Menschen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, auch noch finanziell zu schädigen – der Vorwurf gegen Ex-kika/Leiner-Geschäftsführer Hermann W. wiegt schwer. Ein Gutachten belegt nun, dass die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens bereits vor der Hochwasser-Rabattaktion ersichtlich war. Zudem soll W. auch noch in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.
Vor fast zwei Jahren sorgten die extremen Unwetter und Hochwasser für Schäden von über einer Milliarde Euro. Betroffen waren vor allem Menschen aus der niederösterreichischen Region Tullnerfeld, aber auch im übrigen Landesgebiet. Die Menschen standen vielerorts vor teils zerstörten Häusern, Möbel und Einrichtung unter dem Schlamm begraben.Zahlungsunfähig schon vor Rabattaktionkika/Leiner hatte damals unter Geschäftsführer W. den Geschädigten einen Unwetter-Nachlass auf neue Möbel, Küchen oder Ähnliches von 20 Prozent angeboten – laut Wirtschafts- und Korruptionsanwaltschaft zu einem Zeitpunkt, als die Pleite des Einrichtungshauses allerdings schon evident war. Wie die „Krone“ erfuhr, belegt ein Gutachten, welches bereits vor der Rabattaktion erstellt wurde, die Zahlungsunfähigkeit von kika/Leiner.Man sehe daher den Vorwurf des „systemischem Betrug“ klar untermauert, heißt aus der WKStA. Für diesen Vorwurf reicht ein sogenannter bedingter Vorsatz – sprich, auch wenn der Beschuldigte nicht bewusst auf eine Täuschung der Kundinnen und Kunden aus gewesen wären, hätte er diese zumindest in Kauf genommen.
Bereits 4700 Geschädigte4700 Geschädigte gibt es inzwischen, die ihre Möbel anzahlten, aber nie erhielten. Die Schadenssummer beläuft sich auf 15 Millionen Euro. Daher wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft St. Pölten an die WKStA abgetreten. Und es liegt noch ein weiterer Vorwurf gegen W. auf dem Tisch, nämlich jener der betrügerischen Krida. Betroffene der kika/Leiner-Rabattaktion im Zuge des Hochwassers von 2024 können sich direkt bei der Polizei melden!So soll dieser knapp vor der Insolvenz des Möbelhauses noch Rechnungen freigegeben haben, „ohne erkennbare Gegenleistung“, so die WKStA, die darin eine Schädigung der Gläubiger sieht. Besonders brisant: Eine der Rechnungen soll von einer Firma W.s ausgestellt worden sein. Die Schadenssumme beläuft sich hier auf insgesamt 1,1 Millionen Euro. Anwalt ortet „mediale Vorverurteilung“W. sitzt seit drei Tagen in Untersuchungshaft, sein Verteidiger sprach gegenüber dem ORF von einer „medialen Vorverurteilung“ und betonte, eine „unverzügliche Enthaftung“ seines Mandanten sei notwendig. Ob er bereits einen entsprechenden Antrag inklusive Beschwerde eingereicht hat, ist nicht bekannt, da er für die „Krone“ am Mittwoch nicht zu erreichen war. Das Möbelhaus war 2018 von der mittlerweile pleitegegangene Signa des aktuell ebenso in U-Haft sitzenden René Benko gekauft worden. Benko hatte dann die Kika/Leiner-Immobilien 2023 an den Grazer Immobilienentwickler Supernova verkauft und das operative Möbelgeschäft an den Handelsmanager W. abgegeben.Kurz darauf meldete das Unternehmen zum ersten Mal Insolvenz an. Nach der zweiten Insolvenz im November 2024 konnte W. weder frische finanzielle Mittel noch einen Investor auftreiben, das Aus des Unternehmens war besiegelt.
Ex-Chef in U-Haft – kika/Leiner: Gutachten stützt Hochwasser-Abzocke 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-09-02 10:28:48
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