geblickt und Erschreckendes entdeckt.Allein in Österreich wurden bei Kontrollen auf 285 Baustellen insgesamt 586 Firmen und rund 2000 Beschäftigte überprüft. Das Ergebnis: 546 Übertretungen, ein massives Ausmaß an Gesetzesverstößen. Besonders brisant: Die Palette an Delikten reicht von Schwarzarbeit (161 Anzeigen) und illegaler Beschäftigung (35 Anzeigen) bis hin zu Lohn- und Sozialdumping (268 Fälle) sowie fehlenden Arbeitszeitaufzeichnungen (50 Fälle).Mega-Schulden am BauAuch finanziell wurde kräftig zugelangt. Rund 60.000 Euro an offenen Abgaben konnten sofort eingetrieben werden. Zusätzlich standen in sieben Fällen noch über 200.000 Euro an Strafgeldern im Raum. Mittels Forderungspfändung wurden diese eingebracht.In einem Fall pfändeten Ermittler den gepanzerten Luxusmercedes S600 eines verschuldeten Auftraggebers aus der Ukraine. Die Kontrollen brachten zudem drastische Einzelfälle ans Licht. In Niederösterreich wurden mehrere Schwarzarbeiter am Bau entdeckt.In Oberösterreich mussten zwei kosovarische Bauarbeiter ohne Aufenthaltsgenehmigung an die Fremdenpolizei übergeben werden. Zusätzlich entlarvten die Ermittler drei Scheinselbstständige. In Salzburg wurde ein Bauarbeiter mit gefälschtem Führerschein erwischt. In allen Fällen laufen weitere Ermittlungen, insbesondere Subunternehmensstrukturen innerhalb der Auftragsketten werden jetzt ganz genau unter die Lupe genommen.Die Behörden zeigen sich von den Ergebnissen alarmiert: „Dass wir derart viele Verstöße feststellen mussten, zeigt deutlich, dass illegale Praktiken am Bau weiterhin ein massives Problem darstellen“, so Finanzpolizei-Bereichsleiter Wilfried Lehner. Finanzminister Markus Marterbauer: „Es gilt: Null Toleranz für Steuer- und Abgabenbetrug.“
Schockierende Bilanz – Razzien auf 285 Baustellen: Kaum eine ist sauber 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-04-02 19:46:49
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