Ein Lokalaugenschein, der ernüchternd ist: Die Rebzikade hat das Land fest im Griff. Viele Winzer sind in großer Sorge. Sie treten für eine bundesweite Unterstützung ein, um den Schädling effektiv bekämpfen zu können.
Zu ruhig ist es derzeit vielen Winzer rund um die Amerikanische Rebzikade geworden. Ende Juli hatten die Weibchen ihre Eier am Rebstock unter die Rinde abgelegt, über den Herbst und Winter passiert vorerst nicht viel. Für die Nerven der Weinbauern sind die kommenden Monate jedoch keine Schonzeit.„Problem endlich anpacken!“„Die Rebzikade hat heuer schon so viele Schäden angerichtet, dieses immer größer werdende Problem darf während der aktuellen Lese und danach nicht in den Hintergrund rücken. Die Diskussion soll nicht einschlafen, und nächstes Jahr ist dann der nächste Aufschrei unüberhörbar“, geben Betroffene aus Gols zu bedenken. In dem Weinbauort hat der Schädling unerbittlich zugeschlagen, die Fangzahlen sind sehr hoch.Ärger quer durch das LandÄhnlich düster sind die Aussichten rund um Eisenstadt. Kaum ein Weingarten scheint vom Befall verschont geblieben zu sein. Wenngleich der Rebstock neben einem befallenen Exemplar oft gesund wirkt, ist davon auszugehen, dass sein Ende längst besiegelt ist. Die Ausbreitung wird bereits als flächendeckend eingestuft. „Täglich muss man zuschauen, wie neue befallene Stöcke dazukommen.“Die Kritik: „Im konventionellen Weinbau wurde die Notfallzulassung der Insektizide heuer zu spät genehmigt. Wir müssen im Larvenstadium 3 mit der Bekämpfung beginnen, also Mitte Mai“, merkt ein enttäuschter Winzer an.Hilferuf an LandesamtsdirektionVerzweifelt sind ebenso viele Winzer im Landessüden. „Das Weinbaugebiet Heiligenbrunn befindet sich in der Befallszone, die die gefürchtete Goldgelbe Vergilbung der Rebe zur Folge hat. Die BH Güssing hat es trotz mehrmaliger Meldung unterlassen, diesbezüglich einzuschreiten“, heißt es in einem Schreiben an die Landesamtsdirektion. Schon im Februar seien Bilder von den verwahrlosten Weingärten übermittelt worden – auf eine Reaktion der Behörde werde noch immer gewartet, sind die Winzer fassungslos. Jetzt wird auf Hilfe aus Eisenstadt gehofft.Warten auf tatkräftige InitiativeWas passiert mit den Winzern, die roden müssen? Wie werden sie abgesichert? Diese Fragen drängen sich in den Anbaugebieten auf. „Die politische Kommunikation konzentriert sich bislang auf die Notwendigkeit der Bekämpfung. Das ist fachlich nachvollziehbar, dennoch keine nachhaltige Strategie“, beklagt ein Winzer aus dem Bezirk Neusiedl am See stellvertretend für zahlreiche Kollegen.Von fachkundigen Experten wird die konsequente Eindämmung der Krankheit gefordert. „Der Weinbauverband sollte die Initiative ergreifen und über Ländergrenzen hinweg eine einheitliche Lösung für den Kampf gegen die Rebzikade finden“, lautet die Aufforderung zum Handeln. Denn für etliche Winzer geht es ums Überleben. „Drei Jahre nach der Rodung darf kein junger Stock eingesetzt werden. Danach kommt eine weitere Wartezeit von drei Jahren hinzu, bis die erste Ernte möglich ist. Nicht jeder Winzer wird finanziell so lange durchhalten können“, wird gewarnt. Die Unterstützung beginne beim Pflanzenschutz, egal ob bei den Bio-Winzern oder im konventionellen Weinbau.
Aufschrei der Winzer – Befall durch Rebzikade weitet sich dramatisch aus 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-08-23 04:58:43
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