Am Mittwoch startete am Klagenfurter Landesgericht der Prozess um den Terroranschlag von Villach, bei dem im Vorjahr sechs Menschen angegriffen wurden – ein 14-Jähriger wurde dabei getötet. Der angeklagte Syrer, nur wenige Jahre älter als das Mordopfer, gab gleich zu Beginn des Prozesses bekannt, dass er nichts bereue.
Schon nach rund eineinhalb Stunden waren die Plädoyers der Rechtsvertreter abgeschlossen – danach wurde der Angeklagte erstmals ausführlicher befragt. Der 24-Jährige sitzt gesichert hinter Panzerglas, bewacht von vier schwer bewaffneten Beamten. Weißes Hemd, schwarze Hose, regungsloser Blick: Während des Prozessauftakts in Klagenfurt verzieht er keine Miene.
Aussagen sorgen für Fassungslosigkeit„Ich habe schon alles gesagt“, erklärt der Kurde zunächst knapp. Doch auf die Fragen des Gerichts geht er schließlich doch ein – und sorgt mit seinen Aussagen für Fassungslosigkeit. Der Angeklagte gibt an, sich weiterhin der Terrororganisation Islamischer Staat verpflichtet zu fühlen. Reue? Fehlanzeige. Er bereue nichts, würde alles noch einmal genauso machen. Mehr noch: Er würde sogar „noch mehr Menschen töten – mindestens zehn waren das Ziel“. Männer zwischen 14 und 45 Jahren – so, „wie es der IS vorgibt“.Dabei hatte seine Geschichte einst völlig anders begonnen. Der heute 24-Jährige war ursprünglich aus Syrien geflüchtet, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen. „Ich hatte damals Angst um mein Leben“, schildert er vor Gericht. Seine Familie floh ebenfalls und wurde über verschiedene Länder Europas verteilt.Blitzradikalisierung innerhalb von drei MonatenDoch dann folgte laut den Ermittlungen eine Blitzradikalisierung: Innerhalb von nur drei Monaten wurde aus dem zuvor unauffälligen jungen Mann ein mutmaßlicher IS-Kämpfer. Auch heute fühle er sich der Mission der Terrororganisation weiterhin verpflichtet. Sein Ziel sei es, an der Errichtung eines Staates des IS mitzuwirken.Auf die Frage des Richters, wo dieser Staat entstehen solle, antwortet der Angeklagte ohne Zögern: „Auf der ganzen Welt.“Attentat in Villach dauerte nur 84 Sekunden84 Sekunden. So lange dauerte es, bis für viele Menschen nichts mehr so war wie zuvor. Denn in dieser kurzen Zeit wurden sechs Menschen Opfer eines terroristischen Angriffs, der schlimme Erinnerungen an den Anschlag von Wien weckte. Anders als in der Bundeshauptstadt überlebte der Villacher Angreifer – insgesamt verliefen zwischen der ersten Messerattacke und der Verhaftung sechs Minuten.Heute sitzt der mittlerweile 24-Jährige dafür als verdächtiger Terrorist und Mörder auf der Anklagebank. Im Schwurgerichtssaal von Klagenfurt wurde sogar ein spezieller Glasverschlag errichtet, um ihn an den beiden geplanten Prozesstagen zu isolieren. Denn er gilt nach wie vor als gefährlich.Deradikalisierungsversuche sind gescheitert, an seiner kruden IS-Ideologie dürfte sich auch in 15 Monaten streng überwachter Einzelhaft nichts geändert haben.Der Kurde hat laut Anklage am 15. Februar 2025 in Villach mit einem Tage zuvor gekauften Messer wahllos auf männliche Passanten eingestochen, ein 14-jähriger HTL-Schüler wurde das erste Opfer und starb, fünf weitere Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Hätte nicht ein syrischer Essenslieferant, der „Held von Villach“, mutig eingegriffen, wäre das Töten vermutlich weitergegangen.Denn das Ziel des binnen kurzer Zeit online radikalisierten Attentäters sei es gewesen, als Märtyrer zu sterben, Angst und Schrecken zu verbreiten, „die Zivilgesellschaft zu erschüttern“, wie es heißt. Das ist ihm nicht gelungen. „Wir sind Villach“ ist zum Synonym für Zusammenhalt, Gemeinschaft und Stärke geworden.Strenge SicherheitsauflagenUm zu verhindern, dass der Angeklagte die auf zwei Tage anberaumte Verhandlung für IS-Propaganda nutzt, herrschen strenge Sicherheitsvorkehrungen – etwas absurd mutet allerdings ein spezielles Zeichenverbot an, auch alle elektronischen Geräte müssen abgegeben werden.Laut Justiz sei das aber notwendig, auch um die Anonymität aller Prozessteilnehmer – vor allem der Geschworenen und der Zeugen – zu garantieren. 150 Zuhörer, unter ihnen 27 Medienvertreter, werden erwartet, ohne lange zuvor ausgestellte Akkreditierung gibt es keinen Zutritt.Pflichtverteidiger: „Wird wohl bei geständiger Verantwortung bleiben“Was sie alle vom mutmaßlichen Terroristen zu hören bekommen werden? „Er hat sich grundsätzlich bereits vor der Polizei geständig verantwortet, dabei wird es wohl bleiben“, so Verfahrenshelfer Philipp Tschernitz, der den undankbaren und auch unbezahlten Job des Pflichtverteidigers übernehmen musste und diesen trotz vieler ungerechtfertigter Anfeindungen seit 15 Monaten ruhig und routiniert macht. Seine Aufgabe ist es, für ein faires Verfahren zu sorgen – nicht einfach in einer derart emotionalen Causa.Am Tag vor dem Prozess hat er seinen Mandanten übrigens noch einmal in der Justizanstalt Klagenfurt besucht. Er sei in seiner Anwesenheit stets ruhig und einsilbig, antworte nur mit Ja und Nein: „Er ist sich bewusst, dass er Verantwortung übernehmen muss“, so Tschernitz. Auch das unfassbare Grinsen, das der junge Syrer bei seiner fotografisch festgehaltenen Verhaftung trug, habe er längst abgelegt – in der Erkenntnis, dass ihm im Falle der Verurteilung als Schwerverbrecher lebenslange und isolierte Haft droht.
Terror-Prozess – Keine Reue: „Ich würde noch mehr Menschen töten“ 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-05-27 09:47:55
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