Autohersteller ersetzen immer mehr Schalter durch Touchscreens und verweisen bei Kritik gern auf die Sprachsteuerung, mit der man ja alles regeln könne. Aber funktioniert das wirklich? Jein, sagt der ADAC.
„Mir ist kalt“ – und das Auto erhöht die Temperatur. „Die Scheibe beschlägt“ – und die Defrost-Funktion startet. Moderne Sprachassistenten verstehen längst mehr als jene starren Kommandos, die man früher in möglichst deutlicher Robotersprache aufsagen musste.Der ADAC wollte nun wissen, ob Sprachsteuerung tatsächlich
jene klassischen Schalter ersetzen kann, die aus immer mehr Cockpits
verschwinden. Dafür wurden 40 aktuelle Autos vom Dacia Duster bis zu
Oberklassemodellen mit insgesamt 18 Aufgaben konfrontiert. Das Ergebnis fällt gemischt aus: 16 Fahrzeuge erhielten
„gut“, 14 „befriedigend“, sieben „ausreichend“ und drei „mangelhaft“. BMW 5er versteht 16 von 18 BefehlenAm besten schnitt der BMW 5er ab. Er erledigte 16 der 18 Aufgaben und
erhielt bei Klimatisierung und Infotainment jeweils die Bewertung „sehr gut“.
Nur bei einzelnen Licht- und Sichtfunktionen gab es Grenzen. Ebenfalls mit „gut“ bewertet wurden unter anderem Mercedes
CLA EQ und CLE, Tesla Model Y, VW Golf und ID.7, Skoda Elroq und Superb, Nissan
Leaf, Volvo EC40 und ES90 sowie Ford Capri. Am anderen Ende stehen Dacia Duster und Jogger sowie Suzuki
e-Vitara mit „mangelhaft“. Bei den beiden Dacia liegt das unter anderem daran,
dass Sprachbedienung nur über ein gekoppeltes Smartphone möglich ist. Navi klappt – Warnblinker nichtBei Infotainment-Funktionen sind Sprachassistenten inzwischen in ihrem
Element. Navigationsadressen eingeben, Kontakte anrufen oder Radiosender
auswählen funktioniert bei vielen Fahrzeugen zuverlässig. Gerade dort sieht der
ADAC einen echten Sicherheitsvorteil gegenüber der Bedienung auf einem
Touchscreen. Deutlich schlechter sieht es bei grundlegenden
Fahrzeugfunktionen aus. Nur vier von 40 Autos konnten Abblendlicht und
Nebelschlussleuchte direkt per Sprachbefehl einschalten. Den Scheibenwischer
verstanden gerade einmal zwei Modelle. Den Warnblinker konnte kein einziges
getestetes Fahrzeug per Sprachkommando aktivieren. Auch bei Assistenten herrscht FunkstilleBesonders deutlich zeigt sich das beim Abschalten von
Fahrerassistenzsystemen. Der ADAC prüfte unter anderem Geschwindigkeitswarner
und Spurhalteassistent. Nur bei drei Fahrzeugen ließen sich beide Funktionen
direkt per Sprache deaktivieren. Fünf weitere öffneten zumindest das
entsprechende Menü. Bei den übrigen 32 Autos half die Sprachsteuerung überhaupt
nicht weiter. Gerade hier liegt ein praktisches Problem: Viele
Assistenzsysteme aktivieren sich nach jedem Fahrzeugstart erneut. Wer sie
abschalten will, muss sich bei manchen Autos durch mehrere Ebenen des
Touchscreens tippen.Eine gute Sprachsteuerung könnte diese Ablenkung vermeiden.
In der Praxis ist sie dafür bislang aber kaum ausgelegt.Klima funktioniert deutlich besserBei Heizung und Klimaanlage sieht es wesentlich besser aus. Temperatur,
Gebläse oder Sitzheizung lassen sich bei vielen Testautos per Sprache steuern. Trotzdem
stellt der ADAC auch hier fest: Ein echter Drehregler oder eine Taste ist
häufig noch schneller. Wer einfach nur die Temperatur um zwei Grad verändern
möchte, braucht dafür weder Sprachassistent noch Menüstruktur. Und Sprache hat weitere Grenzen. Sie kann störend sein, wenn
sich Insassen unterhalten, jemand schläft oder gerade telefoniert wird.
Komplexere Sprachbefehle werden zudem häufig über externe Server verarbeitet.
Ohne Datenverbindung können manche Funktionen deshalb eingeschränkt sein oder
ganz ausfallen; langfristig können außerdem Kosten für entsprechende
Online-Dienste entstehen. Die beste Lösung ist nicht entweder oderDer Test liefert damit vor allem ein Argument gegen jene Cockpits, in denen möglichst jeder Knopf eingespart wird. Für Navigation, Telefon, Medien und selten benötigte Einstellungen kann Sprache inzwischen sehr gut funktionieren. Touchscreens eignen sich für Karten und komplexe Darstellungen. Doch Funktionen, die schnell und zuverlässig erreichbar sein müssen, gehören nach Ansicht des ADAC weiterhin auf physische Bedienelemente.
40 Autos im Test – Wie gut ist Sprachbedienung im Auto wirklich? 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-10-04 09:09:23
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