„Ich habe 75 Apps auf meinem Handy. Die Einzige, die nicht funktioniert, ist die ID Austria“, sagt Buchautor Andreas Salcher. Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosek und er machen sich für eine Digitalisierung stark, die den Menschen dient und Erleichterungen bringt und nicht die Verwaltung verkompliziert oder gar Menschen ausschließt.
Korosec und Salcher fordern im „Krone“-Doppelinterview einen „Realitätscheck für digitale Verwaltung“, bevor Anwendungen oder Apps online gehen. Gerade für ältere Menschen könne Digitalisierung viel Positives bringen und den Alltag erleichtern, etwa mit Telemedizin, bei eingeschränkter Mobilität oder bei schlechter Nahversorgung, betonen beide. Stattdessen kommen aber täglich Beschwerden von Älteren, die mit der Digitalisierung nicht mitkommen, berichtet Korosec.Schulungen für Senioren gefordertAber auch wenn die Internetnutzung bei Menschen über 65 steigt, sind weiterhin rund 25 Prozent der Senioren noch nicht digital fit oder technisch ausgerüstet. Für diese soll es niederschwellige Gratis-Angebote für Schulungen geben, fordern Korosec und Salcher. Und es soll wie bei Schulen und KMUs auch Unterstützung für die technische Ausstattung geben. Internationale Vorbilder sind etwa Dänemark und Estland, wo die Bevölkerung zu 100 Prozent digitalisiert ist.„Schlechte, benutzerunfreundliche oder fehlerhafte Lösungen und Apps verunsichern die Menschen und vergrößern die Skepsis gegenüber der Digitalisierung“, so Korosec und Salcher. Sie fordern einen Realitätscheck vor der Inbetriebnahme. Salcher schlägt einen Abgeordnetentest vor: Wenn fünf von 183 Nationalräten beim Bedienen scheitern, solle die Anwendung zurück an den Start.Schon Maria Theresia ließ Gesetze testenKorosec blickt weit zurück in die Geschichte. Schon unter Maria Theresia musste ein neues Gesetz „normalen Bürgern“ vorgelesen werden (= buta ember Test). Nur wenn sie es verstanden haben, trat es in Kraft. Auch der Verfassungsgerichtshof habe mehrfach festgehalten, dass Gesetze verständlich sein müssen, damit der Bürger sie einhalten kann. „Das Gleiche muss auch für die digitale Verwaltung gelten“, so Korosec.Besonders wichtig ist der Seniorenbundpräsidentin die Wahlfreiheit. „Es muss von Beginn an eine analoge und digitale Wahlmöglichkeit geben.“ Es bedarf schriftlicher, telefonischer und persönlicher Beratung mit echten Menschen in Gemeinden, Ministerien und öffentlichen Institutionen. Das Gleiche gelte für Banken, Supermärkte und Textilketten, wo immer öfter nur noch Kassenautomaten stehen. Wer nicht digital fit ist, kann nicht einkaufen oder Bankgeschäfte abwickeln.Korosec fordert eine gesetzliche Verankerung. Der Gleichheitsgrundsatz solle auf „Alter“ erweitert werden. „Denn nur wer ein Recht hat, kann auch sein Recht einfordern.“ Ein Dorn im Auge sind Korosec Vorteile, die nur digital in Verbindung mit der Nutzung einer App angeboten werden. So sind Tickets bei den Wiener Linien 20 Cent billiger, wenn sie online gekauft werden. Salcher plädiert zudem auf eine Verankerung im Konsumentenschutz, dass persönliche Kontaktaufnahme möglich ist.
Senioren fordern Check – Ärger mit ID Austria: „Politiker sollen testen“ 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-04-06 16:19:37
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