Am frühen Sonntagmorgen, 10. Mai, vor 6 Uhr lagen die Hauptgasse und der Kirchenplatz von Appenzell noch in friedlichem Schlummer. Das Morgenrot spiegelte sich verheissungsvoll in den Kirchenfenstern. Ein Uhu rief schlaftrunken aus seinem Nachtlager und die Katze von der Löwen-Drogerie war bereits auf ihrer Morgentour. Nun trafen auch die ersten Wallfahrer und Mitglieder der Musikgesellschaft Harmonie Appenzell beim Rathaus ein. Neben dem Kirchturm reihten sich nach und nach die Männer und Frauen der Standeskommission auf, würdevoll angetan mit den schwarzen Umhängen. An die Spitze des Regierungsgrüppchens stellten sich die regierende Frau Landammann Angela Koller und der neu als stillstehender Landammann gewählte Pius Federer. Ebenso gesellten sich Standespfarrer Lukas Hidber und seine Ministranten dazu. Exakt mit dem sechsten Stundenschlag setzte sich die Prozession in Bewegung, allen voran zwei Fahnen- sowie der Kreuzträger.
Im Gebet schier das Beten vergessen
Der Sammelplatz oberhalb von Appenzell präsentierte sich bei der Ankunft der Wallfahrerinnen und Wallfahrer im herrlichsten Sonnenschein. Dort wurde traditionsgemäss der Schlachtbrief verlesen und der im Kampf beim Stoss gefallenen Appenzeller und ihrer Helfer gedacht.
Während es von Appenzell nach Meistersrüte ausschliesslich der Hauptstrasse entlang gegangen war, führte die Route vom Sammelplatz bis zum Schachen über Wiesenwege und Kiessträsschen. Beim Anblick der wunderbaren Landschaft hätte man fast das Beten vergessen – wobei das Geniessen der prachtvollen Aussicht und das Aufsaugen der würzigen Luft ja eigentlich auch eine Form des Gebets sind. Der aufkommende Föhn hat in der Folge vor allem die Fahnenträger vor Herausforderungen gestellt. «Jo, hescht scho eebe möse häbe», gab der vordere Fahnenträger mit einem Schmunzeln zu.
Langer Pilgerzug
Angekommen am Stoss, wurde die Innerrhoder Pilgerschar von der Musikgesellschaft Harmonie Appenzell feierlich musikalisch empfangen, ebenso wie zuvor beim Sammelplatz. Ganze zwei Stücke konnten die Musikantinnen und Musikanten spielen, bis auch die letzten der wohl über 300 Prozessionsteilnehmer ein Plätzchen vor der Schlachtkapelle fanden. Ein ehemaliger Musikant der «Harmonie» erinnerte sich daran, dass vor Jahren bei sehr garstigem, kaltem Wetter bereits ein halbes Musikstück gereicht hätte, weil damals bloss um die 50 Leute mitmarschiert seien.
Standespfarrer Lukas Hidber zelebrierte den Gottesdienst bei der Schlachtkapelle auf Gaiser Gemeindegebiet. Im Besonderen begrüsste er die Mütter – schliesslich fiel die Stosswallfahrt ja mit dem Muttertag zusammen. Im Anschluss an die Feier schenkte er jeder Mutter und Grossmutter einen «Schoggibolle» als kleines Dankeschön für die unermüdliche Mamaarbeit. Vorher hatte er noch mit einem Grinsen und wenig reumütig gestanden, dass vielleicht eine Kugel fehlen könnte – schliesslich habe er testen müssen. Pünktlich zum Ende des Gottesdienstes mischte sich in die würzige Appenzeller Frühlingsluft der Duft feiner Grillwürste. Die Musikgesellschaft Harmonie Appenzell spielte unter der Leitung von Dirigent Julian Inauen löpfig auf und das Wetter zeigte sich mild gestimmt, sodass viele gerne noch verweilten. Danach traten nicht wenige den Heimweg wieder zu Fuss an, die anderen durften mit der Appenzeller Bahn hoch offiziell «schwarz» heimfahren.
Der Beitrag Prachtvolle Stosswallfahrt am Muttertag erschien zuerst auf appenzell24.ch.
Prachtvolle Stosswallfahrt am Muttertag 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-05-11 11:38:00
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